26.11.2008 · Kurz vor Anpfiff des wegweisenden Champions-League-Spiels auf Zypern hat Werder Bremen eine Hiobsbotschaft ereilt: Bei Anorthosis Famagusta müssen die Bremer - wie auch der Gegner - ohne Stammtorwart auskommen. Dennoch hilft nur ein Sieg weiter.
Von Frank HeikeDer Satz stammt von Mario Gomez. In Bremen hört man ihn gar nicht gern: „Gegen Bremen bekommst du immer deine Chancen.“ Vor zwei Jahren hat der Stuttgarter Stürmer sich so wenig schmeichelhaft über die Bremer Defensive geäußert. Mag der Satz den Bremern auch nicht schmecken, so steckt doch viel Wahres in ihm. 26 Gegentore in der Liga, kaum jemand ist schlechter. Es ist das alte Bremer Lied von der starken Offensive und der schwachen Defensive, die beim Gastspiel auf Zypern zudem noch ohne Stammtorwart Tim Wiese auskommen muss. Der Verein teilte kurz vor Spielbeginn mit, dass der Nationaltorwart wegen einer Adduktorenzerrung ausfällt.
Weil fast immer Gegentreffer zu erwarten sind, gerade bei Auswärtsspielen, liegt ohnehin ein systemimmanenter Druck auf den Offensivkräften - sie müssen einfach treffen. Wenn Werder an diesem Mittwoch in der Champions-League-Gruppe B auf Zypern bei Anorthosis Famagusta (siehe auch: Anorthosis Famagusta: Erfolge dank Zar Ketsbaia und dem Y-Faktor) antritt und gewinnen muss, um weiterhin das Achtelfinale erreichen zu können, richten sich die Blicke auf die drei Spieler, die für Bremer Angriffsschwung sorgen sollen - und das zuletzt ganz gut hinbekommen haben: Diego, Claudio Pizarro und Hugo Almeida.
Pizarro steht in der Teamhierarchie ganz weit oben
Am Sonntag in Hamburg und davor gegen Köln harmonierte das südamerikanisch-portugiesische Trio gut: In Hamburg traf Diego, gegen Köln waren Diego und Hugo Almeida erfolgreich. Pizarro spielte auch ohne Tor ordentlich. Über die Qualitäten des 23 Jahre alten Diego muss man ohnehin keine großen Worte verlieren. Normalerweise. In seinem dritten Bremer Jahr hat er die sommerliche Belastung der Olympischen Spiele im Spätherbst nun endlich überwunden und spielt sich wieder in Form. Werder kann sich eine Schwächephase Diegos überhaupt nicht erlauben, weil dann kaum etwas Kreatives aus dem Mittelfeld kommt - auch wenn Torsten Frings dort zuletzt besser benotet wurde.
Diego plus der alte neue Angreifer, der im Sommer vom FC Chelsea kam: Da dachte man bei Werder vor vier Monaten, man werde um die Meisterschaft mitspielen. Der Satz vom besten Kader aller Zeiten machte die Runde, als Sportdirektor Klaus Allofs im August Claudio Pizarro für 1,5 Millionen Euro Leihgebühr aus London holte. Man war richtig stolz, und trotz der Misere in Bundesliga und Champions League lässt man auf den 30 Jahre alten Peruaner auch heute nichts kommen. Sieben Treffer in der Liga, dazu das wichtige Tor in Mailand und die besondere Ausstrahlung eines internationalen Spitzenspielers: Es hat nicht viel gepasst bisher bei Werder Bremen, aber Pizarro, das war tatsächlich ein Transfercoup. Auch in der Teamhierarchie steht er ganz weit oben. Im Sommer soll vorgefühlt werden, ob es noch ein Jahr weitergehen könnte mit Pizarro. Neben seinen Qualitäten als Torschütze kann er vorn den Ball behaupten und mehrere Gegenspieler beschäftigen.
Rosenberg ist international ein Leichtgewicht
Diego und Pizarro, keine Frage, das ist Champions-League-Format. Und dann? Wird es schwierig. Dünn. Erst war der eifrige Schwede Markus Rosenberg der Mann an Pizarros Seite. Fünf Tore gelangen ihm bislang in der Bundesliga. International aber ist der 26 Jahre alte Malmöer ein Leichtgewicht. Rosenberg kann alles ganz gut, was ein Stürmer können muss. Aber nichts überragend. Seit einigen Wochen probiert Schaaf also wieder Hugo Almeida aus. Einige disziplinarische Verfehlungen brachten ihn zu Beginn der Serie auf die Rote Liste derjenigen Profis bei Werder Bremen, die ihr Potential nur nach eigenem Gutdünken ausschöpften. Klaus Allofs war schlecht auf den 24 Jahre alten Stürmer zu sprechen.
Die Frage nach seinen Qualitäten kommt alle vier bis sechs Wochen wieder auf, wenn Hugo Almeida plötzlich ein Ausrufezeichen setzt. Dazwischen ist von ihm nichts zu sehen. Allofs, der ehemalige Stürmer, sagt: „Ich weiß nicht, wie viele Gespräche wir schon mit ihm geführt haben. Ich kenne kaum einen Spieler, der Hugos Möglichkeiten besitzt. Aber er muss endlich begreifen, dass jeder Tag wichtig ist, um zu lernen. Und er hat noch eine Menge zu lernen. Es wäre eine Schande, wenn er sich nicht weiterentwickelt.“ Darauf warten Allofs und Schaaf nun aber schon zweieinhalb Jahre. Obwohl sein Vertrag noch bis Sommer 2011 läuft, galt Hugo Almeida bereits als potentieller Abgang. Nach den guten Leistungen der vergangenen Tage könnte er bleiben. Es gilt das Prinzip Hoffnung oder, wie es Allofs ausdrückte: „Vielleicht sind es solche Erlebnisse wie gegen Köln (als Almeida ein Traumtor glückte), die ihm den Kick geben, noch intensiver an sich zu arbeiten.“
Defensive entlastet Offensive, das wäre mal was Neues
Werder ist auf die Geistesblitze der Offensivkräfte angewiesen. Schaaf und Allofs wäre es sehr recht, wenn Hugo Almeida Diego und Pizarro, die zuverlässigen Torschützen, entlastete. Denn der Rest der Abteilung Attacke ist nicht gerade in furchteinflößender Form: Boubacar Sanogo ein Verkaufskandidat, Aaron Hunt auf dem mühsamen Weg zurück zu alter Stärke und Mesut Özil, zuletzt in der Liga gesperrt, am Mittwoch auf Zypern wohl in der Startelf, noch zu sprunghaft in den Leistungen.
Vielleicht aber reicht ja auch mal ein Treffer, um bei Anorthosis zu siegen und die Heimpartie gegen Inter am 9. Dezember zum Finale zu machen. Defensive entlastet Offensive, das wäre mal was Neues bei Werder Bremen. Leicht wird es nicht: Famagusta ist seit Januar 2007 in 41 Pflichtspielen daheim ungeschlagen.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |