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Vor dem Spiel in Madrid Dortmunder Gruppenbild

 ·  Vor dem Rückspiel in der Champions League bei Real Madrid schafft es der BVB geradezu spielend leicht, seine Reihen zu schließen - auch gegen Störfeuer von außen.

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© dpa Vergrößern Festhalten, bitte: Marco Reus und Mario Götze geben das passende Bild für den Zusammenhalt beim BVB ab

Bei der Pressekonferenz am Dienstag vergangener Woche, als Borussia Dortmund ausgerechnet vor dem Halbfinalhinspiel in der Champions League gegen Real Madrid den Transfer von Mario Götze bestätigen musste, wurde Jürgen Klopp unter anderem gefragt, wie denn seine Spieler die Nachricht aufgenommen hätten. Und bei der Antwort, so wurde eine Bitte hinterhergereicht, möge er doch von Floskeln wie „Das sind Profis“ absehen. Ziemlich vorhersehbar wurde dies der Moment, in dem sich aufgrund der Nachrichtenlage in der ohnehin aufgeladenen Atmosphäre so etwas wie Gewitterstimmung andeutete. Klopps Blick verriet aufkommenden Ärger, und in der Sache verbat sich der bekanntermaßen wortgewandte Dortmunder Trainer prompt jeden Ratschlag, wie er sich zu äußern habe. Ein paar Tage später aber wird immer deutlicher, dass die Antwort, die Klopp tunlichst vermeiden sollte, die einzige Antwort ist.

Relativ schnell scheinen sie in Dortmund weggesteckt zu haben, dass sich zur neuen Saison einiges verändern wird. Nach all den Nebenschauplätzen, die sich in den vergangenen Wochen in Dortmund aufgetürmt haben und die keine Wirkung erzielten, dürfte kein Bundesligaprofi in Zukunft mehr anführen dürfen, er sei von irgendwelchen Vorkommnissen irritiert, die ihn an einer besseren Leistung gehindert hätten. „Uns wirft nichts um“, sagt Mittelfeldstratege Nuri Sahin, „und genauso werden wir am Dienstag auch in Madrid auftreten.“

Äußerlich ziemlich unaufgeregt

Erwarten darf die Borussia im Halbfinal-Rückspiel der Champions League (20.45 Uhr, Sky) einen Sturmlauf hochmotivierter Real-Stars, die nach dem 1:4 im Hinspiel mit harscher Kritik in der Heimat empfangen wurden. Die gewaltige Eruption aber, die der Götze-Transfer in Dortmund auslöste, hat vermutlich auch deshalb keine sichtbaren Schäden hinterlassen, weil sich gleichzeitig die eher seltene Chance bietet, sich für das Finale zu qualifizieren. „Wir genießen jeden Tag, an dem wir zusammen sind“, sagt Klopp, und weil der Abschied nun quasi vor der Tür steht, scheint sich diese Stimmung noch einmal zu verstärken. Natürlich sind auch Profis nicht davor gefeit, Wehmut zu verspüren oder zumindest zu befürchten, dass sich die sportlichen Aussichten in der kommenden Saison zu verschlechtern drohen, was auch die Verdienstmöglichkeiten einschränkt. „Wir haben schon alle gedacht, dass Mario gerne hier spielt. Das hat uns als Mannschaft genau wie die Fans hart getroffen“, sagte etwa Mats Hummels. „Eine gewisse Enttäuschung“ sei „bei allen zu spüren gewesen“, ergänzte Kapitän Sebastian Kehl.

Das Stimmungstief aber dauerte offenbar nicht allzu lange. „Ich hab schon mehr schwierige Situationen in meinem Leben gehabt als die Jungs. Darum hab’ ich ihnen gern geholfen, die Sache richtig einzuordnen“, sagt Klopp, der seit dem Bekanntwerden des Transfers den Eindruck hinterlässt, als freue er sich auf die neue Aufgabe in der neuen Saison: „Es muss sich niemand sorgen. Andere Mütter haben auch schöne Söhne, die kicken können. Und einige sogar bei uns. Also entspannt euch.“

Äußerlich ziemlich unaufgeregt reagieren die Dortmunder auf alles, was sich um sie herum so tut - und es tut sich eine ganze Menge. Mal ist es der drohende Ausverkauf der halben Mannschaft, mal sind es Gerüchte über bevorstehende Zugänge - momentan scheint nichts so absurd, als dass es nicht irgendwo geäußert werden könnte. Geradezu bizarr ist das seit Monaten anhaltende Tauziehen um Robert Lewandowski, bei dem leicht der Eindruck entstehen konnte, der Pole wolle unter allen Umständen aus diesem schrecklichen Dortmund weg. Auf seine Leistung hatte das allerdings nicht den geringsten Einfluss.

Die Borussia muss sich personell breiter aufstellen

Profis, die unbedingt wechseln wollten, neigten in der Vergangenheit dazu, ihr aktuelles Engagement etwas einzuschränken. Lewandowski aber ist immer stärker geworden, und am Samstag in Düsseldorf jubelte er als Ersatzspieler am auffälligsten über das Führungstor von Sahin. Täuscht der Eindruck nicht komplett, dann tritt Dortmund als Einheit in Madrid an, die unbedingt das Finale erreichen will. Mit Respekt, wie Klopp betont, aber ohne Angst und stattdessen mit großer Vorfreude auf ein weiteres großes Spiel. „Es hätte schlimmere Ergebnisse geben können, und wir hätten trotzdem antreten müssen“, sagt der Trainer, der vermutlich auf seine Bestbesetzung zurückgreifen kann. Allein der Einsatz von Lukasz Piszczek ist wegen seiner Adduktorenbeschwerden fraglich - die zuletzt ebenfalls als Ausfälle gehandelten Götze und Ilkay Gündogan dürften dagegen ziemlich sicher spielen. Ein Ausfall des Polen, dem als Gegenspieler des angeblich ebenfalls angeschlagenen Cristiano Ronaldo wieder eine besondere Aufgabe zukäme, würde die Probleme der Borussia aufzeigen. So einfach wäre der Ausfall des Rechtsverteidigers nicht aufzufangen.

Personell will und muss sich die Borussia in der kommenden Saison breiter aufstellen. Dass dies gelingt und der Ausverkauf nicht weitergeht, ist für Kehl keine Frage: „Wir haben so einen geilen Klub hier, der sportlich mittlerweile auch sehr attraktiv ist. Es gibt nicht viele Gründe, den BVB zu verlassen. Und es werden sich sicher auch viele darum bewerben, für uns zu spielen.“

Vorher bleibt das letzte Ziel - das Finale in London am 25. Mai. Auf dem Weg dorthin muss die Mannschaft beweisen, dass sie das Motto des Trainers verinnerlicht hat. „Ich rede immer nur von einer Saison. Was weiß ich, wo die Spieler im nächsten Jahr sind. Aber in dieser Saison sollen wir die beste Gruppe sein, die man überhaupt sein kann“, hat Klopp der F.A.Z mal gesagt. Denkbar, dass er das trotz aller Nebengeräusche geschafft hat.

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