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WM 2010 in Südafrika Kap der schlechten Hoffnung

18.06.2007 ·  Für Südafrika steht mit der Fußball-WM 2010 sehr viel auf dem Spiel. Drei Jahre zuvor ist die Nervosität am Kap mit den Händen zu greifen. Endlose Debatten, Pannen und Gerüchte aus Europa sorgen immer wieder für neue Unruhe.

Von Thomas Scheen, Kapstadt
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Wenn Danny Jordaan Zweifel an der WM-Tauglichkeit Südafrikas zerstreuen muss, und das muss er mittlerweile ziemlich oft, redet er gerne über vergangene Verdienste. Über die Cricket-Weltmeisterschaft etwa, die am Kap ausgerichtet wurde, oder die Rugby-Weltmeisterschaft. Dabei kaut der Chef des südafrikanischen Organisationskomitees für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 auf seiner Unterlippe, als wenn er selbst nicht so recht von seinen Argumenten überzeugt sei.

Und flüchtet sich in Zahlen: Mehr als drei Milliarden Dollar Sponsorengeld seien dem Internationalen Fußball-Verband (Fifa) für die kommende WM schon zugesagt beziehungsweise überwiesen worden, sagt Jordaan. In Deutschland, fügt er süffisant hinzu, seien es lediglich 2,8 Millionen gewesen. 100 Millionen Dollar hätten alleine südafrikanische Unternehmen investiert, was doch wohl Beweis genug sei, dass man an diese WM glaube. „Mal ehrlich“, sagt Jordaan: „Glaubt denn jemand, die Fifa hätte uns diese WM gegeben, wenn sie nicht davon überzeugt gewesen wäre, wir kriegen das hin?“

Südafrikaner erhoffen sich von Blatter Entwarnung

Drei Jahre vor der ersten Fußball-WM auf dem afrikanischen Kontinent ist die Nervosität am Kap mit Händen zu greifen. Schuld daran hat nicht zuletzt Fifa-Chef Joseph Blatter und sein Orakeln über alternative Standorte, was ihm prompt den Besuch etlicher südafrikanischer Minister einbrachte, die um Aufklärung baten. Blatter in dieser Woche zu einer „Inspektionsreise“ in Südafrika erwartet, und die Südafrikaner erhoffen sich von diesem Besuch Entwarnung. Derweil übt sich Jordaan in Optimismus. Denn es sei doch Blatter gewesen, der davon gesprochen hatte, dass Plan A Südafrika sei, genauso wie Plan B und Plan C.

Für Südafrika steht mit dieser Weltmeisterschaft unglaublich viel auf dem Spiel. Das globale Fußballfest soll nämlich zweierlei beweisen: Zum einen, dass Afrika einem solchen Großereignis gewachsen ist, und zweitens, dass Afrika ein verlässlicher Partner ist, der sich über die WM hinaus als lohnendes Ziel für Auslandsinvestitionen empfiehlt. Diese Imagewerbung lässt sich die südafrikanische Regierung einiges kosten. Alleine 2,7 Milliarden Euro sind für den Bau neuer Stadien und für die Renovierung alter Sportstätten vorgesehen.

„Es gibt nicht den geringsten Grund, zu zweifeln“

Alles in allem wird das Großereignis Südafrika knapp vier Milliarden Euro kosten, die nach Meinung der Entscheidungsträger am Kap schon deshalb gut angelegt sind, weil mit der Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft der ultimative Beweis für die Zukunftstauglichkeit des Kontinents geliefert werden soll. In diesem Zusammenhang ist Kritik natürlich nicht erwünscht. „Wir liegen mit den Bauvorhaben im Zeitplan und es gibt nicht den geringsten Grund, an uns zu zweifeln“, sagt Jordaan.

Norbert Jorek ist leitender Angestellter der südafrikanischen Baufirma Murray und Roberts, die gegenwärtig das lange umstrittene Stadion in Kapstadt baut. Natürlich glaubt er an eine fristgerechte Fertigstellung des Stadions, etwas anderes bleibt ihm ohnehin nicht übrig. Er sagt aber auch, man solle mit dem „Herumfisseln“ aufhören und dass es langsam Zeit werde, dass alle Beteiligten in die gleiche Richtung rudern und diejenigen, die dazu nicht willens seien, aus dem Boot aussteigen sollen.

„Komm' ich heute nicht, komm' ich morgen“

Was er meint, sind die endlosen Debatten über das Design des Stadions, welche die Bauarbeiten behindern - einer der beteiligten deutschen Architekten bezeichnet den Streit um das endgültige Aussehen des Stadions gar als „Farce“. Und was Jorek sonst noch mit „Herumfisseln“ meint, ist das entspannte Verhältnis der Südafrikaner zu zeitlichen Vorgaben, das sich am besten mit: „Komm' ich heute nicht, komm' ich morgen“, beschreiben lässt.

Richtig ist, dass die Bauarbeiten in Durban und Johannesburg zügig vorankommen. In Kapstadt aber behaupten sie, glatte drei Wochen vor dem Zeitplan zu liegen. Der Grund dafür ist indes keine übertriebene Eile, sondern die Verkleinerung des Stadions aus Kostengründen, weshalb die Fundamente früher gegossen werden konnten als vorgesehen. Dabei sind die Stadien ja nur ein Teilaspekt des Mammutsprojekts namens Fußball-Weltmeisterschaft.

Regelmäßige Stromausfälle bereiten Probleme

Jordaan erzählt, das Organisationskomitee würde zur Unterbringung der auf etwa 400.000 bis 500.000 geschätzten Besucher gerne die privaten Pensionen (“Bed and Breakfast“) einbeziehen. Dafür müssten diese sich aber erst einmal selbst bewerten, um so etwas wie verbindliche Standards zu schaffen. Tun sie aber nicht. Zudem wird Südafrika gegenwärtig von regelmäßigen Stromausfällen heimgesucht, weil die Produktion schon lange nicht mehr die Nachfrage decken kann und dieser Zustand von Jahr zu Jahr schlimmer wird.

Neue Kraftwerke aber werden frühestens 2012 ans Netz gehen und damit zu spät für die WM. Die Liste der offenen Baustellen ließe sich beliebig fortsetzen, von der uferlosen Kriminalität über fehlenden Personennahverkehr bis hin zu einem neuen Gesetzesvorhaben, wonach jeder, der in Südafrika ein ausländisches Mobiltelefon benutzen will, am Flughafen erst einmal seine persönlichen Daten hinterlegen muss, damit das Abhören einfacher wird.

Gefecht zwischen linkem und rechtem Flügel

Nicht zuletzt droht die WM zur Geisel der südafrikanischen Politik zu werden, wo sich gerade der linke und der rechte Flügel der Regierungspartei „African National Congress“ auf dem Umweg über den mächtigen Gewerkschaftsverband Cosatu ein gnadenloses Gefecht um den Parteivorsitz liefern. Wie das aussehen kann, dafür liefert der seit zwei Wochen laufende Streik des öffentlichen Dienstes ein beredtes Beispiel, bei dem die Regierung Soldaten zum Schutz von Krankenhäusern abkommandieren musste.

Cheforganisator Jordaan sagt, er habe Gespräche mit Cosatu geführt, um die fristgerechte Fertigstellung der vielen Baustellen sicherzustellen. Ob dieser Burgfrieden halten wird, ist jedoch mehr als fraglich. Schlussendlich ist die WM das Prestigeobjekt des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki. Cosatus Herz aber schlägt für dessen Rivalen Jacob Zuma. Und nichts wäre verlockender, als den Forderungen nach einem Ende des von Mbeki beförderten Wirtschaftsliberalismus mit einem Boykott der Bauarbeiten für die WM Nachdruck zu verleihen.

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Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.

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