25.11.2007 · Südafrikas Fußball-Nationalelf dürfte froh sein, an diesem Sonntag in Durban nicht im Lostopf der WM-Qualifikationsgruppen zu sein. Denn das Team gibt derzeit ein trostloses Bild ab. Nun gerät Trainer Parreira in Bedrängnis.
Von Thomas Scheen, JohannesburgCarlos Parreira darf sich wohl glücklich schätzen, von der Vorrundenauslosung für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 an diesem Sonntag befreit zu sein. Denn als Gastgeber sind die Schützlinge des südafrikanischen Nationaltrainers automatisch qualifiziert. Anders nämlich wäre es fraglich, ob die „Bafana Bafana“ (“die Jungs“) überhaupt an der kommenden Weltmeisterschaft teilgenommen hätten, so schlecht spielt die südafrikanische Nationalmannschaft gegenwärtig.
Während sich die Welt über die katastrophale Kriminalität am Kap erregt und sich fragt, ob die Stadien rechtzeitig fertig werden, die Stromversorgung garantiert sein wird und auch genügend Hotelbetten zur Verfügung stehen, ist die sportliche Seite des südafrikanischen Abenteuers namens FußballWeltmeisterschaft wahrscheinlich die größte Unbekannte. Seit Januar trainiert der Brasilianer Parreira für ein Nettosalär von 200.000 Euro monatlich die südafrikanische Nationalmannschaft. Geholfen hat das bislang nichts.
Carlos Parreira: „So spiele ich, und dabei bleibt es“
Die von Parreira angesetzten Testspiele etwa gegen Italien, Schottland und die Vereinigten Staaten gingen verloren. Lediglich gegen Kanada schaffte die Mannschaft in der vergangenen Woche einen verdienten 2:0-Sieg. Trotzdem ist die seit Monaten nur leise geäußerte Kritik an dem Brasilianer mittlerweile in lebhafte Ablehnung umgeschlagen. „Ein anderer Trainer“, schrieb etwa die einflussreiche Zeitung „Sunday Times“, „wäre entweder längst entlassen worden, oder die Fans hätten begonnen, ihn mit allen möglichen Dingen zu bewerfen“. Parreira, so echote „The Star“, mache aus Südafrika die „Lachnummer Afrikas“.
Nun gehört es wohl zum Los jedes professionellen Trainers, von den Freizeittrainern in den Redaktionsstuben ständig belehrt zu werden. Gleichwohl scheinen die schreibenden Fußballfreunde in einem recht zu haben: Parreiras Spielweise mit nur einer Sturmspitze sorgt dafür, dass der Stürmer regelmäßig am ausgestreckten Arm zu verhungern droht. Parreira will davon nichts wissen. „So spiele ich, und dabei bleibt es“, beschied er seine Kritiker und moserte stattdessen über die „mangelnde Reife“ der Spieler, die im Gegensatz zu seinem brasilianischen „Material“ viel zu spät auf Touren kämen, über die schlechte Jugendarbeit und die fehlende Kooperationsbereitschaft der südafrikanischen Ligavereine.
13 Trainer in 15 Jahren für die „Bafana Bafana“
Dass Bafana Bafana keine Mannschaft von Weltniveau ist, ist nun wirklich nichts Neues. Ihre Legionäre, darunter drei Bielefelder, ein Karlsruher und der für Dortmund spielende Delron Buckley, sind solide Handwerker, aber keine Spieler mit Starqualitäten. Von einem Stürmer wie Didier Drogba, um den herum die ivorische Nationalmannschaft zusammengestellt wurde, kann Südafrika nur träumen. In der Weltrangliste rangiert die Nationalelf auf Platz 77, selbst unter den afrikanischen Mannschaften liegt sie auf Platz 16 - noch hinter Togo und Äquatorial-Guinea, die zusammen ungefähr so viel Einwohner zählen wie Johannesburg.
Im kommenden Jahr wird sich Südafrika bei der Afrika-Meisterschaft in Ghana den kontinentalen Schwergewichten Nigeria, Kamerun, Senegal und Elfenbeinküste stellen müssen. Das werde wohl mit Tränen enden, orakelt die Sportzeitschrift „Kick Off“ und sieht Parreira schon auf der langen Liste der gefeuerten Trainer. 13 von ihnen haben die Bafana Bafana in den vergangenen 15 Jahren verschlissen.
„Die Jungs“ nicht als „gelungene“ Namenswahl
Zu allem Überfluss nahm sich auch noch Präsident Thabo Mbeki der Bafana Bafana an, allerdings in der ihm eigenen, grundsätzlichen Art. „Die Jungs“, das sei doch kein Name für eine Nationalmannschaft, die das „Bild des modernen Südafrika in die Welt transportieren werden“. Womit offensichtlich wurde, dass Mbeki zu den wenigen gehört, die glauben, dass „die Jungs“ die erste Runde überstehen. Als der Staatschef dann auf die Rugby-Nationalmannschaft, die „Springboks“, und ihre „gelungene“ Namenswahl verwies, wusste die Nation nicht, ob sie jetzt lachen oder an Mbekis Urteilsvermögen zweifeln sollte. Denn das Bild des zarten Springboks mit seinen filigranen Gliedern passt zu diesen Pitbulls auf zwei Beinen wie die Faust aufs Auge.
Dabei trauen die meisten von Mbekis Untertanen ihrer Mannschaft ohnehin nicht viel zu, egal, wie sie sich nun nennen mag. Das Testspiel gegen Kanada in Durban wollten gerade einmal 8000 Zuschauer sehen, während das kurz drauf im selben Stadion stattfindende Duell der Soweto-Kultvereine „Orlando Pirates“ gegen „Kaizer Chiefs“ ausverkauft war.
120.000 Gratis-Tickets für die Townships
Nun hat Parreira zwar noch knapp drei Jahre Zeit und will eigenen Worten zufolge noch mehr als 70 Spieler begutachten, bevor er seinen Kader schmiedet. Vielleicht wird sich dabei sogar wider Erwarten doch noch eine Mannschaft formen lassen, die es bei der WM bis in das Viertelfinale schafft. Ob die südafrikanischen Fußballfans dann ihrer Mannschaft im Stadion zujubeln dürfen, darf indes bezweifelt werden. Zwar haben sich das lokale Organisationskomitee und die Fifa auf preisreduzierte Tickets für „Arme“ einigen können.
Die kosten aber immer noch zwischen 14 Euro (für die erste Runde) und 100 Euro für das Finale. Bei einem gesetzlichen Mindestlohn von 90 Euro im Monat und einer Arbeitslosigkeit von etwa 40 Prozent sind solche Preise weltfremd. 120.000 Tickets immerhin sollen gratis in den Townships verteilt werden. Die Preise für „normale“ Tickets hingegen orientieren sich an denen der WM in Deutschland und reichen von 55 Euro für die erste Runde bis hin zu 600 Euro für das Finale.
Thomas Scheen Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.
Jüngste Beiträge
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |