http://www.faz.net/-gtl-757rc
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 20.12.2012, 17:09 Uhr

VfL Wolfsburg Köstner macht Platz - für Schuster

Noch fehlt die Unterschrift unter den Drei-Jahres-Vertrag. Doch dass der ehemalige deutsche Nationalspieler, ein Freund des spanischen VW-Managers Sanz, neuer Trainer des VfL Wolfsburg wird, scheint festzustehen.

von Christian Otto, Wolfsburg
© dpa Blick Richtung Wolfsburg: Schuster wird wohl Trainer beim VfL

Seine Belohnung für einen wertvollen Sieg ließ nicht lange auf sich warten. „Ich habe das gerne gemacht und bin auch immer noch gerne in Wolfsburg“, sagte Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner, als seine Abberufung nach gut zwei Monaten schon feststand. Kurz nach dem glücklichen 2:1-Heimsieg gegen Bayer Leverkusen, mit dem unter Köstners Regie am Mittwochabend der Einzug in das Viertelfinale des DFB-Pokals gelang, hatten die Verantwortlichen des VfL Wolfsburg noch geschwiegen. Aber die Entscheidung war hinter den Kulissen längst gefallen. Am Donnerstagvormittag wurde der Sechzigjährige verabschiedet und in den Status des Wolfsburger Amateurtrainers zurückversetzt.

Köstner soll Platz für einen prominenteren Mann machen, für Bernd Schuster. VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs arbeitet mit Hochdruck daran, den früheren Nationalspieler als Cheftrainer zu den Niedersachsen zu holen. „Es ist richtig, dass Bernd Schuster ein Kandidat ist, aber es müssen alle Rahmenbedingungen stimmen“, sagte Allofs am Donnerstag: „Es gibt verschiedene Dinge zu klären.“ Die Unterschrift unter dem Vertrag, der bis 2015 gelten soll, fehle noch.

Mehr zum Thema

Im Hinhalten, Zögern, Schweigen und Taktieren hat Allofs in den vergangenen Wochen erstaunliche Qualitäten bewiesen. Wie schon rund um seinen eigenen Wechsel von Werder Bremen zum VfL Wolfsburg galt - der neue starke Mann des vom Volkswagen-Konzern bezahlten Klubs gab sich große Mühe, die Dinge zu verschleiern. Allofs ließ mehrere übereinstimmende Medienberichte zunächst unkommentiert, denen zu Folge Schuster in Wolfsburg einen Dreijahresvertrag erhalten soll und damit seine Premiere als Trainer in der Fußball-Bundesliga geben könnte. Die intensiven Verhandlungen mit dem ehemaligen Nationalspieler sind vom Verein aber immerhin bestätigt worden. Weil Köstner sich von der Profimannschaft schon verabschiedet hat, ist davon auszugehen, dass sein Nachfolger noch in dieser Woche vorgestellt wird. „Es ist gut, wenn wir wissen, was kommt. Ich will es auch wirklich wissen“, sagte VfL-Torjäger Bas Dost, dessen Tor in letzter Minute gegen Leverkusen die Wolfsburger ins Viertelfinale gegen den Drittligaklub Kickers Offenbach gebracht hatte.

Bei dem Bemühen des VfL Wolfsburg, für mehr Ruhe, Kontinuität und Erfolg zu sorgen, geht es erstaunlich hektisch zu. „Ich hätte gerne weitergemacht“, sagt Köstner, der bis zuletzt daran geglaubt hatte, die Profimannschaft auch in der Rückrunde noch trainieren zu dürfen. Aber die sportliche Not beim Tabellenfünfzehnten der Bundesliga und die Frustration der Fans sorgen offenbar dafür, dass die Entscheider akuten Handlungsbedarf sehen. Nur noch 10730 Zuschauer hatten in Wolfsburg das Pokalduell mit den schwächelnden Leverkusenern sehen wollen. Das große Interesse des VfL an Schuster wird vor allem dem mit ihm befreundeten VW-Manager Francisco Javier Garcia Sanz zugeschrieben. Er hatte Ende Oktober auch Felix Magath mitgeteilt, dass man sich von ihm trenne und danach den Kontakt zu Allofs gesucht.

Welche Qualität hat Trainer Schuster?

Es lässt sich bisher nur erahnen, dank welcher Qualitäten der zuletzt arbeitslose Schuster das Anforderungsprofil des VfL Wolfsburg erfüllen sollte. Der 52-jährige Fußballlehrer verfügt über viel Erfahrung im spanischen Fußball, hat dort vier verschiedene Klubs trainiert und Real Madrid 2008 sogar zum Titel geführt. Seinem jüngsten Engagement bei Besiktas Istanbul, das im März 2011 wegen Mangels an Erfolg endete, ließ Schuster Auftritte als Experte im Auftrag deutscher Fernsehsender folgen.

Seit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft vor dreieinhalb Jahren hat der VfL sechs verschiedene Trainer beschäftigt und ist trotz millionenschwerer Investitionen in seine Mannschaft nicht von der Stelle gekommen. Wenn die Mannschaft am 3.Januar für ein Wintertrainingslager nach Belek in der Türkei fliegt, soll zum wiederholten Male ein Neuaufbau eingeleitet werden. In den Trainingsplänen, die die Spieler auf ihrem Weg in den Weihnachtsurlaub ausgehändigt bekamen, war der Name von Schuster zur Vorsicht noch nicht vermerkt.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
SV Darmstadt 98 Kapitän und Kämpfer Lilien-Herz Aytac Sulu

Der SV Darmstadt 98 befindet sich mitten im Umbruch, der Kader ist noch unvollständig. In dieser Zeit ist Aytac Sulu als Kapitän besonders gefordert. Mehr Von Alex Westhoff, Haus im Ennstal

29.07.2016, 06:02 Uhr | Rhein-Main
Fahrbericht Toyota Prius

Der Toyota Prius ist Vorreiter einer ganzen Generation Autos. Als Hybrid-Pionier führte der Prius lange die Spitze dieser Gruppe an. Doch die anderen Autobauer haben aufgeholt. Kann die vierte Generation Prius da noch mithalten? Mehr

29.07.2016, 16:04 Uhr | Technik-Motor
Schweinsteigers Abschied Warme Worte von den Bayern

Überragender Fußballer, sensationeller Typ und ein Freund. Philipp Lahm würdigt seinen Weggefährten Schweinsteiger. Vorstandschef Rummenigge hält eine Rückkehr in die Bundesliga für ausgeschlossen. Mehr

30.07.2016, 10:51 Uhr | Sport
Pokémon Go Hype um App treibt seltsame Blüten

Eier ausbrüten auf dem Handy? Mit Himmihbeeren werfen? Wem all das nichts sagt, der hat die neue Pokémon-Go-App von Nintendo noch nicht heruntergeladen. Um das Augmented-Reality-Spiel hat sich ein beispielloser Hype entwickelt, der die seltsamsten Blüten treibt. Mehr

29.07.2016, 15:08 Uhr | Wirtschaft
Eintracht Frankfurt Bald wieder ein Löwe

Angeblich nur noch ein paar Formalitäten trennen Eintracht-Profi Stefan Aigner von der Rückkehr zu seinem alten Verein. Der Transfererlös soll in neue Spieler investiert werden. Mehr Von Jörg Daniels, Frankfurt

30.07.2016, 07:56 Uhr | Rhein-Main

Gold für Klempner, Lob für Stümper

Von Evi Simeoni

Hämmern und Bohren sollte olympische Disziplin werden - dann dürfen auch die mit Hammer und Sicherl in der Flagge ruhig teilnehmen. Mehr 0