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Vor dem Spiel gegen Irland Fußball geht vor Geld: Damien Duff

01.09.2006 ·  Als der FC Chelsea für die neue Saison mit Schewtschenko, Kalou und Ballack kräftig aufrüstete, hörte Damien Duff „auf sein Herz“ und wechselte nach Newcastle, denn er „will spielen“. Mit dem irischen Nationalteam tritt er am Samstag in Stuttgart an.

Von Christian Eichler, Brüssel
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Am Donnerstag war letzter Tag der Transferperiode. Die letzten Deals liefen über die Ticker, als wär's nicht Fußball, sondern die Börse. Den letzten und spektakulärsten von knapp zwei Dutzend Last-Minute-Transfers der Premier League erreichten kurz vor Mitternacht Chelsea und Arsenal. Sie tauschten die Weltklasseverteidiger Ashley Cole und William Gallas, wobei Arsenal neben Gallas fünf Millionen Pfund (rund 7,5 Millionen Euro) bekam.

Schnäppchen wurden kaum noch gemacht am letzten Tag, dafür hatten alle zu lange gepokert. Das Schnäppchen der Saison gab es schon im Juli. Es führte zu dem ungewöhnlichen Ergebnis, daß der Käufer dem Verkäufer für dessen Großzügigkeit dankte. Freddy Shepherd, Chef von Newcastle United, sagte: „Wir schulden Chelsea einen Gefallen.“ Dafür, daß man ihnen Damien Duff überlassen hat, für rund 7,5 Millionen Euro. Das sind 19 Millionen weniger, als Chelsea vor drei Jahren selber für den Iren bezahlt hatte.

Duff hat einiges nachzuholen

Solche Abschreibungsverluste für Spieler, die sich nicht ganz nach Plan entwickelt haben, schmerzen den englischen Meister nicht; sie werden durch die Rohstoff-Rubel des Roman Abramowitsch gedeckt. Aber vielleicht tun sie nun der deutschen Nationalelf weh (Samstag, 20.45 Uhr in der ARD sowie im FAZ.NET-Liveticker). Denn nun hat Duff, einer der dribbelstärksten Flügelspieler Europas, den Auslauf, den er im überbesetzten Starensemble von Chelsea kaum noch bekam. Nun spielt er wieder, Woche für Woche, „und dann“, sagt er, „bin ich immer am besten.“

Er hat einiges nachzuholen bei allen, die ihn aus den Augen verloren haben seit der Weltmeisterschaft 2002, als er und Sturmpartner Robbie Keane beim 1:1 in der Vorrunde die deutsche Abwehr forderten wie kein anderer Gegner bis ins Finale. Duff und Keane sollen diesen Samstag der irischen Elf jenen Biß zurückgeben, der beim 0:4 gegen die Niederländer in Dublin vor zweieinhalb Wochen fehlte. Außer ihnen kehren Torhüter Shay Given und Verteidiger Richard Dunne zurück.

Das irische Team muß Kontur bekommen

Beflügelnd soll auch der Ort wirken, an dem die Europameisterschafts-Qualifikation beginnt: Stuttgart, Schauplatz des emotional wohl größten Erfolges des irischen Fußballs, des Sieges gegen die alte Kolonialmacht England in der EM-Vorrunde 1988. Damals wurden die Iren unter dem englischen Trainer Jack Charlton zum kleinen Riesen des europäischen Fußballs. Seit Charltons Rücktritt 1995 haben sie sich nur noch einmal für eine Welt- oder Europameisterschaft qualifiziert: eben 2002, nachdem man die Holländer in Dublin in einem legendären Spiel aus der WM-Qualifikation warf und der junge Duff den Hünen Jaap Stam schwindelig spielte.

Steve Staunton, im Frühjahr mit 37 Jahren vom Rekordnationalspieler zum Nationaltrainer befördert, hat in bisher drei Partien 27 Spieler eingesetzt. Gegen Deutschland muß das Team endlich Kontur bekommen, das weiß Staunton, der vor dem Spiel gegen Holland auf einem Parkplatz in Dublin von einem geistig Verwirrten mit einer Gewehrattrappe bedroht wurde. Er hofft vor allem auf die beiden Rückkehrer im Sturm, derzeit die einzigen Iren von europäischer Klasse: „Sie sind hungrig und heiß auf Deutschland.“ Duff, „der wie ein aufgedrehter Duracell-Hase dribbelstark von beiden Flügeln Dampf macht“ (Kicker), ist mit Beginn dieser Saison wieder aufgeblüht.

„Er ist heiß, jede Woche zu spielen“

In London war er durch die Weltklassekonkurrenz wie Arjen Robben und Joe Cole, aber auch durch Verletzungen im Abseits gelandet, bis auch seine Form im irischen Team litt. Seit der Russe das Ruder bei Chelsea übernahm, kam „in der Saisonvorbereitung beinahe jeden Tag ein neuer Kollege zum Training“, erinnert sich Duff, „und man fragte sich, wo soll denn der jetzt noch spielen?“ Als diesen Sommer noch mal über 100 Millionen Euro flossen, um Spieler wie Schewtschenko, Kalou, Mikel, dazu Ballack zu holen, sah Duff die Zeit gekommen, zu gehen, statt seinen hochdotierten Vertrag auszusitzen.

„Ich will spielen“, sagt der 27 Jahre alte Dubliner. „Deshalb hörte ich darauf, was mein Herz mir sagte.“ Sein neuer Trainer Glenn Roeder glaubt, Duff führe einen neuen Trend an: Fußball vor Geld. „Es ist sehr erfrischend, einen Topspieler zu haben, der heiß ist, jede Woche zu spielen, und nicht nur sein Geld abholen will.“

Ein sehr irischer Ire

Duff ist am Ball spektakulär, aber sonst ohne Starappeal. Er macht Urlaub in Irland, trinkt irisches Bier (aber nur in Irland), hört U2, eine irische Band. Er gilt als schüchtern, schweigsam, ja schläfrig. Was mit seinem zweiten großen Talent zu tun hat: immer und überall schlafen zu können.

Sein Spitzname lautet „Duffer“, was „Dummkopf“ bedeutet und inhaltlich nicht zutrifft. Denn Duff meidet das Nachtleben und den neureichen Glamour vieler Kollegen ebenso wie überflüssige Interviews. „Ich will keiner sein, dessen Gesicht in allen Zeitungen ist und der die meiste Zeit nur Unsinn redet.“ Eine Einstellung, die in seinem Metier von erheblicher Klugheit zeugt.

Deutschland - Irland
Deutschland:
Lehmann - Lahm, Arne Friedrich, Manuel Friedrich, Jansen - Schneider, Frings, Ballack, Schweinsteiger - Klose, Podolski
Irland: Given - Carr, Dunne, Andy O'Brien, Kilbane - Finnan, Reid, O'Shea, Duff - Keane, Doyle
Schiedsrichter: Luis Medina Cantalejo (Spanien)

Quelle: F.A.Z. vom 2. September 2006
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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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