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Wayne Rooney Der verhinderte Held

28.06.2010 ·  Auf Friedrich ist Verlass, und Mertesacker steigert sich: Die deutsche Defensive bremst mit gemeinsamen Kräften den bulligen englischen Angreifer Rooney. Der Working Class Hero bleibt ein Held der Traurigkeit.

Von Michael Ashelm, Bloemfontein
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Arne Friedrich kam aus der Kabine, hinter ihm huschte ein enttäuschter Wayne Rooney davon. Stöpsel im Ohr, keine Lust, mit irgendjemand zu sprechen. Dafür hatte Friedrich allen Grund, sich mitzuteilen. Nicht nur der englische Torjäger war über die gesamte Spielzeit kontrolliert worden, auch seine eigene Leistung und die der gesamten deutschen Abwehr gaben Anlass zur Freude. „Die Engländer haben nie so richtig ins Spiel gefunden. Wir haben sie im Griff gehabt und sie nicht zur Entfaltung kommen lassen“, sagte Friedrich. Mit Zufriedenheit registrierte der bei dieser Weltmeisterschaft in Südafrika bislang überzeugende Innenverteidiger die Tatsache, dass endlich auch sein Partner im Abwehrzentrum, Per Mertesacker, zurückgefunden hat zur Sicherheit. „Er hat heute gut gespielt. Per ist ein guter Junge. Vielleicht hat es ihm gutgetan, dass es bei ihm auch mal nicht rund lief“, sagte Friedrich.

Großartige psychologische Deutungen brauchten bei Rooney nicht mehr angestellt werden. Denn eigentlich hätte dieses Spiel der persönliche Startschuss für ein großartiges WM-Turnier sein sollen. Doch schon in der ersten Halbzeit zeigte sich, wie schwer es für die Hoffnung Englands werden würde. Nicht ein einziger gefährlicher Vorstoß, Rooney winkte vergeblich, verlangte nach Abspielen seiner Kollegen – aber: Er verhakte sich in der Abwehr der deutschen Mannschaft, die sich konzentriert und mit mehrfacher Absicherung an die Verteidigung begab.

„Per ist zurück“

Gerade auf die Innenverteidigung mit Mertesacker und Friedrich war Verlass, nachdem beide Nationalspieler zuletzt ganz unterschiedliche Arbeitsproben abgeliefert hatten. Mertesacker zeigte sich in den vergangenen letzten Gruppenspielen sehr verunsichert, gab keine vertrauensvolle Figur ab. Wenigstens Friedrich war aber in blendender Verfassung, weshalb ihm die Rolle zukam, seinen Partner mitzuziehen. Und das gelang gegen England – und gegen Rooney. „Vor dem Spiel habe ich Per gesagt, dass der eine für den anderen da ist. Danach habe ich ihm zu seinem Comeback gratuliert. Er ist zurück“, sagte Friedrich.

Schon die erste Viertelstunde zeigte, dass mit gutem Teamwork und einem vorausschauenden Blick einiges zu bewerkstelligen wäre. Die Verengung des Raumes vor dem deutschen „Sechzehner“, an der sich auch Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira vorbildlich beteiligten, behinderte erst einmal Rooneys Aktionen. Oder anders gesagt: Die entscheidenden Anspiele auf den bulligen Offensivmann konnten durch die deutsche Mauerbildung nicht erfolgen. Der Stürmer wich auf die Außenpositionen aus und probierte es auf andere Weise – erfolglos.

Südafrika sollte Rooney die große Bühne bereiten

Rooneys Turnierbilanz gleicht einer Serie von Pannen und Enttäuschungen. Der einst jüngste englische Nationalspieler und jüngste Torschütze bei einer Europameisterschaft (2004) brach sich bei der Europameisterschaft in Portugal im Viertelfinale den Mittelfuß. Bei der WM vor vier Jahren in Deutschland wurde er – einigermaßen genesen von einem weiteren Fußbruch – nach einem schweren Foul vom Platz gestellt. Sein Team scheiterte im Viertelfinale an den Portugiesen. Für die vergangene EM hatte sich England gar nicht qualifizieren können – hier war Rooney also auch nicht dabei.

Diese WM in Südafrika sollte dem 24 Jahre alten gebürtigen Liverpooler, der seit einigen Jahren bei Manchester United im Verein an großen Erfolgen beteiligt ist, endlich die große Bühne bereiten. In Werbespots seines Ausrüsters war schon im Vorfeld der Veranstaltung auf der ganzen Welt wochenlang Stimmung für den Star mit dem Image des Working Class Hero gemacht worden.

Es bleibt dabei: Rooney ein Held der Traurigkeit

Doch der Held aus dem Arbeiterviertel kam wieder angeschlagen und ausgelaugt von einer langen Saison ins Turnier. In den 53 Spielen für Manchester United traf er 34 Mal. In den vergangenen Tagen war allerdings Hoffnung aufgekommen. Rooney selbst und die Mannschaftskollegen glaubten, dass er seine körperliche Fitness wiedererlangen könnte, die er für sein kraftvolles Spiel unbedingt benötigt. „Tore von Wayne liegen in der Luft“, hatte der englische Kapitän Steven Gerrard vor der Partie gegen Deutschland noch gesagt.

Doch wieder nur blieb Rooney mit seinen Leuten im Unglück verstrickt – nichts war zu sehen von seiner ungeheuren Explosivität und seinem unbändigen Tordrang. „England hat eine sehr starke Mannschaft mit guten Individualisten. Aber einige Spieler kamen mir nicht so frisch vor“, sagte Friedrich. Gerade für Rooney galt dies an diesem für ihn besonders enttäuschenden Abend. Am Ende blieb es nämlich wieder einmal dabei: England ist frühzeitig raus aus einem Turnier – und Rooney bleibt ein Held der Traurigkeit. Währenddessen haben sich die vielbeschäftigten deutschen Abwehrleute Erholung verdient: „Die nächsten Tage haben wir Zeit, den Kopf frei zu bekommen“, sagte Kapitän Philipp Lahm. Vielleicht lässt sich daraus noch mehr Sicherheit in der Defensive gewinnen.

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Jahrgang 1965, Sportredakteur.

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