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Wettskandal Ante Sapina belastet Robert Hoyzer

 ·  Der Prozeß um den ehemaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer geht weiter. Am zweiten Tag gaben sich die Angeklagten weiter als pathologisch Spielsüchtige. Und Ante Sapina belastete Hoyzer schwer.

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Noch vor zwei Tagen war die ganze Turmstraße im Bereich des Kriminalgerichts voll mit Übertragungswagen. An diesem Donnerstag aber hatte sich kein einziger Fernsehsender mehr mit einem mobilen Schnittstudio vor dem Gebäude in Berlin-Moabit postiert. Auf den dunklen Fluren des alten Gemäuers gab es auch kein Gedränge mehr, weil nur noch drei Kamerateams und eine Handvoll Fotografen um 9.44 Uhr ablichten wollten, wie Robert Hoyzer im feinen Zwirn locker die vielen Stufen bewältigte. Leere Sitze gab es auch im Zuschauersektor des Saales 500, der gerade frisch renoviert wurde mit Holzrosetten und viel Blattgold und in dem die Uhr stehengeblieben ist. So, als wollte sie sagen: bloß keine Hektik.

In der Tat scheint die erste Aufregung um den Strafprozeß zum Wett- und Manipulationsskandal verflogen, was auch berechtigt erscheint. Zumal auch am zweiten Tag der Schiedsrichter, der sich bestechen ließ, nicht zu Wort kam. Es folgte vielmehr Teil zwei der Show des plaudernden Drahtziehers Ante Sapina, der den Eindruck vom großen Jungen untermauerte, der einfach nur spielen wollte und sich über das Ausmaß seines Tuns nicht bewußt war. „Das Spiel lief wie verwünscht“, sagte er einmal und freute sich über die Lacher: „Wie von mir gewünscht, natürlich.“

Alle Anzeichen einer Spielsucht bestätigt

Wenn nicht alle Zeichen trügen, nebst den allenfalls zaghaften Nachfragen der Ankläger, dann wird dieser junge Kroate, dem Betrug in 42 Fällen vorgeworfen wird, wohl mit einer milden Strafe davonkommen. Denn ein psychiatrisches Gutachten, auf Anregung der Verteidiger Sapinas bei der Berliner Humboldt-Universitätsklinik eingeholt, soll dem Neunundzwanzigjährigen alle Anzeichen von Spielsucht bescheinigen. Die ist seit fünfzehn Jahren als Krankheit anerkannt. Sapina würde als vermindert schuldfähig gelten. Ein Zeichen seines guten Willens gab er auch noch: Einen Porsche, den er sich von Wettgewinnen gekauft hat und der bisher als verschollen galt, womit die Ermittler keinen Zugriff hatten, stehe jetzt in einer Justizparkgarage, gab der Kroate an.

Am zweiten Verhandlungstag gab Sapina hübsche Details preis, wie er den Ausgang von Spielen beeinflußte. Vor der Regionalligapartie Holstein Kiel gegen den Chemnitzer FC im Mai 2004 zum Beispiel ist er eigens ins Mannschaftshotel der Sachsen gefahren, um sich mit den Profis Steffen Karl und Markus Ahlf zu besprechen. „Nicht in der Lobby“, also vor möglichen Zeugen, „sondern an einem Tisch ein Stück weiter hinten“ habe er den Spielern gesagt: „Ihr müßt was tun dafür, damit mein Tip auch hinhaut.“ Karl, für den es nicht der erste Auftrag von Sapina gewesen sein soll, habe erklärt: „Kein Problem, das wird schon.“ Der Wettpate saß dann auf der Tribüne und genoß seine Inszenierung: Wie beide Kicker „weiter weg von ihrem Mann standen und behäbig spielten“. Chemnitz verlor 0:3, und Sapina gewann an diesem Tag 303 240 Euro. Während er vor der Richterin Gerti Kramer stand und stundenlang ohne Punkt und Komma redete, blieb Karl regungsglos. Es schien, als werde er durch Sapinas Aussagen immer tiefer in den Sumpf mit hineingerissen.

Der Zocker mit dem Babyface und dem großen Herzen

Was auch für einen Spieler gilt, der noch gar nicht vor Gericht steht - wohl auch, weil der Anklage ein Geständnis fehlt: Torsten Bittermann von Dynamo Dresden (früher Chemnitzer FC), erklärte Ante Sapina, sei sein Vermittler zu Karl und anderen Falschspielern gewesen. Dafür habe er mehrmals 3000 Euro erhalten. Der Chemnitzer Karl selbst bekam beim Duell gegen Dresden (0:1) im April 2004, quasi Sapinas Erstlingswerk an ausgeklügelter Manipulation, 10 000 Euro. Das erschien dem Geldgeber zwar selbst zuviel, er wollte von Bittermann eigentlich drei willige Spieler für diesen Betrag - aber Karl habe seine Sache ordentlich gemacht.

Wesentlich unauffälliger jedenfalls soll er betrogen haben, als die drei Akteure von Sachsen Leipzig am 9. Mai 2004 gegen Dynamo Dresden (1:3), die Sapina für jeweils 5000 Euro (nebst 3000 Euro Provision für Bittermann) gekauft haben will. Dafür, behauptet er, habe Ronny Thielemann absichtlich einen Elfmeter verursacht und Ronny Kujat vorsätzlich einen Strafstoß verschossen. Bei Torwart Marco Eckstein gab es eine besonders kuriose Szene: Er nahm vor dem Strafraum die Hand zur Hilfe und sah die Rote Karte. „Der tat mir dann ein bißchen leid, weil er nun ja auch noch gesperrt wurde“, sagte Sapina, der die Balltreter zuvor konspirativ in einem Steakhaus instruiert hatte: „Da habe ich ihm weitere 2000 Euro als Trostpflaster gegeben. Das sollte seinen Schmerz lindern.“

Der Zocker mit dem Babyface und dem großen Herzen. Es gab sogar Partien, sagt er, die habe er manipuliert, ohne dabei groß Geld zu machen. Nur weil er wollte, daß Dynamo Dresden gewinne. Der Klub sei ihm ans Herz gewachsen, seit sich „die Jungs reingehauen“ hätten für 15 000 Euro „Motivationsprämie“ vor dem bedeutungslosen Spiel gegen Preußen Münster zum Saisonausklang 2003. Die verteilte Sapina persönlich. Dresden siegte 3:2, sein Tip ging auf. Wie so oft. Als die Polizei ihn festnahm, hatte er auf diversen Konten rund zwei Millionen Euro angehäuft. Auch, und darauf kam er dann am Nachmittag zu sprechen, weil er irgendwann die entscheidenden Leute „schmierte“.

Hat Hoyzer schon früher betrogen?

Hoyzer, von Sapina „der Robert“ genannt, wirkte nervöser als am ersten Tag. Er notierte sich viel und mußte feststellen, daß Ante Sapinas Äußerungen ihm nicht zur Ehre gereichten. Die reine Geldgier, so machte der Kroate deutlich, habe Hoyzer, der mit Schiedsrichterkollegen oft im „Cafe King“ der Gebrüder Sapina verkehrte, in seine Arme getrieben. „Er war sehr herablassend gegenüber anderen, aber nicht zu mir“, sagte er: „Er hat sich sehr für meine Wetten interessiert, weil ihm nicht entgangen war, daß ich da sehr erfolgreich war.“

Hoyzer habe ihm dann im Mai 2004 die Partie SC Paderborn gegen Chemnitz (4:0) zum Betrug angeboten, Sapina wettete auf eine Pausenführung der Heimelf, doch der Deal scheiterte, weil Assistentin Inka Müller Hoyzer daran hinderte, einen unberechtigten Elfmeter zu geben. Es habe Hoyzer damals sehr geschmerzt, die vorab erhaltenen 8000 Euro zurückgeben zu müssen, sagte Sapina. Er sei darauf aus gewesen, neue Chancen zu bekommen. Acht Tage später, beim 1:0 des Wuppertaler SV gegen Werder Bremens Amateure, pfiff Hoyzer dann wieder einen Strafstoß, der nie einer hätte sein dürfen.

Nur eine interessante, neue Frage stellte sich im Grunde am Rande: Hat Hoyzer schon früher betrogen, als bislang bekannt ist? Laut Sapina habe der damalige Referee schon im ersten Gespräch im Mai 2004, als man sich über von Sapina verschobene Spiele unterhielt, den Eindruck erweckt, als sei ihm das Ganze nicht neu. Er habe angegeben, bei einem Spiel zwischen Chemnitz und Sachsen Leipzig die Gäste absichtlich gewinnen lassen zu haben, so Sapina: „Da war ich ziemlich erstaunt.“ Ob Hoyzer damals nur geprahlt hat? Der Mann, der über 50 000 Euro für verpfiffene Spiele erhalten haben soll, dürfte beim Prozeßfortgang am Dienstag erstmals selbst zu Wort kommen.

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