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Wayne Rooney Strapazierte Seele

27.06.2010 ·  Englands Star Wayne Rooney steht bisher neben sich, hat den Schiedsrichter im Test beschimpft, sich mit Gerrard gestritten und die eigenen Fans kritisiert. Dabei will er endlich seinem Fluch entkommen und beim Showdown mit dem Erzrivalen Fußball-Geschichte schreiben.

Von Roland Zorn, Bloemfontein
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„Frühstück, Training, Mittagessen, Bett, Abendbrot, Bett.“ So hat Wayne Rooney seine Erlebnisse bei dieser Weltmeisterschaft in Südafrika einmal beschrieben. Die Monotonie des Profilebens im Camp mag dem 24 Jahre alten englischen Fußballstar zuletzt aufs Gemüt geschlagen sein. Mehr noch aber verrieten Sätze wie dieser, dass der Mann, von dem das Vereinigte Königreich bei dieser WM immer noch Großes erwartet, mit sich selbst unzufrieden ist. Schien er doch vor Turnierbeginn dazu auserkoren, aus diesem Festival auch die große Rooney-Show machen zu können. In den Spielen der Gruppe C jedoch mühte sich der vermeintliche König der „Drei Löwen“ mehr ab, als zu glänzen. Auf ein Tor des bei Manchester United in allen Pflichtspielen der vergangenen Saison 34 Mal erfolgreichen Liverpoolers mit dem Stiernacken und schon schütterem Haar wartet England bis heute.

Heute aber kommt es zum Showdown mit dem Erzrivalen, nun lebt die Geschichte im Achtelfinale von Bloemfontein auf, nun wird es für England und Deutschland ernst: Einer wird an diesem Sonntag gewinnen, der andere am Montag nach Hause fliegen. Kuriert Wayne Rooney bis dahin seine leichten Knöchelwehwehchen aus und versteht er es, seinen seelischen Ballast abzuwerfen, kann er in diesem europäischen Klassiker ein Stück Fußballgeschichte schreiben.

„Die Deutschen“, hat er bei der vorletzten Trainingseinheit im Rustenburger Trainingsquartier der Briten gesagt, „sind schlagbar, da bin ich ganz zuversichtlich. Ich habe von Deutschland nichts gesehen, wovor wir Angst haben müssten.“ Gut gebrüllt, Löwe! Doch kann er selbst jetzt auch kräftig zubeißen?

So eifrig der Vorkämpfer und Dauerläufer in Südafrika bisher Belege für seine unnachgiebige Arbeitermentalität lieferte, so wenig war von dem Genie und Vollstrecker zu erkennen, das in diesem Sprössling eines Preisboxers und einer Küchenhilfe steckt. Besorgt rief Sir Alex Ferguson, sein Vereinstrainer bei Manchester United, den an sich leidenden Rooney dieser Tage an. „Ich habe ihm einfach gesagt, entspann dich, genieße das Turnier“, gab er wenig später den Inhalt seiner telefonischen Empfehlung wieder.

Wie ein Atlas, der die Weltkugel schultern muss

Doch so richtig erreicht hat Rooneys großer Förderer und Mentor den Stürmer mit den urbritischen Qualitäten anscheinend nicht. Der Spieler, von dem Lionel Messi, der „Weltfußballer des Jahres“, schwärmerisch gesagt hat, „er musste nicht vom Fußball überzeugt werden, er wurde dafür geboren“, stand neben sich. Er motzte den Schiedsrichter in einem Testspiel vor der WM an, fetzte sich mit seinem Mannschaftskapitän Steven Gerrard und wurde auch noch zum Chefkritiker der britischen Fans, die ihr Team nach der tristen Nullnummer gegen Algerien ausgebuht hatten. Lauter Unbeherrschtheiten, die Rooney umgehend bedauerte und die auf seine strapazierte Seelenlage verwiesen. Manchmal kam er sich wohl wie ein Atlas vor, der die Weltkugel zu schultern habe.

Eine Karriere der Verletzungen

Große Turniere nach einer kraftraubenden Premier-League- und Champions-League-Saison sind aber ohnehin nicht sein Ding. Mittelfußbruch im Europameisterschafts-Viertelfinale 2004 gegen Portugal, Mittelfußbruch vor der WM 2006 in Deutschland mit der Folge fehlender Fitness im Turnier und einem abschließenden Platzverweis im verlorenen Viertelfinalspiel gegen Portugal, Knöchelverletzung im Champions-League-Viertelfinalrückspiel gegen Bayern München vor der WM 2010, verbunden mit einem deutlichen Formverlust in den vergangenen Wochen.

Es ist ein Fluch, dem Wayne Rooney an diesem Sonntagnachmittag in Bloemfontein entkommen kann – mit ihm in der Hauptrolle des wahren Rooney. Dass es dazu kommen könnte, ahnt auch Bundestrainer Joachim Löw: „Bei Wayne Rooney weiß man, dass er explodieren kann. Dieser Mann ist zu allem fähig.“ So sieht es auch Löws Vorgänger Jürgen Klinsmann: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er bei der WM sein erstes Tor erzielt.“

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