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Wettskandal Helle Aufregung im Brennpunkt Berlin

30.01.2005 ·  Die drei beschuldigten Hertha-Profis bestreiten eine Verwicklung in den Schiedsrichter-Skandal. Offenbar sollen aber Spieler der zweiten und dritten Liga beteiligt sein. In Berlin wurde gegen drei der vier festgenommenen Männer Haftbefehl erlassen.

Von Michael Reinsch, Berlin
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Der Skandal um die von dem Schiedsrichter Robert Hoyzer verschobene Spiele der zweiten Fußball-Bundesliga schlägt Wellen und zieht Kreise - auch in der ersten Liga und vor allem in Berlin.

Hertha BSC Berlin sah sich am Samstag, während die Bundesliga spielte, gezwungen, mit Eidesstattlichen Erklärungen von drei seiner Spieler um das Ansehen dieser drei sowie des gesamten Vereins zu kämpfen. "Die drei Spieler haben eidesstattlich versichert, daß sie mit den Wettmanipulationen nichts zu tun haben", sagte Manager Dieter Hoeneß. "Sie werden mit allen juristischen Mitteln gegen die verleumderische Berichterstattung vorgehen."

Hertha-Spieler abgeschirmt

An diesem Sonntag sollen sie - Verteidiger Josep Simunic und Alexander Madlung sowie Stürmer Nando Rafael - gegen Bayern München im ausverkauften Olympiastadion vor 73.000 Zuschauern und dem Fernsehpublikum spielen.

Am Samstag aber schirmte Hertha seine Profis noch von Funk und Presse ab. Zunächst blieben alle Journalisten ausgesperrt. Als die Spieler am Nachmittag zum Training trabten, wies Co-Trainer Andreas Thom das für diesen Anlaß aufgestockte Wachpersonal an, auch noch das Eisentor zum Vereinsgelände zu schließen. Zur Pressekonferenz und zur Beobachtung des Trainings wurden die Berichterstatter erst eingelassen, als sie versprochen hatten, das Wort keineswegs an die Spieler zu richten.

Vier Männer kroatischer Herkunft verhaftet

Doch die hätten ohnehin auf brisante Fragen nicht geantwortet. Niko Kovac, gleichermaßen Kroate wie Berliner, antwortete am Freitag auf die Frage, was er denn von all dem halte, was in der Zeitung stehe über Kroaten und Wettmafia: "Ich lese keine Zeitung. Zum Fall Hoyzer sage ich kein Wort." Sein Landsmann Simunic forderte den Fragesteller auf: "Fragen Sie nach Fußball!"

Am Abend dann wurden vier Männer kroatischer Herkunft verhaftet im Zusammenhang mit dem Manipulationsskandal; der Inhaber des Cafe King nahe der Gedächtniskirche, seine beiden Brüder sowie der Geschäftsführer des Lokals. Mit fast 130 Beamten durchsuchte die Polizei gleichzeitig das Cafe sowie zwei Wohnungen und einen weiteren Geschäftsraum in Berlin. Hoyzer, in Essen vernommen und zu seiner Sicherheit offenbar auch dort untergebracht, hatte die vier in seiner Aussage vom Freitagnachmittag belastet.

Gegen drei am Vortag vorläufig festgenommenen Männer hat das Amtsgericht Berlin-Tiergarten inzwischen Haftbefehl erlassen. Ihnen werde gewerbs- und bandenmäßiger Betrug vorgeworfen, teilte am Samstag abend die Generalstaatsanwaltschaft Berlin mit. Der Haftbefehl sei von der Staatsanwaltschaft beantragt worden. Im Fall einer Verurteilung drohe den Männern eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren, hieß es. Die Beschuldigten hätten sich bislang nicht zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen geäußert. Der vierte Mann sei inzwischen wieder auf freien Fuß.

Schneller und spektakulärer Einsatz

Mit ihrem schnellen und spektakulären Einsatz demonstrierte die Staatsgewalt, daß sie entschlossen gegen die Manipulation vorgehen will. Blaulicht, heulende Sirenen und gleißendes Scheinwerferlicht, welche die Szene am Freitagabend bestimmten, stammten allerdings nicht von ihr. Das Cafe King, Brennpunkt der Ermittlungen und womöglich auch der Absprachen von Wetten und Spielergebnissen, liegt gegenüber einer Feuerwache. Aus dieser rückten im Laufe des Abends immer wieder Rettungswagen aus.

Die Razzia, die Räumung des Lokals, die Verhaftungen, die Ferhsehübertragung in die Wohnzimmer ganz Deutschlands - auf dem Trottoir bei Eiseskälte war ein wenig anders zu erleben, was die Gaststätte auf ihrer Internet-Site verspricht: "eine außergewöhnliche Atmosphäre, die den Gästen ein unvergessliches Erlebnis bereitet".

Profis waren Gäste im Cafe „King“

So eindrucksvoll war das Erlebnis, daß sich am nächsten Morgen nicht nur die Nachricht verbreitete, daß die Festgenommenen drei Berliner Bundesligaspieler belastet hätten. Ein Radiosender in Hannover, ärgerte sich Hoeneß, habe seinen Hörern sogar schon deren Verhaftung gemeldet. Alle Spieler von Herthas Bundesligateam mußten sich am Samstag von Hoeneß fragen lassen, ob sie mit dem Wett- und Manipulationsskandal zu tun hätten. Alle verneinten.

Nach ihren Besuchen im Cafe King fragte Hoeneß nicht. Als ganz normales Musikcafe beschrieb er es und sagte: "Der Besuch eines Lokals ist nicht strafbar. Ein Verbot für Spieler, bestimmte Gaststätten zu besuchen, das geht vielleicht in Kaiserslautern, aber nicht in Berlin!"

Spieler der zweiten und dritten Liga verwickelt

Die Besuche von Fußballprofis in dem Cafe in der Rankestraße von Charlottenburg waren schließlich keine Geheimnisse. Bis Freitag noch enthielt das Gästebuch der Cafe-Website ein Foto von Simunic, flankiert von stolzen Gästen. Am Samstag stand die Eintragung nicht mehr zur Verfügung. Simunic und Madlung gaben laut Hoeneß an, ihren letzten Besuch in dem Lokal vor eineinhalb Jahren unternommen zu haben; der Angolander Rafael sei sich nicht bewußt, je dort gewesen zu sein. Frierende und verärgerte Gäste des Cafe King erzählten am Freitagabend, daß das Lokal angesehen sei und nicht nur auch von den Spielern der SD Croatia besucht werde, die auf ihren Trikots für das Cafe wirbt. Auch Spitzensportler seien unter den Gästen; einer davon, behaupteten mehrere Männer, sei Niko Kovac.

Insbesonder nach Wetten auf das Pokalspiel der Berliner bei der drittklassigen Eintracht Braunschweig mußten sich die Hertha-Profis fragen lassen. Alle verneinten. Im September vergangenen Jahres hatte die Mannschaft dort 2:3 verloren. Madlung schoß den entscheidenden Treffer - ein Eigentor. Zuvor, das entlastet ihn ebenso wie seine Eidesstattliche Versicherung, hatte er den Paß zum Ausgleich gegeben. Hertha hat nun allen Spielern verboten, auf Spiele ihrer Mannschaften zu wetten; ein generelles Wettverbot auf Bundesligaspiele werde erwogen, sagte Hoeneß.

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger, sagte am Samstag dieser Zeitung: "Der Standort Berlin scheint Zentrum des Skandals zu sein." Darüber hinaus, so ist aus Ermittlungskreisen zu erfahren, sollen Spieler der zweiten und dritten Liga aus Profiklubs in den neuen Bundesländern verwickelt sein.

Der deutsche Fußball dränge auf eine rasche Aufklärung des Wettskandals und erwarte schnelle Einsicht in die Ermittlungsakten der Berliner Staatsanwaltschaft, so Zwanziger. Er wolle am Montag einen entsprechenden Antrag bei der Behörde stellen.

Der Vorsitzende der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Werner Hackmann, erwartet, daß die Sportgerichtsbarkeit innerhalb der nächsten 14 Tage über Wiederholungsspiele als Konsequenz aus dem Wettskandal entscheidet. Dabei sprach Hackmann am Sonntag im Deutschen Sportfernsehen (DSF) von „sportpolitischen Differenzen“ zwischen der Möglichkeit von Wiederholungen von Liga-Spielen und DFB-Pokalspielen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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