20.11.2009 · Illegale Wetten sind ein Milliardengeschäft. Politik und Fachleute fordern schon länger ein Gesetz gegen „Sportbetrug“. Die bisherigen Schutzmechanismen haben versagt.
Dass nun mindestens 32 Begegnungen aus dem deutschen Fußball und rund zweihundert Spiele in Europa bis hin zur Champions League unter Manipulationsverdacht stehen, stellt auch die Frühwarnsysteme von Verbänden und Wettanbietern auf den Prüfstand. Verschoben worden sein sollen in Deutschland: 4 Spiele der 2. Liga, 3 Spiele der 3. Liga, 18 Spiele der Regionalligen, 5 Spiele der Oberligen, 2 Spiele U 19; in Belgien: 17 Spiele der 2. Liga; in der Schweiz: 22 Spiele der 2. Liga und 6 Vorbereitungsspiele; in Kroatien: 14 Spiele der 1. Liga; in Slowenien: 7 Spiele der 1. Liga; in der Türkei: 29 Spiele von der 1. Liga abwärts; in Ungarn: 13 Spiele der 1. Liga; in Bosnien: 8 Spiele der 1. Liga; in Österreich: 11 Spiele der 1. und 2. Liga. Dazu 12 Spiele der Europa League und 3 Spiele der Champions League.
Mit Präsident Michel Platini an der Spitze hat die Europäische Fußball-Union (Uefa) in den vergangenen Monaten den Kampf gegen Manipulationen von Sportwetten forciert und ihren Überwachungsapparat ausgeweitet. „Es ist einfach nicht hinnehmbar, dass manche Vereine, die nicht darauf hoffen können, ganz oben mitzuspielen, versuchen, aus ihrer Teilnahme an den europäischen Wettbewerben mittels illegaler Wetten und Spielabsprachen Profit zu schlagen“, sagte Platini.
„Höchst kriminell“
Zu Beginn dieses Jahres hat die Uefa ihr Frühwarnsystem gegen Wettbetrug (BFDS) eingeführt. Der Verband hatte zuletzt vierzig Spiele auf mögliche Manipulationen untersucht. Dabei handelt es sich auch um Begegnungen der Champions League sowie des damaligen Uefa-Pokals. Zudem bewirkte Platini, dass seit dieser Saison europaweit auch die Begegnungen der beiden höchsten Ligen sowie die Pokalspiele beobachtet werden. Mit der aufwendigen Datenbankanwendung BFDS werden also nicht nur alle Spiele in Uefa-Wettbewerben beobachtet. Insgesamt werden so rund 29 000 Spiele pro Saison auf möglichen Wettbetrug hin kontrolliert. Von der BFDS wird im Verdachtsfall ein Bericht zum fraglichen Spiel erstellt, dies ist der erste Schritt für folgende Untersuchungen.
Zudem wurde eine Datenbank aufgebaut, die Spiel- und Wettdaten mit dem Ziel verknüpft, die Integrität von Spielern, Trainern und Offiziellen der Klubs zu überwachen. Peter Limacher, der Uefa-Experte für die Bekämpfung von Spielmanipulationen, beklagte jedoch zugleich den engen Handlungsspielraum bei der Verfolgung und Bestrafung von Manipulateuren. „Sportverbände können keine Hausdurchsuchungen oder Handy-Überwachungen anordnen, obwohl das in manchen Fällen opportun wäre. Man muss Beweismittel finden, was sehr viel Zeit in Anspruch nimmt“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Ein Gesetz, welches das Delikt „Sportbetrug“ unter Strafe stelle, wäre ein großer Fortschritt, sagte Limacher.
Bayern fordert Gesetz
Bayerns Justizministerin Beate Merk fordert vor dem Hintergrund des neuen Fußball-Sportwettenskandals genau dieses umfassende Gesetz gegen Manipulation und Korruption im Sport. „Wir haben es hier mit höchst kriminellen Machenschaften zu tun, die die Lauterkeit des Sports unterwandern. Wenn wir da nicht durchgreifen, stehen Sauberkeit und Fairness des Sports auf dem Spiel“, sagte die CSU-Politikerin am Freitag in München und rief dazu auf, über ein umfassendes Gesetz zum Schutz des Sports nachzudenken. Chancengleichheit und Fairness im Sport würden nicht nur durch Doping gefährdet, betonte Merk, „auch die Bestechungsskandale der letzten Zeit erschüttern die Glaubwürdigkeit des Sports“. Wünschenswert wäre eine internationale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Sportbetrugs.
Demnach sind die Hausdurchsuchungen und Festnahmen durch die Staatsanwaltschaft Bochum am Donnerstag auch aus Sicht der Uefa ein großer Schritt in die richtige Richtung. Die Uefa kündigte bereits an, ganz eng mit den Behörden zu kooperieren. Der Weltverband Fifa gründete vor vier Jahren das „Early Warning System“, um die Wettvorgänge zu beobachten.
Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) haben seit dem Skandal um den früheren Schiedsrichter Robert Hoyzer vor knapp fünf Jahren den Kampf gegen Sportwettenbetrug verstärkt. Seitdem arbeiten DFB und DFL mit dem Unternehmen Sportradar zusammen. Sportradar arbeitet nach eigenen Angaben international „mit einem ausgeklügelten System, an dem mehrere hundert Mitarbeiter beteiligt sind“. Unter anderem werden die Quotenveränderungen der Wettanbieter in bestimmten Zeitintervallen untersucht. Verändern sich diese auffällig, werden automatisch Warnhinweise versendet. Allerdings hat sich der Wettmarkt in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Immer häufiger setzen die Zocker ihr Geld in Live-Wetten ein. Diese beginnen erst, wenn die Partien bereits laufen. Warnhinweise sind in solchen Fällen schwierig. Nach Angaben der Uefa laufen neun von zehn Manipulationsversuchen über Asien.
Keine Grenzen in Asien
Der staatliche deutsche Wettanbieter Oddset arbeitet mit einem Kontrollsystem, das alle rund 25 000 Annahmestellen in Deutschland überwacht. Spiele und Kombinationen mit auffällig vielen oder hohen Einsätzen können bei Bedarf sofort gesperrt werden. Anders als in Asien ist der Einsatz bei Oddset-Wetten begrenzt. Maximal können 500 Euro pro Wette gesetzt werden, als maximaler Gewinn werden 50 000 Euro pro Einzelwette ausgeschüttet. Seit Anfang 2008 kann zudem nur noch mit einer Kundenkarte gewettet werden. Die Deutschen verwetten pro Jahr mehr als eine Milliarde Euro. Dabei haben Wetten auf Fußballspiele den einst klassischen Pferdewetten längst den Rang abgelaufen.
Immer mehr Menschen geben ihre Wetten inzwischen im Internet ab.Es gibt viele Online-Buchmacher, die keine Lizenz für das jeweilige Heimatland des Kunden besitzen. Viele Wettanbieter im Internet haben ihren Firmensitz in sogenannten Steueroasen wie Malta oder Gibraltar. Nach Schätzungen könnten sich Einnahmen aus dem illegalen Wettgeschäft weltweit auf zwischen 80 bis 270 Milliarden Euro belaufen.
Die Verbände müssen sofort handeln...
Peter Mobber (Bronzino)
- 20.11.2009, 22:19 Uhr
Naivität scheint der richtige Ausdruck zu sein
Kay Schmelzer (weitererfazleser)
- 21.11.2009, 13:01 Uhr
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |