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Wettskandal Haftprüfung für Hoyzer, Sperre für Koop, DFB will Videobeweis

14.02.2005 ·  Wegen Wettbetrugs und Fluchtgefahr sitzt Robert Hoyzer in Untersuchungshaft. Er muß nach Ansicht der Staatsanwaltschaft mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Der DFB suspendierte unterdessen Bundesligaschiedsrichter Torsten Koop.

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Wegen manipulierter Fußballspiele und Wettbetrugs droht dem Schiedsrichter Robert Hoyzer nach Einschätzung des Berliner Generalstaatsanwalts eine „empfindliche“ Freiheitsstrafe. „Aus meiner Sicht wird er nicht mit einer Geldstrafe davonkommen, vielleicht noch nicht einmal mit einer Bewährungsstrafe“, sagte Hansjürgen Karge.

Er rechne damit, daß seine Behörde in spätestens sechs Monaten Anklage gegen die Hauptbeschuldigten erheben wird, darunter auch den seit Samstag inhaftierten Hoyzer. Im Fußball-Betrugsskandal ermittelt derzeit eine Sonderkommission mit etwa 40 Polizisten und vier Staatsanwälten, wie Karge berichtete. „Jede Person, die in den Vernehmungen oder in den Medien genannt wird, muß durch die Mühle gedreht werden. Alle können sicher sein: Wir werden jeden Stein umdrehen, bis alles aufgeklärt ist.“

Zweifel an Hoyzers Glaubwürdigkeit

Nach Karges Angaben hat das Amtsgericht Tiergarten am Montag einen Haftprüfungstermin für Hoyzer und auch die drei schon länger inhaftierten kroatischen mutmaßlichen Hintermänner, die Brüder Ante, Milan, Filip S., angesetzt. „Bislang haben die drei Brüder noch nichts ausgesagt“, sagte der Generalstaatsanwalt.

Zu dem in dieser Woche nachträglich eingereichten Geständnis Hoyzers, bereits im November 2003 eine Manipulationsofferte erhalten zu haben, erklärte Karge: „Erst streitet Herr Hoyzer alles ab und lügt, dann legt er eine angebliche Lebensbeichte ab, und jetzt war es doch nicht die ganze Wahrheit. Da kommen natürlich Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit auf. Herr Hoyzer hat sich damit meiner Ansicht nach selbst beschädigt“, sagte der Chefermittler, der die größte Staatsanwaltschaft Deutschlands leitet.

Neuer Manipulationsverdacht

Konkret geht es bei dem neuen Verdachtsfall laut Karge um die Regionalligapartie Chemnitzer FC gegen Sachsen Leipzig im November 2003. Der Anwalt Hoyzers, Thomas Hermes, hatte erklärt, die Manipulationsanfrage sei nicht von den Kroaten, „sondern aus Hoyzers persönlichem Hintergrund“ gekommen. Hoyzer habe das Angebot ausgeschlagen, und das Spiel habe auch anders als gewünscht geendet. Trotzdem seien ihm ungefragt 500 Euro überwiesen worden.

Festgenommen worden sei Hoyzer, weil Fluchtgefahr bestehe. Sein Anwalt, der bei der Vernehmung des Beschuldigten nicht dabei war, sagte, sein Mandant sage nach wie vor die Wahrheit und habe nichts zu verbergen. Deshalb ging Hermes auch davon aus, daß Hoyzer wieder auf freien Fuß gesetzt werde. Hoyzer beantragte eine Haftprüfung, wie ein Justizsprecher sagte.

DFB wirbt bei Fifa für Videobeweis

Der DFB beschloß auf einer Präsidiumssitzung am Sonntag zudem die Gründung eines vierköpfigen Gremiums, um bei Bedarf schnelle Entscheidungen im Wett- und Manipulationsskandal treffen zu können. Diesem Gremium gehört DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder nicht an. Das Quartett bilden der Geschäftsführende Präsident Theo Zwanziger, Liga-Präsident Werner Hackmann, DFB-Schatzmeister Heinrich Schmidhuber und -Generalsekretär Horst R. Schmidt.

Außerdem wird der DFB einen Brief an den Weltverband Fifa schreiben. Darin wird die Fifa aufgefordert zu prüfen, inwieweit mit technischen Mitteln die Tatsachenentscheidungen der Schiedsrichter zu schützen und zu stützen seien. Als technische Hilfsmittel werden unter anderem die bereits diskutierte Einführung eines Chips im Ball oder eine verdrahtete Torlinie, um zu entscheiden, ob der Ball die Torlinie mit kompletten Durchmesser überschritten hat, in Erwägung gezogen.

Auch Koop gesperrt

Mit Torsten Koop ist nun auch ein Schiedsrichter der ersten Bundesliga in den Skandal verwickelt. Der Referee wurde vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) sofort gesperrt, weil er Anwerbungsversuche Hoyzers erst jetzt - Wochen später - den DFB-Verantwortlichen mitgeteilt hatte. Koop habe am Donnerstag eingeräumt, daß er Mitte Januar bei einem Schiedsrichterlehrgang von Hoyzer zu Manipulationen angeworben werden sollte, sagte DFB-Pressesprecher Harald Stenger.

Der Vorsitzende des DFB-Schiedsrichterausschusses, Volker Roth, entschied, Koop zunächst nicht mehr pfeifen zu lassen. Weitere Entscheidungen sollen in der kommenden Woche von der Anhörung Koops vor dem Gremium abhängig gemacht werden.

Kopfprämien ausgelobt, Marks schwer belastet

Dem Magazin „Spiegel“ zufolge sprachen Hoyzer und der ebenfalls unter Betrugsvorwurf stehende Unparteiische Dominik Marks in Anwesenheit Koops über verschobene Spiele. Laut „Focus“, soll der Tatverdächtige Ante S. Hoyzer 10.000 Euro versprochen haben, wenn dieser einen Schiedsrichter der Erstliga anwerben würde. Für einen Referee aus der zweiten Liga sollten 5000 Euro „Kopfprämie“ fließen.

Hoyzer hat zudem Marks bei einer weiteren Vernehmung offenbar schwerer belastet als bislang bekannt war. Laut Spiegel habe Hoyzer bekräftigt, daß Marks für zwei von ihm manipulierte Spiele 36.000 Euro von den Kroaten erhalten habe. Hoyzer will Marks persönlich vor dem verschobenen Regionalligaspiel Hertha BSC Amateure gegen Arminia Bielefeld Amateure 6000 Euro übergeben haben.

MV will nicht zurücktreten

Begrüßt wurde die Verhaftung von Hoyzer von Trainern und Vereinsvertretern. „Das hätte längst passieren müssen, das sind kriminelle Handlungen“, sagte Udo Bandow, der Aufsichtsratsvorsitzende des HSV. Für Manager Klaus Allofs von Werder Bremen kommt die Verhaftung nicht überraschend: „Es ist eine Straftat, und da ist die Entscheidung, ihn in Gewahrsam zu nehmen, durchaus nachvollziehbar.“

Der in die Kritik geratene Gerhard Mayer-Vorfelder hat Forderungen nach seinem Rücktritt als Präsident des DFB zurückgewiesen. Seine Haltung begründete der 71jährige besonders mit Blick auf die Fußball-WM 2006 im eigenen Land. „Ich will nicht bestreiten, daß die Weltmeisterschaft ein Antrieb ist. Das wird ein einmaliges Ereignis. In diesem Jahrhundert wird Deutschland keine weitere Fußball-WM bekommen. Da lasse ich mich nicht ohne Anlaß aus dem Amt drängen“, sagte „MV“.

Unterdessen kündigte Weltverbands-Präsident Joseph S. Blatter nach Einsicht in die Akten beim DFB Konsequenzen auch im Zuständigkeitsbereich der Fifa an. Die Fifa-Exekutive wird das Thema Wetten auf ihrer Sitzung im März vordringlich behandeln.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, AFP, ddp und sid
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