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Werder-Manager Allofs im Interview "Wir bezahlen unsere Stars leistungsbezogen"

 ·  Fußball-Manager Klaus Allofs im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über den Marktwert von Werder Bremen, gerechte Gehälter und den nächsten deutschen Meister.

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Fußball-Manager Klaus Allofs im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über den Marktwert von Werder Bremen, gerechte Gehälter und den nächsten deutschen Meister.

Herr Allofs, steigt mit Jürgen Klinsmann der Marktwert des deutschen Fußballs?

Ich hoffe es. Alle Vereine haben begriffen, daß die Nationalmannschaft nicht länger nebenher laufen darf. Wir müssen dafür sorgen, zur WM 2006 im eigenen Land eine schlagkräftige Mannschaft zu stellen. Denn es geht um wirtschaftliche Interessen der Vereine und nicht zuletzt um den Marktwert des deutschen Fußballs.

Und wie steht es um den Marktwert von Werder Bremen?

Als amtierender deutscher Meister sind wir jetzt mehr wert. Der Zuspruch der Fans ist enorm, wir mußten sogar den Dauerkartenverkauf nach 25 000 Karten vorzeitig stoppen. Das Beispiel zeigt, daß Fußball boomt, speziell bei Werder Bremen. Auch ohne Nationalmannschaft.

Im internationalen Vergleich hinkt der deutsche Vereinsfußball hinterher.

Das stimmt. Allerdings könnte sich das drehen. Deutschen Klubs gelingt es häufiger, gute Spieler zu verpflichten, die früher nach Italien oder Spanien gegangen wären. Der Grund ist: Wir versprechen zwar nicht soviel Gehalt, aber wir halten, was wir versprechen. In der italienischen Liga warten viele Profis auf ihre Bezüge. Auch die Aussicht auf die Weltmeisterschaft in Deutschland hilft.

Noch fehlen die ganz großen Namen in der Bundesliga.

Das ist richtig. Hätten wir einen russischen Ölmilliardär wie der FC Chelsea in Großbritannien, sähe das anders aus.

Werder Bremen sucht einen Milliardär?

Schlecht wäre es nicht. Aber im Ernst: Werder Bremen ist bestrebt, neues Kapital in den Verein zu holen. Nicht umsonst sind wir nicht mehr ein Verein, sondern eine eingetragene GmbH & Co. KGaA. So können wir Anteile an stille Teilhaber abgeben.

Tun Sie das?

Die Möglichkeit besteht. Wenn es zum Wohle des Vereins ist, könnte so ein Finanzinvestor auch Einfluß nehmen Dinge, von denen er mehr versteht als wir. Wir haben da konkrete Vorstellungen.

Fußball ist ein schlechtes Geschäft. Die meisten Aktionäre haben bisher nur Geld verloren.

Werder soll keine börsennotierte Aktiengesellschaft werden. Investoren können auch anders profitieren, wie etwa Adidas mit seiner Beteiligung an Bayern München.

Führen Sie solche Investoren-Gespräche?

Ja. Und daß wir durch unsere jüngsten sportlichen Erfolge für Investoren interessanter geworden sind, versteht sich von selbst. Aber es gibt noch keine Verhandlung, die jetzt kurz vorm Abschluß steht.

Wie erklären Sie das Phänomen, daß die Bundesliga in den Augen vieler attraktiver geworden ist, aber drei Viertel der Vereine hoffnungslos überschuldet sind?

Bei uns ist das ja nicht so. Aber ein Grund sind die fehlenden Fernsehgelder nach der Kirch-Pleite, die dazu führten, daß einige Vereine ihren Verpflichtungen nicht nachkommen konnten.

Oder ist es einfach schlecht bestellt um das Controlling bei den Vereinen?

Es gibt natürlich einige Bereiche, die man verbessern kann. Manche heute verschuldete Vereine sind in der Vergangenheit ein höheres Risiko eingegangen mit Blick auf die zu erwartenden Einnahmen.

Wie Schalke 04 oder Borussia Dortmund...

... es gibt ja unterschiedliche Auffassungen von Risiko. Für einen Verein wie Schalke ist eine Millionen-Anleihe vielleicht zu vertreten, weil er in der eigenen Planung mit einem über Jahre ausverkauften Stadion kalkuliert.

In so eine Planung paßt dann kein Bundesliga-Abstieg.

Genau. Das ist das Risiko. Bei Werder Bremen würden wir so ein Risiko nicht eingehen.

Deshalb verlieren Sie Ihre besten Spieler.

Zu der Zeit, als wir mit den Topspielern Ailton und Krstajic über höher dotierte Verträge verhandelt haben, konnten wir noch nicht mit den Millionen-Einnahmen aus der Champions League rechnen. Auch wir bewegen uns immer am Limit.

Wie hoch sind denn Ihre Schulden?

Wir haben keine Verbindlichkeiten. Kreditlinien, ja.

Wie konservativ kalkulieren Sie?

Bei uns geht es nach Verbesserungspotentialen: Jede weitere Runde in der Champions League und im DFB-Pokal verbessert unsere finanzielle Situation. Scheiden wir in der ersten Pokal-Hauptrunde aus, verlieren wir jedes Spiel in der Champions League und schneiden wir in der Bundesliga schlechter als Platz vier ab, wissen wir am Ende der Saison, was uns in der Kasse fehlt. Aber das sage ich Ihnen nicht.

Verbesserungswürdig erscheinen die Sponsoringeinnahmen. Der Textildiscounter Kik zahlt Werder nur 4,5 Millionen Euro, das ist Bundesliga-Mittelmaß.

Die Zahl will ich Ihnen nicht bestätigen. Fakt ist: Wir haben den besten Sponsoringvertrag der Vereinsgeschichte.

Würden Sie auch die Namensrechte am Weserstadion an einen Sponsor verkaufen?

Ja. Das haben wir vor. Jetzt als deutscher Meister betreiben wir das nun auch intensiver. Es hätte uns noch mehr geholfen, wenn das Weserstadion ein WM-Stadion wäre.

Wer hat Sie bei der Auswahl im Stich gelassen, die Stadt oder der DFB?

Nein, die Stadt nicht.

Leipzig, Düsseldorf oder Frankfurt, alle bauen neue Stadien. Besichert mit Landesbürgschaften.

Wir in Bremen haben dafür einen Space-Park gebaut ...

... der keine Mieter fürs Einkaufszentrum und wenig Besucher für den Entertainmentbereich findet. Eine Investition in Werder hätte sich besser ausgezahlt.

Wir gewinnen stetig neue Zuschauer.

Wollen Sie Subventionen für den Fußball?

Ich will gleiche Wettbewerbsbedingungen. Natürlich sind Klubs im Vorteil, die wie Hertha ein schickes Stadion bekommen, ohne etwas dafür zu tun. Unser Weserstadion haben wir auf eigene Kosten ausgebaut. Das Stadion wäre auch WM-tauglich gewesen. Bei unserer Nichtberücksichtigung haben andere Dinge eine Rolle gespielt.

Können Sie Werder-Trikots in Asien verkaufen, um zusätzliche Einnahmen zu erhalten?

Ich bin davon überzeugt, daß man dort Werder-Trikots kaufen kann. Aber nur als Raubkopien. Wir haben eine Internetseite auf chinesisch und stellen fest, daß Chinesen dort auch ordern. Die Einnahmen daraus sind allerdings zu vernachlässigen.

Wie kommt deutscher Fußball in Asien an?

Unsere Spiele werden ja schon im chinesischen Fernsehen gezeigt. Wir müssen insgesamt dafür sorgen, unser Produkt Bundesliga-Fußball international besser an den Mann zu bringen. Der asiatische Markt, aber auch andere Auslandsmärkte sind interessant für Merchandising, auch für Sponsoring.

Müssen Sie jetzt nicht als deutscher Meister ein höheres Risiko eingehen, um Schalke oder gar Bayern einzuholen?

Klar ist, jedes Jahr, in dem man nicht international spielt, enteilen einem die großen Klubs. Die Bayern sind schon weit weg. Da kommen wir mit dem Umfeld in Bremen nicht ran. Klar ist auch, Arm und Reich driften in der Liga weiter auseinander. Deshalb müssen wir alle Anstrengungen unternehmen, international dabeizusein. Unser Ziel ist es, dauerhaft oben mitzuspielen.

Deshalb geben Sie fünf Millionen Euro für Miroslav Klose aus. Ungewöhnlich viel für Bremer Verhältnisse, oder?

Ein einziger Spieler. Der HSV kauft drei Spieler dieser Klasse - und ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Da wären in Bremen alle in Ohnmacht gefallen.

Werden die Spieler in der Bundesliga gerecht bezahlt?

Bei Werder werden sie stark leistungsbezogen bezahlt. Wir werfen ihnen kein Geld überflüssig hinterher, wissen aber auch, daß andere Vereine mehr bezahlen.

In der Wirtschaft wird derzeit über hohe Gehälter diskutiert. Müssen hochbezahlte Fußballprofis bald mit Gehaltseinbußen rechnen?

Erfolg der Mannschaft und Verdienst der Spieler müssen im Einklang sein. Wenn ein Spieler seine Leistung entsprechend dem Vertrag bringt, sind Gehaltskürzungen nicht gerechtfertigt. Eine Ausnahme: Bei unvorhergesehenen Ereignissen wie der Kirch-Pleite dürfen sich die Spieler einer Gehaltsdiskussion nicht entziehen.

Letzte Frage: Wer wird deutscher Meister?

Wir.

Das Gespräch führten Henning Peitsmeier und Winand von Petersdorff

56 Länderspiele, 424 Bundesligaspiele, 177 Tore, Vizeweltmeister 1986, Europameister 1980 - das ist die sportliche Bilanz des Klaus Allofs. Heute ist sein offizieller Titel Geschäftsführer der Werder Bremen GmbH & Co KG auf Aktien. Im Juli 1999 wurde der ehemalige Stürmer der erste Sportdirektor bei Werder Bremen. Und erfolgreich ist er auch als Manager, was sich spätestens nach dem Meistertitel in der vorigen Saison zeigte. Seine Karriere als Spieler begann der 1956 geborene Allofs bei TUS Düsseldorf Gerresheim. "Ich war noch ein richtiger Straßenfußballer", sagt er von sich. 1972 wechselte er zu Fortuna Düsseldorf, schaffte dort den Sprung in die Jugend-Nationalmannschaft und unterschrieb 1975 bei der Fortuna seinen ersten Profivertrag. 1981 ging er für die damalige Rekordablösesumme von 2,25 Millionen DM zum 1. FC Köln. Seine weiteren Stationen als Spieler waren Olympique Marseille, Girondins Bordeaux und Werder Bremen unter dem damaligen Trainer Otto Rehhagel.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 01.08.2004, Nr. 31 / Seite 27
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