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Wayne Rooney Liebling der Arbeiterklasse

16.02.2010 ·  Wayne Rooney spielt in der Form seines Lebens und soll Manchester United in der Champions League das Weiterkommen gegen den AC Mailand sichern. Dabei trifft er auf David Beckham - seinen Gegenentwurf.

Von Christian Eichler
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Englands Hoffnung hat einen Namen. „Zerstörer Rooney“, so nennt ihn die „Daily Mail“, als gehe es bald nicht um den WM-Titel, sondern um die Falkland-Inseln. „Wayne ist in einer magischen Phase“, sagt Nationaltrainer Fabio Capello. Sie soll bis zum 11. Juli anhalten. Vergangene Woche sprach Capello bei einem Treffen im Wembley-Stadion mit Alex Ferguson, Rooneys Chef bei Manchester United. Er flehte: „Ich brauche ihn frisch bei der WM. Bitte lass ihn auch mal pausieren.“ Doch danach sieht es nicht aus, schon gar nicht im Achtelfinale der Champions League an diesem Dienstag beim AC Mailand (20.45 Uhr / FAZ.NET-Champions-League-Liveticker). Denn Rooney ist in der Form seines Lebens.

Er spielt jedes Spiel, und er spielt jedes, als wäre es das letzte. Ein nimmermüder Arbeiter, ein Stürmer von der Wucht einer Lokomotive. 62 Liga-Tore schoss United bisher, aber nur die Hälfte davon kommen von Rooneys Mitspielern. Rooney erzielte 21 Treffer. Die übrigen zehn waren Eigentore der Gegner. Auf deren Gunst kann man sich nicht verlassen, auf die Klasse Rooneys schon. Mit 16 die Entdeckung der Premier League, mit 17 Nationalspieler, mit 18 der beste Spieler der EM 2004, ehe er sich im Viertelfinale den Fuß brach - und nun, mit 24, der derzeit „beste Spieler der Welt“. So nennt ihn Carlo Ancelotti, Trainer des großen United-Konkurrenten Chelsea. „Ich bin überrascht, weil er niemals nachlässt und seine Leistung immer weiter verbessert.“

Als der Superstar im Old Trafford noch Ronaldo hieß, musste Rooney aus einer hängenden, seitlichen Position kommen. Nun heißt der Superstar Rooney, und er kann im Zentrum seine ganze Dynamik ausspielen. Sogar drei Kopfballtore hat er in dieser Saison gemacht. Unbeherrschtheiten, die ihm einst Rote Karten einbrachten, wie sein Tritt gegen den Portugiesen Carvalho im WM-Viertelfinale 2006, hat der Jungvater sich in den letzten Jahren abgewöhnt. „Er ist sehr beliebt bei den Kollegen und ein prima Kerl“, sagt Ferguson. „Er ist auf dem Boden geblieben, und das wird sich nicht ändern. Das ist sehr erfrischend in unserer Zeit der Promi-Fußballer. Manche ändern sich mit dem Erfolg, er nicht.“

Die Antithese zu David Beckham

Es ist, als rede Ferguson hier indirekt von einem anderen, den er einst groß machte und der ganz anders war: David Beckham. Auf ihn wird Rooney in Mailand treffen. Verwechslungsgefahr besteht nicht. Schon optisch taugte der Sohn eines Preisboxers aus einer Sozialwohnung in Liverpool nie für eine Rolle als „metrosexuelle“ Ikone wie Beckham. Mit der Statur einer Bulldogge, mit Sommersprossen und Segelohren und ruppiger Ausstrahlung wird man nicht der Liebling von Art-Direktoren, aber der Liebling der Arbeiterklasse. Rooney wusste, dass zu einem wie ihm keine auf Kleidergröße 32 abgehungerte Pop-Gattin und kein Arsenal an teuren Frisuren und kitschiger Tattoo-Symbolik passen.

Schon im Alter von 17 Jahren wurde er von seinem Agenten Paul Stretford explizit auf die Rolle des „Anti-Beckham“ festgelegt. Als „Markenwerte“ wurden in einem Papier definiert: „Wayne ist ein Straßenkämpfer, ein Produkt der Arbeiterviertel, die Antithese zu DB. Er ist real, nicht künstlich.“ Diese Informationen gehen aus einem Prozess hervor, in dem Rooney am Freitag vor dem Gericht in Manchester als Zeuge 25 Minuten aussagte - ein Prozess, der Fergusons Loblied vom guten Kerl, den der Erfolg nicht ändert, etwas relativiert.

Für 2622 Pfund nach New York

Die Vermarktungsagentur Proactive hat Rooney und dessen Frau Coleen auf Zahlung von Provisionen in Höhe von mindestens 4,3 Millionen Pfund verklagt. Rooney hatte die Zahlungen eingestellt, als sein Agent Paul Stretford 2008 wegen undurchsichtiger Geschäfte und Falschaussagen vor Gericht für 18 Monate seine Spielerberaterlizenz verlor und von Proactive entlassen wurde.

Die Rooneys behaupten, durch den Vertrag mit Proactive, der bis zu zwanzig Prozent an Provisionen von Vermarktungserlösen vorsieht, „ausgebeutet“ worden zu sein. Dabei war es eine auch für die Ausgebeuteten sehr lukrative Geschichte. Dank der Verträge mit Coca-Cola, Nike, EA Sports und Tiger Beer soll Rooney an Werbeeinahmen im Fußball nur noch von Beckham und Ronaldinho übertroffen werden. Sein Vermögen wird auf 35 Millionen Pfund geschätzt.

Dabei hat der damalige Proactive-Direktor Stretford sich auch um Coleen Rooney gekümmert. Er verschaffte der früheren Supermarktkassiererin eine eigene Fernsehshow (“Real Women“), eine Kolumne in einem Klatschmagazin und dazu Sponsor-Verträge für Diät-Cola, ein Mobiltelefon und einen Online-Supermarkt. Von diesem sauer verdienten Geld schickt Mrs. Rooney, wie Verhandlungsdetails über das Konsumverhalten der Familie ergaben, schon mal ihre „Assistentin“ erster Klasse nach New York, um dort Schmuck abzuholen (Ticketpreis 2622 Pfund). Holzklasse wäre natürlich auch gegangen. Aber man muss es ja auch nicht übertreiben mit der Rolle als Anti-Beckham.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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