08.11.2005 · Das Berliner Landgericht will den Prozeß gegen den früheren Fußball-Profi Steffen Karl vom Verfahren gegen Robert Hoyzer abtrennen. Damit könnte das Urteil gegen den Skandal-Schiedsrichter früher als erwartet gesprochen werden.
Der Prozeß gegen Skandal-Schiedsrichter Robert Hoyzer und den geständigen Drahtzieher Ante Sapina wegen manipulierter Fußballspiele steht vor einem schnellen Ende. Nachdem der frühere Profi Steffen Karl am 7. Prozeßtag vor dem Landgericht Berlin alle Betrugsvorwürfe vehement bestritt, plant nun Richterin Gerti Kramer, das Verfahren gegen Karl abzutrennen. Damit könnte die Beweisaufnahme im Hauptverfahren schon nächste Woche beendet werden. Ursprünglich waren 18 Prozeßtage bis zum 29. Dezember anberaumt worden.
Völlig offen ist weiter das Verfahren gegen Schiedsrichter Dominik Marks, der am Dienstag nicht wie geplant aussagte. Sollte auch der Stendaler weiter die ihm vorgeworfenen Straftaten bestreiten, könnte auch sein Prozeß abgetrennt werden.
Karl: „Keinen Cent“
„Die Abtrennung ist ganz in unserem Interesse. Wir hoffen, daß sich der Prozeß gegen Steffen Karl nun durch die zusätzliche Beweisaufnahme nicht zu sehr verlängert“, meinte Karls Anwalt Andreas Bartholomé. Der Anwalt erhofft sich vom abgetrennten Verfahren, daß sein Mandant von allen Vorwürfen freigesprochen wird. Er hatte zuvor die Erklärung von Steffen Karl verlesen, in der der 35jährige ehemalige Profi jede eigene Beteiligung an Spiel-Manipulationen abstreitet. Auch dementiert Karl, jemals Geld von den kroatischen Sapina-Brüdern erhalten zu haben. „Keinen Cent“, unterstrich Bartholomé die Einlassung des derzeit arbeitslosen Karl.
Ante Sapina hatte zuvor ausgesagt, Karl hätte allein für die Manipulation des Regionalliga-Spiels Holstein Kiel - Chemnitzer FC (4:0) 10.000 Euro von ihm in einem Kieler Hotel erhalten. Indes räumte Karl ein, daß er im Auftrage von Ante Sapina versucht habe, den damaligen Cottbuser Torwart Georg Koch für 15.000 bis 20.000 Euro zur Manipulation des Zweitligaspiels Cottbus gegen Regensburg (3:0) am 23. Mai 2004 zu bewegen. „Offen bleibt, ob daraus eine strafrechtliche Verurteilung herzuleiten ist“, meint Bartholomé. Als Grund für die Kontakte Karls zu den kroatischen Wettbetrügern gibt der Anwalt an, daß sich der Profi Hoffnung gemacht habe, junge kroatische Nationalspieler auf den deutschen Fußball-Markt vermitteln zu können. Er habe nicht ansatzweise geahnt, was bei den Brüdern Sapina „für Manipulationen gelaufen“ seien.
„Solche Verhaltensweisen sind Karl persönlichkeitsfremd“
Karl versuchte in seiner Aussage den Eindruck eines unbescholtenen, immer ehrgeizig um den Sieg kämpfenden Profis zu erwecken. „Er hat sich immer für sein Team eingesetzt und nie sportwidrig gehandelt. Er hat nie - wie unterstellt - mit angezogener Handbremse gespielt, nie ein Selbsttor geschossen oder einen Gegner absichtlich zur Spielmanipulation im Strafraum gefoult“, betonte Bartholomé. Weitere Ton- und Bilddokumente würden dies belegen.
Die Staatsanwaltschaft hatte Karl fünf Verfehlungen - darunter Straftaten zum Vermögensvorteil - vorgeworfen. „Solche Verhaltensweisen sind der Kämpfernatur Steffen Karl persönlichkeitsfremd“, hieß es hingegen in Karls Erklärung. „Mit der Reduzierung der Vorwürfe auf Null wird sich die Staatsanwaltschaft sicher nicht zufrieden geben“, meinte danach Ante Sapinas Anwalt Nicolas Becker.
Marks verschiebt Aussage
Für eine Überraschung sorgte am Dienstag auch Dominik Marks, der sein angekündigtes Statement nochmals auf Donnerstag verschob. Bisher hat der Schiedsrichter alle Verwicklungen in Spiel-Manipulationen bestritten. „Das Leben hält noch Überraschungen bereit“, meinte die Richterin. Marks soll nun gleich zum Auftakt des achten Prozeß-Tages zu Wort kommen. Gleichfalls wurde der Cousin der Sapinas, Tomislav Cirko, für Donnerstag vorgeladen.
Zugleich hat der FC St. Pauli einen Antrag gestellt, um wegen der vermutlichen Manipulation der Regionalliga-Partie bei Eintracht Braunschweig am 5. Juni 2004 eine Zahlung von 3605 Euro zu erwirken. Beim 3:2 der Braunschweiger hatte Referee Robert Hoyzer den Hamburgern zwei klare Treffer nicht anerkannt.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |