http://www.faz.net/-gtl-78s5n
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 30.04.2013, 08:23 Uhr

Vor dem Spiel in Madrid Dortmunder Gruppenbild

Vor dem Rückspiel in der Champions League bei Real Madrid schafft es der BVB geradezu spielend leicht, seine Reihen zu schließen - auch gegen Störfeuer von außen.

von , Düsseldorf
© dpa Festhalten, bitte: Marco Reus und Mario Götze geben das passende Bild für den Zusammenhalt beim BVB ab

Bei der Pressekonferenz am Dienstag vergangener Woche, als Borussia Dortmund ausgerechnet vor dem Halbfinalhinspiel in der Champions League gegen Real Madrid den Transfer von Mario Götze bestätigen musste, wurde Jürgen Klopp unter anderem gefragt, wie denn seine Spieler die Nachricht aufgenommen hätten. Und bei der Antwort, so wurde eine Bitte hinterhergereicht, möge er doch von Floskeln wie „Das sind Profis“ absehen. Ziemlich vorhersehbar wurde dies der Moment, in dem sich aufgrund der Nachrichtenlage in der ohnehin aufgeladenen Atmosphäre so etwas wie Gewitterstimmung andeutete. Klopps Blick verriet aufkommenden Ärger, und in der Sache verbat sich der bekanntermaßen wortgewandte Dortmunder Trainer prompt jeden Ratschlag, wie er sich zu äußern habe. Ein paar Tage später aber wird immer deutlicher, dass die Antwort, die Klopp tunlichst vermeiden sollte, die einzige Antwort ist.

Borussia Dortmund's coach Klopp gestures during a news conference on the eve of their Champions League semi-final second leg soccer match against Real Madrid in Madrid © REUTERS Vergrößern Ganz cool: „Andere Mütter haben auch schöne Söhne, die kicken können“, ist sich Jürgen Klopp sicher

Peter Penders Folgen:

Relativ schnell scheinen sie in Dortmund weggesteckt zu haben, dass sich zur neuen Saison einiges verändern wird. Nach all den Nebenschauplätzen, die sich in den vergangenen Wochen in Dortmund aufgetürmt haben und die keine Wirkung erzielten, dürfte kein Bundesligaprofi in Zukunft mehr anführen dürfen, er sei von irgendwelchen Vorkommnissen irritiert, die ihn an einer besseren Leistung gehindert hätten. „Uns wirft nichts um“, sagt Mittelfeldstratege Nuri Sahin, „und genauso werden wir am Dienstag auch in Madrid auftreten.“

Äußerlich ziemlich unaufgeregt

Erwarten darf die Borussia im Halbfinal-Rückspiel der Champions League (20.45 Uhr, Sky) einen Sturmlauf hochmotivierter Real-Stars, die nach dem 1:4 im Hinspiel mit harscher Kritik in der Heimat empfangen wurden. Die gewaltige Eruption aber, die der Götze-Transfer in Dortmund auslöste, hat vermutlich auch deshalb keine sichtbaren Schäden hinterlassen, weil sich gleichzeitig die eher seltene Chance bietet, sich für das Finale zu qualifizieren. „Wir genießen jeden Tag, an dem wir zusammen sind“, sagt Klopp, und weil der Abschied nun quasi vor der Tür steht, scheint sich diese Stimmung noch einmal zu verstärken. Natürlich sind auch Profis nicht davor gefeit, Wehmut zu verspüren oder zumindest zu befürchten, dass sich die sportlichen Aussichten in der kommenden Saison zu verschlechtern drohen, was auch die Verdienstmöglichkeiten einschränkt. „Wir haben schon alle gedacht, dass Mario gerne hier spielt. Das hat uns als Mannschaft genau wie die Fans hart getroffen“, sagte etwa Mats Hummels. „Eine gewisse Enttäuschung“ sei „bei allen zu spüren gewesen“, ergänzte Kapitän Sebastian Kehl.

- © AFP Vergrößern Und in Madrid gerne noch einmal vier: Selbst das bizzare Tauziehen um die Dienste des polnischen Stürmers halten Lewandowski nicht von Höchstleistungen ab

Das Stimmungstief aber dauerte offenbar nicht allzu lange. „Ich hab schon mehr schwierige Situationen in meinem Leben gehabt als die Jungs. Darum hab’ ich ihnen gern geholfen, die Sache richtig einzuordnen“, sagt Klopp, der seit dem Bekanntwerden des Transfers den Eindruck hinterlässt, als freue er sich auf die neue Aufgabe in der neuen Saison: „Es muss sich niemand sorgen. Andere Mütter haben auch schöne Söhne, die kicken können. Und einige sogar bei uns. Also entspannt euch.“

Mehr zum Thema

Äußerlich ziemlich unaufgeregt reagieren die Dortmunder auf alles, was sich um sie herum so tut - und es tut sich eine ganze Menge. Mal ist es der drohende Ausverkauf der halben Mannschaft, mal sind es Gerüchte über bevorstehende Zugänge - momentan scheint nichts so absurd, als dass es nicht irgendwo geäußert werden könnte. Geradezu bizarr ist das seit Monaten anhaltende Tauziehen um Robert Lewandowski, bei dem leicht der Eindruck entstehen konnte, der Pole wolle unter allen Umständen aus diesem schrecklichen Dortmund weg. Auf seine Leistung hatte das allerdings nicht den geringsten Einfluss.

Die Borussia muss sich personell breiter aufstellen

Profis, die unbedingt wechseln wollten, neigten in der Vergangenheit dazu, ihr aktuelles Engagement etwas einzuschränken. Lewandowski aber ist immer stärker geworden, und am Samstag in Düsseldorf jubelte er als Ersatzspieler am auffälligsten über das Führungstor von Sahin. Täuscht der Eindruck nicht komplett, dann tritt Dortmund als Einheit in Madrid an, die unbedingt das Finale erreichen will. Mit Respekt, wie Klopp betont, aber ohne Angst und stattdessen mit großer Vorfreude auf ein weiteres großes Spiel. „Es hätte schlimmere Ergebnisse geben können, und wir hätten trotzdem antreten müssen“, sagt der Trainer, der vermutlich auf seine Bestbesetzung zurückgreifen kann. Allein der Einsatz von Lukasz Piszczek ist wegen seiner Adduktorenbeschwerden fraglich - die zuletzt ebenfalls als Ausfälle gehandelten Götze und Ilkay Gündogan dürften dagegen ziemlich sicher spielen. Ein Ausfall des Polen, dem als Gegenspieler des angeblich ebenfalls angeschlagenen Cristiano Ronaldo wieder eine besondere Aufgabe zukäme, würde die Probleme der Borussia aufzeigen. So einfach wäre der Ausfall des Rechtsverteidigers nicht aufzufangen.

24192336 © AP Vergrößern Sein Einsatz im Rückspiel soll gefährdet sein: Cristiano Ronaldo

Personell will und muss sich die Borussia in der kommenden Saison breiter aufstellen. Dass dies gelingt und der Ausverkauf nicht weitergeht, ist für Kehl keine Frage: „Wir haben so einen geilen Klub hier, der sportlich mittlerweile auch sehr attraktiv ist. Es gibt nicht viele Gründe, den BVB zu verlassen. Und es werden sich sicher auch viele darum bewerben, für uns zu spielen.“

Vorher bleibt das letzte Ziel - das Finale in London am 25. Mai. Auf dem Weg dorthin muss die Mannschaft beweisen, dass sie das Motto des Trainers verinnerlicht hat. „Ich rede immer nur von einer Saison. Was weiß ich, wo die Spieler im nächsten Jahr sind. Aber in dieser Saison sollen wir die beste Gruppe sein, die man überhaupt sein kann“, hat Klopp der F.A.Z mal gesagt. Denkbar, dass er das trotz aller Nebengeräusche geschafft hat.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fußball-Transferticker Watzke hat genug

BVB-Geschäftsführer will keine Spieler mehr kaufen +++ Wolfsburg will Kostic nicht mehr +++ Zahlt Juve fast 100 Millionen für einen Argentinier? +++ Moyes übernimmt Sunderland +++ Alle Infos im Transferticker bei FAZ.NET. Mehr

24.07.2016, 15:13 Uhr | Sport
LKA-Chef zu Amoklauf Waffe stammt wahrscheinlich aus Darknet

Der bayrische LKA-Chef Robert Heimberger hat neue Informationen zum Amoklauf in München bekannt gemacht. So soll der Täter die Tat seit einem Jahr geplant haben und soll zu diesem Zweck bereits im vergangenen Sommer Winnenden besucht haben. Die Opfer in München habe er sich nicht gezielt ausgesucht. Mehr

24.07.2016, 20:40 Uhr | Politik
Wechsel zum Ex-Arbeitgeber Zurück in die Zukunft

Der Fußballprofi Mario Götze kehrt zurück zu seinem früheren Arbeitgeber. Solche Wechsel gibt es auch anderswo in der Berufswelt. Aber ist das eigentlich gut für die Karriere? Mehr Von Sven Astheimer und Nadine Bös

23.07.2016, 06:16 Uhr | Beruf-Chance
Nachbarn des Schützen Todesschütze von München war ein guter Mensch

Neun Menschen hat der 18-jährige Amokläufer in München erschossen, bevor er sich selbst tötete. Den Ermittlern zufolge hat sich der Todesschütze, der offenbar wegen psychischer Probleme in Behandlung war, intensiv mit dem Thema Amoklauf beschäftigt. Seine genauen Motive sind bislang noch unklar. Nachbarn erinnern sich an einen unauffälligen und hilfsbereiten Jungen. Mehr

24.07.2016, 21:21 Uhr | Gesellschaft
Nach Sieg gegen Amerika Australien ist Weltmeister im Quidditch

Der Quidditch-WM-Titel 2016 geht an Australien. Im Finale gewann man gegen Amerika. Für Gastgeber Deutschland lief es dagegen wie verhext. Mehr

24.07.2016, 20:37 Uhr | Gesellschaft

Geliebter Jockey, gelebter Wahn

Von Evi Simeoni

Wer verdient den Hut, wer das Florett? In dieser Woche erinnern wir an ein dramatisches Pferderennen – an dem auch Russen beteiligt waren. Dazu stellen wir fest: Putin glaubt nicht an das Talent der eigenen Leute. Mehr 3