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Werder Bremen Schaaf bleibt Schaaf - auch beim Wunder

05.12.2006 ·  Thomas Schaaf ist in der Bundesliga eine Autorität. In Fußball-Europa kennt ihn längst nicht jeder. Ein Erfolg gegen Barcelona in der Champions League - das wäre für Schaaf der nächste Schritt auf dem Weg zu internationalem Ansehen. Verändern würde es ihn nicht.

Von Frank Heike, Bremen
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Es ist langweilig geworden, Thomas Schaaf zu loben. Jeder macht das derzeit. Kein Trainer der Bundesliga wird so für seine Fußball-Philosophie gepriesen. Gerade im Vergleich mit den Kollegen gewinnt Schaaf in diesen Monaten an Kontur: Thomas Doll befindet sich im freien Fall, Mirko Slomka sucht seinen Stil, Felix Magath läßt müden Fußball spielen, und Hans Meyers Originalität wirkt oft angestrengt. Es ist nur so, daß Schaaf all das gar nicht kümmert. Es interessiert ihn wenig, wie die Öffentlichkeit ihn sieht. Er käme auch nie auf die Idee, sich mit anderen zu vergleichen. Schaaf ist Schaaf.

Es beruhigt, ihm zuzuhören, ihn zu sehen, wie er da sitzt im Blockstreifen-Sweatshirt und auf die Fragen von ARD-Moderator Reinhold Beckmann antwortet, wie zuletzt vor zwei Tagen. Es gibt ja nur noch ein Thema: das Spiel beim FC Barcelona an diesem Dienstag. Wenn Werder einen Punkt holt oder gewinnt, hätten sich die Bremer in der enorm starken Gruppe A durchgesetzt und stünden im Achtelfinale der Champions League. Als Beckmann den vorletzten Gegner Barcelonas in der spanischen Meisterschaft kleinredet, geht Schaaf dazwischen, obwohl gar keine Antwort für ihn vorgesehen ist: „Halt, Villarreal hat schon eine gute Mannschaft!“ Wenn Schaaf etwas nicht gefällt, sagt er das. Auch im Fernsehen.

„Die beste Vorbereitung auf ein Spiel ist ein Spiel

Der 45 Jahre alte Schaaf ist in der Bundesliga eine Autorität. In Fußball-Europa kennt ihn längst nicht jeder. Werder ist zwar zum dritten Mal nacheinander für die Champions League qualifiziert. Werder wird im Ausland als spielstarke deutsche Nummer zwei wahrgenommen. Doch es fehlen die Erfolge in den K.-o.-Runden. Das weiß auch der Trainer. Deswegen steht Schaaf vor einem für ihn selbst entscheidenden Spiel: Das Weiterkommen nach einem erfolgreich gestalteten Endspiel bei der sündhaft teuren Starauswahl Barcelonas - das wäre für Schaaf der nächste Schritt auf dem Weg zu internationalem Ansehen. Verändern würde es ihn nicht, womöglich interessiert es ihn auch nicht über die Maßen.

Schaafs Sätze vor dem Bremer Jahresendspiel sind ähnlich einfach gehalten wie stets. „Wir müssen gut ins Spiel kommen, gleich hellwach sein und das 90 Minuten durchhalten“, sagt er. Oder, gefragt, ob er nicht einige Spieler in der Partie gegen Hertha BSC Berlin am Samstag hätte schonen sollen: „Die beste Vorbereitung auf ein Spiel ist ein Spiel.“

Nicht aufregend, aber sympathisch

Natürlich schätzen die Bremer Profis auch das an ihrem jederzeit verläßlichen Trainer: Er profiliert sich nicht auf ihre Kosten. Er sagt lieber ein Wort zuwenig. Die Taten sprechen ja für ihn: Viele Spieler haben sich unter Schaaf im speziellen Bremer Wohlfühl-Klima verbessert. Ailton, Fabian Ernst, Torsten Frings, Tim Borowski, Miroslav Klose. Von Klose ist Schaaf seit Wochen begeistert; es wird den Trainer gefreut haben, daß Sportdirektor Klaus Allofs am Montag ankündigte, Werder wolle den Stürmer unbedingt über das Jahr 2008 hinaus halten. Bald sollen die ersten Gespräche beginnen.

Schaaf hat sich verändert, seit er Werder im Mai 1999 übernahm. Damals war Bremen in akuter Abstiegsnot und am Vorhaben gescheitert, die Zukunft nach der Ära Rehhagel zu gestalten: die Trainer gaben sich die Klinke in die Hand. Bis Schaaf kam. Er ist autoritärer, sicherer und selbstbewußter geworden mit den Jahren, vor allem durch die Erfolge: die Meisterschaft 2004 und den Pokalsieg. Er geht gern mal ins Fernsehstudio, in den NDR-Sportclub oder zu „Buten und Binnen“, der quotenstarken und gemütlichen Abendsendung von Radio Bremen. Dort sitzt er dann im Strickpullover, wie zuletzt vor ein paar Wochen, und lacht über alte Bilder von sich oder gibt geduldig Antworten, die nicht aufregend sind, aber sympathisch.

„Zu Hause reicht abends auch mal 'ne Stulle“

Schaaf ist auch mal genervt. Die oft gestellte Frage: „Wieviel Klinsmann steckt in den Vereinen?“, hat ihn während und nach der Weltmeisterschaft geärgert, weil Werder doch schon lange mit schnellem Paß in die Spitze spiele. Zu viel Theoretisches über Taktik, auch das mag Schaaf nicht. Es gibt noch eine Frage, die er ungern hört: „Sind Sie mit Werder Bremen verheiratet?“ Schaaf sieht sich in der Lage, einen anderen Spitzenklub zu trainieren, vielleicht sogar im Ausland. Er hat einen Wunsch: „Wenn es bei Werder mal nicht mehr so läuft, wollen wir offen miteinander sein und es beenden.“ Er beobachtet genau, was gerade in Hamburg passiert.

Schaaf kann sich den Aufgeregtheiten des Geschäfts gut entziehen. Im Gegensatz zu anderen Trainern wirkt er nie wie ein Getriebener (natürlich auch, weil es in Bremen viel ruhiger zugeht als in Hamburg oder München). Er hat seit Jahren dieselbe Handynummer, und seinen eigenen Lebensstil illustriert nach wie vor der wunderbare Satz am besten: „Zu Hause reicht uns abends auch mal 'ne Stulle.“ Werder Bremen hat zehn Punkte geholt in der Gruppe A; für den Vorsitzenden der Geschäftsführung, Jürgen Ludger Born, käme es dem „achten Weltwunder“ gleich, übertrumpfte Werder den Titelverteidiger in Barcelona. Für Schaaf wäre das nur ein nächster Entwicklungsschritt. „Wir haben schon jetzt gezeigt, daß wir zu Recht dabei sind.“ Gelingt es nicht, geht es eben im Uefa-Pokal weiter. Das sieht er relativ gelassen: Auch dort kann man schöne und erfolgreiche Spiele zeigen.

Quelle: F.A.Z., 05.12.2006, Nr. 283 / Seite 34
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