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Wechselspiele in der Bundesliga Die nächste große Einkaufstour

26.05.2009 ·  Bayern München holt Nationalstürmer Mario Gomez vom VfB Stuttgart - für angeblich 30 Millionen Euro Ablöse. Und Werder Bremen kassiert vermutlich 27 Millionen für den Brasilianer Diego, den es wie erwartet zu Juventus Turin zieht.

Von Elisabeth Schlammerl
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Ein Tag der aufsehenerregenden Wechsel: Mario Gomez, das wurde am Dienstag bekannt, sucht sein Glück künftig beim FC Bayern München. Er dürfte die mit dem VfB Stuttgart angeblich vertraglich fixierte Ablösesumme von 30 Millionen Euro kosten und damit der teuerste Spieler der Bundesliga-Geschichte sein.

Werder Bremen kassiert immerhin vermutlich 27 Millionen Euro für den Brasilianer Diego, den es wie erwartet zu Juventus Turin zieht. Dieser Transfer hatte sich seit einiger Zeit abgezeichnet. Diego wird am kommenden Samstag im Pokalfinale gegen Bayer Leverkusen seinen Abschied bei Werder Bremen geben, das sein Team trotz dieses Aderlasses konkurrenzfähig halten will – als möglicher Neuzugang ist der Mönchengladbacher Marko Marin im Gespräch.

Gewissheit vor der Asienreise

Der künftige Münchner Gomez zeigte in der kurzen Pause zwischen Bundesliga-Finale und Länderspielreise, wie erfolgreiches Zeitmanagement aussehen kann. Der Stürmer des VfB Stuttgart wollte Gewissheit über seine berufliche Zukunft haben, ehe er mit der deutschen Nationalmannschaft nach Asien aufbricht, und hat deshalb seine beiden freien Tage optimal genutzt. Als er am Dienstag das Flugzeug bestieg, war alles geregelt, und während er sich auf dem Weg nach Schanghai machte, gab sein neuer Arbeitgeber, der FC Bayern München, den Tranfer zur neuen Saison bekannt.

„Ich will mit diesem Klub in der kommenden Saison der Meisterschaft voll angreifen und freue mich sehr auf die Spiele in der Champions League“, ließ der Profi ausrichten. Gomez, der in der abgelaufenen Saison 24 Tore für den VfB erzielte, wird in München einen Vierjahresvertrag erhalten. Laut VfB- Sportdirektor Horst Heldt müssten „die endgültigen Wechselmodalitäten“ noch geklärt werden. „Fakt ist aber: Wenn der FC Bayern unsere Bedingungen akzeptiert, wird der Transfer in den nächsten Tagen vonstattengehen.“

Gomez steht am Anfang der nächsten Münchner Einkaufstour

Der Handel hatte sich – wie im Fall Diego – schon vor längerem angedeutet. Vor dem letzten Saisonspiel gegen den VfB Stuttgart, bei dem es für beide Teams um die direkte Qualifikation für die Champions League ging, hatten die Verantwortlichen des FC Bayern zwar noch jegliches Interesse an Gomez dementiert, aber gleich nach dem Schlusspfiff häuften sich die Hinweise, dass die Verhandlungen schon weit fortgeschritten waren. Dass Gomez im neuen Trikot der Bayern, das er von Franck Ribéry beim üblichen Tausch nach Spielende erhalten hatte, ein Fernsehinterview gab, war wohl kein Zufall.

Spätestens als Bayern-Manager Uli Hoeneß bei seinem Auftritt am Sonntag im Deutschen Sportfernsehen mit einem siegesgewissen Lächeln zugab, doch an Gomez interessiert zu sein, gab es kaum mehr Zweifel am Kommen des Stuttgarters. Der Berater des Angreifers, Uli Ferber, hatte zwar am Montag noch wissen lassen, dass es auch Anfragen aus Italien und England gebe, aber das war wohl nur noch ein Ablenkungsmanöver. Zu diesem Zeitpunkt dürfte es zwischen dem FC Bayern und Gomez nur noch um letzte Details gegangen sein.

Für Luca Toni dürfte kein Platz mehr sein

Der Transfer von Gomez ist wohl nur der Beginn der nächsten Münchner Einkaufstour. Im Winter hatten die Bayern bereits Ivica Olic (Hamburger SV), Anatolij Timoschtschuk (Zenit St. Petersburg) und Alexander Baumjohann (Borussia Mönchengladbach) für die neue Saison verpflichtet. Die Liste der Spieler, an denen der FC Bayern angeblich interessiert ist, wird beinahe täglich länger. Am Dienstag kam der Schalker Torhüter Manuel Neuer dazu. „Wir haben Schalke von unserem Interesse informiert“, wird Hoeneß in der „Sport Bild“ zitiert (siehe: Fußball kompakt: Scolari will weg - Mourinho will bleiben - Magath will Neuer halten). Der künftige Trainer der Gelsenkirchener, Felix Magath, reagierte allerdings prompt und verweigerte Neuer die Freigabe: „Wir brauchen ihn selbst.“

Beim FC Bayern wird im Sturm das Gedränge nach der Verpflichtung von Gomez als fünftem Angreifer groß, wahrscheinlich zu groß. Für Luca Toni dürfte kein Platz mehr sein, jedenfalls nicht mehr in der ersten Elf. Den Auftritten des Italieners fehlte zuletzt die Überzeugungskraft, obendrein scheint er seinen Zenit überschritten zu haben. Weil der Weltmeister von 2006 aber den Anspruch erhebt, Stammspieler zu sein, taugt er für die Rolle eines Jokers nicht und wird sich wohl trotz des bis 2010 laufenden Vertrages nach einem neuen Verein umschauen. Vielleicht wandelt er ja auf Diegos Spuren – und kehrt zurück nach Italien.

Rekord-Ablösesummen in der Bundesliga:

Jahr Spieler - alter/neuer Verein (Summe, zumeist geschätzt)
---------------------------------------------------------------------
2009 Mario Gomez - VfB Stuttgart / Bayern München (30 Mio.)
2009 Diego - Werder Bremen/Juventus Turin (27 Mio. )
2007 Owen Hargreaves - Bayern München/Manch.United (25 Mio.)
2009 Nigel de Jong - Hamburger SV/Manchester City (20 Mio.)
2000 Emerson - Bayer Leverkusen/AS Rom (20 Mio.)
2001 Evanilson - Borussia Dortmund/AC Parma (17 Mio.)
2006 Dimitar Berbatow - Bayer Leverkusen/Tottenham Hotspur (16 Mio.)
2008 Rafael van der Vaart - Hamburger SV/Real Madrid (15 Mio.)
2005 Alexander Hleb - VfB Stuttgart/Arsenal London (15 Mio.)
2007 Miroslav Klose - Werder Bremen/Bayern München (12-15 Mio.)
2006 Khalid Boulahrouz - Hamburger SV/FC Chelsea (13 Mio.)
1998 Jörg Heinrich - Borussia Dortmund/AC Florenz (12,5 Mio.)
2004 Lucio - Bayer Leverkusen/Bayern München (12 Mio.)
2007 Marcell Jansen - B. M'gladbach/Bayern München (11-12 Mio.)

Quelle: F.A.Z.
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