13.05.2006 · Wie geht es weiter in Wolfsburg? Was macht der allmächtigen Sponsor Volkswagen, wenn der VfL absteigt? Die Aussichten sind alles andere als rosig, weil es erhebliche finanzielle Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen gäbe.
Von Achim Lierchert, WolfsburgWenn er abends an der überwiegend grün illuminierten Volkswagen Arena, der schicken Heimstätte des VfL Wolfsburg, vorbeifahre, dann, so sagte Klaus Augenthaler unlängst, erwische er sich mitunter dabei, wie er von internationalem Fußball in diesem Stadion träume. Die Realität stellt sich jedoch ganz anders dar. In der abschließenden Begegnung mit dem 1. FC Kaiserslautern kämpft der Trainer mit seiner Elf um die Existenz, um den Verbleib in der Bundesliga.
Die Voraussetzungen scheinen recht gut zu sein. Bis auf den - allerdings schwerwiegenden - Ausfall von Kapitän Kevin Hofland (Leistenoperation) hat Augenthaler keine personellen Probleme. Und auch die Ausgangslage vor der entscheidenden Partie erscheint komfortabel. Man spielt zu Hause, benötigt angesichts des Ein-Punkte-Vorsprungs lediglich ein Unentschieden, um den Sturz in die zweite Liga zu vermeiden.
Selbst die besten Spieler enttäuschten
Wenn Augenthaler dennoch mulmig zumute ist, dann ist das nicht nur mit der ganz natürlichen Nervenanspannung in einer solchen Situation zu begründen. Es liegt wohl auch daran, daß den Trainer im Laufe seiner viereinhalbmonatigen Amtszeit in Wolfsburg selbst seine besten Spieler meistens enttäuschten, daß man daheim zuletzt in fünf Spielen nicht mehr gewinnen konnte und überhaupt der Formtrend gegen sein Team und für den sich noch einmal aufbäumenden Gast aus der Pfalz spricht.
Zuversicht wird dennoch zur Schau getragen. "Formtrend? Schon vor Wochen hatte Kaiserslautern diesen Rückstand auf uns. Sie haben ihn nie aufgeholt. Wo bitte ist da ein Trend?" fragt Manager Klaus Fuchs. "Wir haben mehr Spieler, die schon lange auf Bundesliganiveau spielen", führt Kapitän Hofland ein wichtiges Argument an, das für die Wolfsburger spreche. Nur, gerade die Routiniers bereiteten Augenthaler jüngst Sorgen. "Keiner geht voran, keiner führt die jungen Spieler. Dabei haben wir Akteure mit vielen, vielen Länderspielen bei uns", klagte der Weltmeister von 1990 erst vorige Woche nach der 1:2-Niederlage in Stuttgart wieder. Mit der schlechtesten Ausbeute seit dem Bundesliga-Aufstieg 1997 stehen die Niedersachsen nunmehr am Rande des Abgrunds, und daran konnte auch der als vermeintlicher "Retter" im Winter engagierte Augenthaler wenig ändern. Im Gegenteil, mit erst 15 Punkten blieb er bisher sogar noch unter der Marke seines glücklosen Vorgängers Holger Fach, der in der Vorrunde 18 Punkte gesammelt hatte.
Gehälter kürzen, Transferüberschuß erzielen
Während die Hoffnung auf ein Happy End am letzten Spieltag in diesen Tagen bei Trainer, Spielern und Funktionären bei jeder Gelegenheit dokumentiert wird, interessiert Betrachter rund um den VfL Wolfsburg mindestens genauso das "Was wäre, wenn . . .?" - die Frage also, wie es weitergeht mit jenem Klub, der als GmbH firmiert und sich als solche zu 90 Prozent in Besitz seines allmächtigen Sponsors Volkswagen befindet. Die Aussichten im Abstiegsfall sind alles andere als rosig, weil es erhebliche finanzielle Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen gäbe.
Mit einem Gesamtetat von 53 Millionen Euro plant man in Wolfsburg die neue Saison - in der ersten Liga. Für die zweite Liga stünde weniger als die Hälfte dieser Summe zur Verfügung. 26 Millionen Euro aber kostete in dieser Saison allein schon das Gehalt für das kickende Personal, und im Kader laufen bis auf drei Ausnahmen keine Verträge aus; alle Vereinbarungen besitzen auch für die zweite Liga Gültigkeit. Um kostendeckend arbeiten, ja um überhaupt den Betrieb aufrechterhalten zu können, müßten Gehälter gekürzt und ein deutlicher Transferüberschuß erzielt werden. Spieler wie Klimowicz, Hanke, D'Alessandro, Hofland oder Jentzsch wären womöglich unter Wert abzugeben. Zweites Problem: Geldgeber Volkswagen würde einen Teil der Verkaufserlöse einfordern, weil er den Fußball in den vergangenen Jahren deutlich über die vereinbarte Summe von gut 20 Millionen Euro pro Jahr unterstützt hat - was konzernintern kaum weiter zu rechtfertigen ist.
Drittens aber müßte zugleich vom VfL das klare Signal an den Sponsor geschickt werden, daß eine sofortige Rückkehr in die Bundesliga mit einem neuformierten, weniger teuren Kader im kommenden Jahr machbar sei. Denn nur dann würde Volkswagen, dessen Finanzspritzen landläufig als Allheilmittel im Wolfsburger Fußball gelten, überhaupt noch einmal in größerem Maße zahlen. Und nur mit diesem Geld blieben in der schmucken Arena auch in der nächsten Spielzeit die Lichter an, könnte vielleicht auch Augenthaler seinen Traum weiterträumen.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |