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Werder Bremen Eine ganz normale Niederlage und ein Schreck nach Mitternacht

23.11.2005 ·  Die Bremer sind nach dem 1:3 beim FC Barcelona in der Champions League auf Hilfe angewiesen. Auf die Unterstützung von Miroslav Klose müssen sie vorerst verzichten, der Nationalstürmer wird nach dem Bruch des Jochbeins operiert.

Von Hans Trens, Barcelona
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Die kleinen Köstlichkeiten der katalanischen Küche waren gerade erst gegessen, da ereilte die Bremer in dem Luxushotel "Juan Carlos I." eine schlechte Nachricht. Miroslav Klose sorgte dafür in der Nacht zum Mittwoch gegen ein Uhr in dem Mannschaftsquartier unweit des Stadions Nou Camp in Barcelona.

Der Nationalspieler, Pechvogel des unerfreulichen Abends, mußte dabei gar nichts sagen. Alle in der Bremer Delegation konnten sogleich seinem Gesichtsausdruck entnehmen, daß sich außer der 1:3-Niederlage, die die Chancen der Norddeutschen in der Champions League enorm minimiert hat, weil die Norddeutschen bei einem vorausgesetzten Sieg gegen Athen nun auf die Unterstützung der Spanier angewiesen sind, ein ernstzunehmendes Malheur ereignet hatte.

„Die schlechteste Nachricht des Abends“

Was Vereinsarzt Dr. Götz Dimanski bei der ersten Diagnose im Stadion vermutet hatte, war schließlich zur Gewißheit geworden: Angreifer Klose, der 14 Treffer in bisher 13 Saisonspielen in der Bundesliga erzielt hat, hatte beim Gastspiel in Barcelona einen Bruch des Jochbeins erlitten. So lautete das Resultat einer Untersuchung in der Klinik. Eine Operation ist notwendig, so daß der eigentlich unverzichtbare Stürmer mindestens drei Wochen, wenn nicht gar für den Rest der Hinserie ausfallen wird.

"Die schlechteste Nachricht des Abends", sagte Kapitän Frank Baumann über die Verletzung von Klose, die der Stürmer sich bei einem Luftkampf mit dem kantigen Mexikaner Rafael Marquez zugezogen hatte. Klose, ganz Sportsmann, vermied Vorwürfe an den Gegenspieler; er fügte sich in sein Schicksal. Wie Kollege Tim Borowski, der ausdrücklich "unseren zweiten Sturm" lobte, glaubt auch er, daß sich jetzt die anderen Kräfte bei Werder Bremen bewähren werden. Da auch Ivan Klasnic, bedingt durch die Zwangspause nach einer Operation am Blinddarm, noch nicht wieder einsatzfähig ist, ist somit nun zwangsläufig der Weg frei für Nelson Valdez, der am kommenden Montag 22 Jahre alt wird, und den erst 19 Jahre alten Aaron Hunt.

„Die drehen nun mal an einem größeren Rad

Diese langfristigen Folgen des Ausflugs nach Barcelona mögen in der Tat schwerer wiegen als die kurzfristigen Auswirkungen einer Niederlage, die Klaus Allofs beispielsweise als "ganz normal" charakterisierte. Diesmal sei der FC Barcelona nun mal eine Nummer zu groß gewesen für Werder, urteilte der Manager, der die Klasse des Widersachers herausstrich: "Die drehen nun mal an einem größeren Rad als wir."

Der Unterschied zwischen dem spanischen Meister mit seinem multikulturellen Starensemble und dem Bundesliga-Tabellenzweiten war ersichtlich. Und dieser Unterschied trug einen Namen: Ronaldinho Gaucho de Assis Moreira, der Virtuose mit dem Künstlernamen Ronaldinho. Er habe ein "weiteres Konzert gegeben", schrieb "El Mundo" über den umjubelten Ausnahmespieler, der an allen drei Toren aktiv beteiligt gewesen ist. Mit zwei exzellenten Pässen auf die Torschützen Gabri und Larssen hebelte er die wieder mal orientierungslose Innendeckung der Hanseaten aus. Und er durfte bei einem mit viel Effet getretenen Freistoß auf die Mithilfe des indisponierten Torwarts Andreas Reinke bauen.

„Immer nur auf die Abwehr“

Hinterher trug der Brasilianer seine Genugtuung deutlich zur Schau. Riesig und frei fühle er sich, sagte der Hauptdarsteller der "neuen "Barca-Show" ("La Vanguardia"). Strahlemann Ronaldinho behauptete auch: "Ich spiele immer besser."

Diese besonderen Momente des Brasilianers, gegen den Patrick Owomoyela im direkten Duell dennoch nicht enttäuschte, sowie eine fast perfekte Teamarbeit, die laut Trainer Thomas Schaaf idealerweise das Schöne mit dem Erfolgreichen verknüpft habe, reichten dem FC Barcelona bei minimalem Kraftaufwand, um die chancenlosen Norddeutschen in Schach zu halten. "Ein bißchen Barca war ausreichend", würdigte die Sportzeitung "As" den überzeugenden Auftritt des Gruppenfavoriten, die der Bremer Valdez als "die beste Elf der Welt" einstuft.

Als ob es nicht schon genug der Unbill gegeben hätte, sorgte zum Schluß auch noch ein Zwist für eine Störung im Bremer Betriebsklima. Torsten Frings löste an seinem 29. Geburtstag Streitigkeiten aus. Erst sprach er allgemein die "dummen individuellen Fehler" der Mannschaft an, dann nannte er auch noch Namen. Torwart Reinke, der zu seinen neuen Patzern schwieg, sowie die Innenverteidiger durften sich angesprochen fühlen. Wobei Naldo dem Kollegen Frings couragiert einen Konter versetzte: "Immer nur auf die Abwehr, dabei passieren die Fehler viel weiter vorn." Weiter vorn spielt auch Frings.

Quelle: F.A.Z. vom 24. November 2005
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