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Freitag, 17. Februar 2012
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Wechsel nach Istanbul Ailton hat das Kapitel Schalke beendet

19.07.2005 ·  Stürmer Ailton vom FC Schalke 04 steht vor dem Absprung in die Türkei. Der 32jährige soll zum türkischen Spitzenclub Besiktas Istanbul wechseln. Von seinen Schalker Kollegen hat sich der Brasilianer bereits verabschiedet.

Von Richard Leipold, Gelsenkirchen
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Nach dem Mittagessen auf der Hotelterrasse sah Ailton den Augenblick gekommen, ein paar freundliche Worte an seine Berufskollegen vom FC Schalke 04 zu richten. Der brasilianische Stürmerstar bedankte sich - nicht nur für die Glückwünsche zu seinem 32. Geburtstag, sondern auch „für ein schönes Jahr“. Doch die Zeit war nicht schön genug. Ailton wird aller Voraussicht in dieser Woche einen Vertrag bei Besiktas Istanbul unterschreiben. Die Wahrscheinlichkeit liege „bei achtzig bis neunzig Prozent.“

Zum Abschied wünschte der Brasilianer der Schalker Mannschaft „viel Glück für die Champions League“. Dann gingen beide Seiten getrennte Wege. Die Schalker Reisegruppe reiste vom Trainingslager im österreichischen Ort Bad Radkersburg nach Baden-Württemberg, wo der Revierklub an diesem Mittwoch ein Privatspiel gegen die Stuttgarter Kickers austrägt. Ailton flog von Graz aus nach Düsseldorf; auch er hat an diesem Mittwoch einen wichtigen Termin: Ailton stellt sich der sportärztlichen Untersuchung. Besteht der Stürmer den Gesundheitstest, dürfte dem geplanten Wechsel nichts mehr im Wege stehen.

Noch keine Unterschrift

„Noch ist nichts unterschrieben, aber wir rechnen damit, daß der Transfer am Mittwoch oder am Donnerstag über die Bühne geht. Die Vereine sind untereinander klar, und Toni ist mit seinen Gedanken schon in Istanbul“, sagte Andreas Müller, der Sportdirektor des FC Schalke. Die Ablösesumme dürfte bei etwa drei Millionen Euro liegen. Vorstandskreise des Revierklubs hatten schon länger verlauten lassen, einem Wechsel zuzustimmen, wenn Ailton „keine Lust mehr“ habe und ein Verein drei Millionen Euro zu zahlen bereit sei. Ein erstes Angebot der Türken hatte Schalke abgelehnt. Doch Besiktas legte nach. Da konnten die Westfalen nicht mehr widerstehen.

Kassieren vor der Rente

„Die erste Offerte von Besiktas war indiskutabel. Für uns stellte sich die Frage: Welchen Wert hat der Spieler?“, sagt Cheftrainer Ralf Rangnick. Nach Rücksprache mit Finanzvorstand Josef Schnusenberg und Manager Rudi Assauer, der Urlaub auf Mallorca macht, war die Antwort klar. „Bei dieser Summe können wir nicht nein sagen“, sagte Rangnick. „Wenn solch ein Betrag aufgerufen wird, muß man abwägen, wie alt der Spieler ist und wie lange sein Vertrag noch läuft. Es ist doch klar, daß wir nächstes Jahr keinen Cent mehr für Toni bekommen hätten.“

Auch Ailton wertet den möglichen Wechsel als glückliche Fügung. Er hatte sich in Gelsenkirchen bei weitem nicht so wohlgefühlt wie zuvor in Bremen, wo er als deutscher Meister und Pokalsieger sowie als Torschützenkönig der Bundesliga sein erfolgreichstes Profijahr in Deutschland erlebte. Er müsse an seine Zukunft denken, sagt Ailton. Der sich abzeichnende Wechsel sei für alle Seiten „ein gutes Geschäft“. Nach Medienberichten bietet Besiktas ihm für die nächsten zwei Spielzeiten ein steuerfreies Jahresgehalt von rund einer Million Euro und dazu eine Einmalzahlung in Höhe von 830000 Euro als „Handgeld“. Ailton sagte, er müsse sich noch mit seiner Frau Rosalie beraten. Aber auch das scheint nur Formsache.

Kalt und langweilig

Das Ehepaar hat sich in Gelsenkirchen von Anfang an nicht zu Hause gefühlt. Schon vor seinem Umzug in den Westen hatte der Brasilianer den geringen Freizeitwert des Reviers bemängelt, vermutlich ohne je davon gehört zu haben, daß die Region auch kulturell ein Ballungsgebiet ist. Die gefühlte Kälte im Ruhrgebiet verstärkte sich dadurch, daß Ailtons Trefferzahl sich binnen eines Jahres halbierte. Insofern fällt beiden Parteien der Abschied nicht schwer.

Ailton hat mit Schalke längst abgeschlossen, und der Verein sucht einen Nachfolger. „Unsere Transferaktivität ist nicht beendet, wir haben noch etwas vor“, sagt Assauer. Die Schalker wollen den dänischen Nationalspieler Sören Larsen verpflichten, der in elf Länderspielen zehn Tore erzielt hat. Sein schwedischer Arbeitgeber Djurgarden Stockholm widersetzt sich noch. Die Ablöse für den 23 Jahre alten Stürmer ist auf 1,2 Millionen Euro festgeschrieben - nach dieser Saison.

Ailton-Nachfolger gesucht

Doch wann endet die Spielzeit: am 30. Juni, wie vom Weltverband Fifa vorgegeben, oder erst am 30. Oktober nach dem Abschluß der schwedischen Meisterschaft? „Wir bemühen uns, den Transfer zügig abzuwickeln, aber unser Standpunkt hat sich nicht geändert, wir werden nichts drauflegen“, behauptet Teamchef Müller, die bisher geforderte Transfersumme sei unrealistisch, auch wenn der Spielraum größer geworden sei. Rangnick indes stellt klar, daß Schalke „nicht mit drei Stürmern in die Saison gehen“ könne. „Die Ablöse für Ailton muß sofort wieder investiert werden.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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