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Wettskandal : Fußballmafia

Tolles Tor oder krummes Ding? Im Fußball ist nicht jeder Treffer eine Überraschung Bild: dpa

In diesem Sport treffen nicht nur Vorbilder der Jugend aufeinander. Und die Zahlen, die Europol vorlegt, klingen erschreckend. Doch man sollte jetzt nicht so tun, als sei jedes Fußballspiel manipuliert.

          Die Zahlen klingen erschreckend, die Europol nennt: Mehrere hundert Fußballspiele seien nachweislich zwischen 2008 und 2011 in Europa manipuliert worden, darunter WM-Qualifikationspiele und Begegnungen der Champions League. Mehr als vierhundert Spieler und ehemalige Spieler, Schiedsrichter und Funktionäre hätten ihre Hände und Füße im Spiel gehabt. Der Fußball, ein Sündenpfuhl?

          Die Zahlen relativieren sich, je länger man über sie nachdenkt. Alleine in einer Bundesligasaison finden 306 Begegnungen pro Saison statt, mal 52 europäische Verbände, mal drei Beobachtungsjahre, mal dem Faktor vier, denn nicht nur auf die höchsten Spielklassen wird Geld gesetzt, sondern auch auf die niedrigeren, bis hin zu Partien der Juniorenklasse. Hinzu kommen die vielen Pokal-, Test- und Länderspiele. Man sollte also nicht so tun, als befinde sich so gut wie jedes Fußballmatch in den Klauen der Wettmafia.

          Der Fußball ist aber auch nicht das unschuldige Paradies aus den Hochglanzprospekten, die die Marketingleute der Champions League verteilen. In diesem Sport treffen nicht nur edle Vorbilder der Jugend aufeinander. Die Formel gilt: Je schwieriger sich die Protagonisten vom Fußball ernähren können, desto schneller sinkt ihre Moral. Spielabsprachen und Wettbetrug sind im Osten und Süden Europas seit Jahren gang und gäbe. Belgien und Finnland hatten auch ihre Skandale. Das interessierte nur nicht so schrecklich viele Leute, nicht einmal die in den Verbänden. Die organisierte Wettmafia in Singapur vermochte ziemlich ungestört ein dichtes Organisationsnetz in vielen Ländern aufzubauen. Auch in Deutschland, das keineswegs eine Insel der Tugendhaften bildet. Dort wurde schon relativ früh ermittelt, und im Bochumer Wettprozess auch ein Urteil gesprochen.

          Ein guter Tag für den Fußball

          Diese Fälle, die Pokalspiele und unterklassige Begegnungen betrafen, tauchen in der Erfolgsstatistik auf, die Europol am Montag veröffentlichte. Es handelt sich also nicht nur um neue Delikte, sondern auch um einen zusammenfassenden Nachweis für den Fleiß der Behörde. Aber plakative Eigenwerbung darf sein, um weitere Geldmittel sicherzustellen. Nur eine internationale Behörde wie Europol konnte in der Lage sein, erstmals die Wege und Winkel der Wettmafia offenzulegen. So gesehen war der Montag kein schlechter, sondern ein guter Tag für den Fußball.

          Quelle: F.A.Z.

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