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Vor dem Derby Eintracht und OFC: Im Gleichschritt abwärts

19.02.2007 ·  Als Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach im Januar bei der Pokalauslosung zueinanderfanden, standen beide Fußballvereine glänzend da. Und jetzt: Tristesse hier wie dort. Die Eintracht und die Kickers taumeln dem Derby entgegen.

Von Josef Schmitt/Jörg Daniels
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Als Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach Anfang Januar bei der Pokalauslosung zueinanderfanden - als Gegner im Viertelfinale am 27. Februar -, da standen beide Fußballvereine glänzend da, von Abstiegskampf jedenfalls keine Spur. Ganz im Gegenteil: Die Mannschaften befanden sich im Trainingslager und bereiteten sich unter südlicher Sonne auf die Rückrunde vor, für die es an hohen Zielen nicht mangelte. Anders schaut es nun, wenige Tage vor dem Derby, aus: Die Rivalen schwächeln unübersehbar, können scheinbar nicht mehr gewinnen und suchen nach Ursachen und nach Auswegen aus der Misere. Eine Analyse der Ausgangslage bei der Eintracht und dem OFC:

Die Trainer

Eintracht: Friedhelm Funkel weiß, dass Aktionismus in schwierigen sportlichen Situationen nichts nutzt, sondern meist nur schaden kann. Deshalb hat er keine Krisensitzung angesetzt nach dem 0:4 gegen Stuttgart - „weil wir keine Krise haben“. Nur vor dem Training hielt er eine kurze Ansprache und legte den Spielern ihre Fehler dar. Der aktuell dienstälteste Coach der Bundesliga versucht mit demonstrativer Gelassenheit die Lage in den Griff zu bekommen. Dabei kann er sich auf die Rückendeckung von Heribert Bruchhagen verlassen. „Wir haben volles Vertrauen in die handelnden Personen“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Funkels Job ist auf absehbare Zeit also nicht gefährdet, sein Vertrag verlängert sich allerdings nur dann automatisch, wenn die Eintracht den Klassenverbleib schafft.

OFC: Wolfgang Frank steht immer unter Dampf. Er gibt viel und verlangt viel. Aber nach drei Niederlagen hintereinander herrscht beim ehrgeizigen Fußball-Lehrer Explosionsgefahr. Denn irgendwann wird er unglaubwürdig. Mit großen Worten kündigt Frank jedes Mal gute Spiele seiner Mannschaft an - und bekommt dann von ihr schlechte zu sehen. Jetzt ist für den in Offenbach krisenerprobten Trainer das Maß voll. Bei nächster Gelegenheit will er vor drastischen Maßnahmen nicht haltmachen. Wer aus der Reihe tanzt, steht außen vor. Vom Präsidium erhält Frank dabei alle Unterstützung. Wegen des Klassenverbleibs in der Vorsaison besitzt er großen Kredit und ist trotz des momentanen Rückschlags der Mann der Zukunft auf dem Bieberer Berg. Gerade wurde sein Vertrag um zwei Jahre verlängert.

Die Probleme

Eintracht: Die Sorgen verschärften sich durch Verletzungen und Ausfälle wichtiger Spieler wie Torwart Markus Pröll und Kapitän Jermaine Jones sowie der gesperrte Christoph Spycher. Pröll wird frühestens, Spycher definitiv zum Derby zurückkehren; Jones fehlt dagegen wegen seiner Knieverletzung noch Wochen. Innerhalb des Teams herrscht momentan keine Eintracht. Ioannis Amanatidis oder Chris Hening gehen in ihrem Selbstverständnis davon aus, Stammspieler zu sein. Doch dazu reichte die Leistung zuletzt nicht. Lässt Funkel Profis dieses Kalibers auf längere Sicht auf der Bank, riskiert er noch mehr Unruhe.

OFC: Mit Marco Reich machte sich ein neuer Spieler mit unbedachten Äußerungen nach der Niederlage in Unterhaching unbeliebt. Jetzt ist bei den Kickers der Betriebsfrieden empfindlich gestört. Daran sollen auch Mittelfeldspieler Markus Kreuz sowie Abwehrspieler Ramazan Yildirim ihren Anteil haben. Beide sind unzufrieden mit ihrem Reservistendasein. Egoismus scheint sich breitgemacht zu haben. In Unterredungen mit den Spielern musste Trainer Frank neuerdings immer wieder erkennen, „dass mehr von ich und nicht von wir gesprochen wird“. Dabei profitierte der OFC lange davon, eine Einheit zu sein - auf und neben dem Platz.

Die Optionen

Eintracht: Die vielen Spieler mit ähnlichen Qualitäten ermöglichen dem Trainer viele Einsatzmöglichkeiten. Theoretisch. Doch mit Rotation alleine ist es nicht mehr getan, das Finden einer Stammformation ist dringend geboten. Dabei will Funkel vor harten Einschnitten nicht haltmachen. Als Beispiel dient das Abwehrzentrum: Kyrgiakos und Vasoski sind womöglich die wichtigsten Einzelspieler, aber ihre Defensivaufgabe erfüllen sie nur unzureichend. Mit Marko Rehmer, Marco Russ und Chris bieten sich weitere Innenverteidiger an. Möglich wäre auch die Abkehr von drei Spitzen hin zu einem Angriff mit zwei vorderen Stürmern und dahinter einem kompakten Vierer-Mittelfeld.

OFC: Die Möglichkeit, etwas zu verändern, hat Frank natürlich - allerdings nur auf dem Papier. Die Spieler aus der zweiten Reihe drängen zwar verbal in den Vordergrund. Auf dem Platz lassen sie dann jedoch keine Taten folgen. Wie die Mittelfeldspieler Markus Kreuz und Oualid Mokhtari sowie Verteidiger Daniel Schumann (sah beim Treffer zum 0:1 in Unterhaching schlecht aus). Die Abwehrspieler Lars Weißenfeldt und Ramazan Yildirim gehörten zuletzt nicht zum Kader. Ihre Verträge laufen aus, sie müssen den Klub im Sommer wohl verlassen. Erste Wahl bei der Neubesetzung in der Defensive dürfte deshalb Neuzugang Alen Basic sein. Seine Trainingsleistungen sind gut, nach langer Verletzungspause fehlt ihm jedoch die Spielpraxis. Anders im Angriff: Wenn Sturmführer Suat Türker beim Gegner in guten Händen ist, findet der Offenbacher Angriff nicht statt. Für neuen Schwung muss der neue Angreifer Anestis Agritis sorgen - wenn der Grieche seine Adduktorenprobleme überwunden hat.

Das Derby

Eintracht: Das Derby interessiere ihn einen „Dreck“, wurde Friedhelm Funkel in einer Boulevard-Zeitung zitiert. Er bestritt diese Äußerung am Montag energisch: „Ich weiß doch, wie wichtig dieses Spiel für alle in der Region ist“, sagte er, „ich habe nur gesagt, dass meine gesamte Aufmerksamkeit jetzt erst mal nur dem Auftritt am Samstag beim Hamburger SV gilt und das Spiel in Offenbach erst danach kommt.“ Vor allem die eigenen Fans will Funkel mit Blick auf das Duell in Offenbach wieder für die Mannschaft begeistern. „Sie haben uns vor zwei Jahren nach vier Niederlagen in Folge in der zweiten Liga unterstützt und beim Aufstieg geholfen“, sagte er, „das müssen sie jetzt wieder tun, in Hamburg, in Offenbach und gegen Hannover. Die Mannschaft braucht jetzt den Zuspruch.“

OFC: Als hätte es Markus Happe geahnt: Noch bevor die lukrative Paarung mit den großen Emotionen ausgelost war, fürchtete der Kapitän mit Blick voraus um die Konzentration im Alltagsgeschäft. Denn dann werde nur noch über dieses eine Spiel gesprochen, sagte er damals. Jetzt rückt das Prestigeduell immer näher, und die Leistungskurve der Offenbacher sinkt von Spieltag zu Spieltag. Um von den Pflichtaufgaben in der zweiten Liga nicht abzulenken, wies Frank zuletzt nur im Nebensatz darauf hin, wie wichtig es sei, mit Schwung und Selbstvertrauen in die Pokal-Partie gegen die Eintracht zu gehen. Die letzte OFC-Chance zur positiven Einstimmung auf das Derby bietet an diesem Freitag das Heimspiel gegen den TuS Koblenz. Egal, wie das Spiel ausgeht, ein Erfolg über die Eintracht würde sicher neue Begeisterung wecken. Und vielleicht hätten die Kickers dann ja wieder den Kopf frei für das Alltagsgeschäft in der zweiten Liga.

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