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VfB Stuttgart Ein Maestro im Schwabenland

27.06.2005 ·  Der VfB Stuttgart verliert nun auch Alexander Hleb, aber der neue Trainer Giovanni Trapattoni verbreitet, assistiert von Andreas Brehme, Zuversicht. Auch wenn sein „Freund“ Luis Figo nicht ins Schwabenland kommt.

Von Thomas Klemm
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Da schwitzt er also wieder. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß Giovanni Trapattoni jener "Fußball-Besessene im positiven Sinne" ist, als den ihn VfB-Präsident Erwin Staudt jüngst bezeichnete - am Montag hat er ihn in der Stuttgarter Vormittagshitze erbracht.

Mit 66 Jahren, da hätte Trapattoni dem Wunsch seiner Frau Paola folgen und als rüstiger Fußballrentner in der Heimat das "dolce far niente" genießen können. Aber Signor Trapattoni ist eben auch ein bißchen mit dem Fußball verheiratet, und so läuft er mit den Profis des VfB Stuttgart um den Platz im vereinseigenen Robert-Schlienz-Stadion, kickt den Spielern den Ball zu, unterweist sie mehr gesten- als wortreich in korrekter Schußhaltung, reckt und streckt sich zum Abschluß des siebzigminütigen Auftakttrainings auf der Gymnastikmatte. Er habe bisher nur wenig mit den Profis gesprochen, wird Trapattoni später sagen. Das wichtigste jedoch, nämlich "unsere Ziele, unsere Regeln und die Begeisterung" hat der Maestro in der kurzen Begrüßungsrede zu vermitteln versucht.

Von all den hehren Ansprüchen bei der Ansprache haben die knapp 2.000 Kiebitze am Trainingsgelände nichts mitbekommen, dennoch begrüßt die oft überkritische schwäbische Anhängerschaft Trapattoni wie einen Heilsbringer. Sie spendet Applaus und bittet um Autogramme. Der neue Stuttgarter Star ist der Trainer, der an diesem Tag das rote Trikot der Spieler trägt und nur durch seine lange schwarze Hose und seine schütteren grauen Haare hervorsticht. "Wir beginnen die Saison mit viel Optimismus", sagt der Italiener, der nach zwei Engagements beim FC Bayern zum dritten Mal die Herausforderung in der Bundesliga sucht.

Wie ein Heilsbringer begrüßt

Soviel Zuversicht ist selbst Staudt ein bißchen fremd geworden nach dem enttäuschenden Ende der vorigen Saison, die in der Trennung von Trainer Matthias Sammer gipfelte. "Positiv überrascht" ist der VfB-Präsident daher, daß Trapattoni von derart vielen Fans herzlich empfangen worden sei. Irgendwelche Zweifel, ob nicht nur die Person, sondern auch die Taktik des Trainers zum Standort der offensiven Spielkultur paßt, kommen keine aus heiterem Himmel. An diesem Montag ist Giovanni Trapattoni einer für alle.

Als ob 19 Titelgewinne nicht schon für sich sprächen, formiert sich um den Trainer eine Schar von untergebenen bis ergebenen Fürsprechern. Der von Werder Bremen gekommene Ludovic Magnin freut sich, "von einem bekannten Trainer zu lernen". Ein anderer Neuzugang, der von Bayer Leverkusen gewechselte Daniel Bierofka, empfindet es als "Privileg", unter Trapattoni zu arbeiten.

Es stellt sich die „H-Frage“

Wie Bierofka einst als Junior des FC Bayern, so hat auch der nach dem Cheftrainer bekannteste VfB-Neuling bereits Erfahrung mit dem Maestro gesammelt. "Giovanni ist eine Persönlichkeit und wird die Leute begeistern", behauptet Andreas Brehme, der es einst als Spieler bei Inter Mailand mit Trapattoni zu tun bekam. "Vor allem wird er die Mannschaft begeistern." Der Weltmeister von 1990 ist eine der Haupt-Nebenfiguren im Stuttgarter Sommer, hat sich zweieinhalb Monate nach seiner Entlassung als zweitklassiger Coach der Spielvereinigung Unterhaching nun auf Trapattonis Wunsch zum erstklassigen Assistenten gewandelt. Für den 44 Jahre alten Brehme sprach seine sportliche und sprachliche Qualifikation.

"Er kann einschreiten, wenn es Verständigungsprobleme gibt - die ich aber nicht befürchte", sagt Staudt. Dabei könnte der VfB-Präsident mögliche Unklarheiten selbst bereinigen, ist er doch des Italienischen mächtig. Auf diese Weise hätte der Stuttgarter Bundesligaklub auch die stattliche Zahl von sechs Co-Trainern minimieren können.

Kleiner geworden ist der Kader, die "H-Frage" beim VfB ist seit Montag endlich beantwortet. Dabei ging es nicht um einen der deutschen Nationalspieler Hildebrand, Hinkel oder Neuzugang Hitzlsperger, die noch im Confederations Cup aktiv sind und daher beim Auftakttraining gefehlt haben, sondern um den gleichfalls abwesenden Aleksandar Hleb. Der Spielmacher wechselt zum englischen Pokalsieger FC Arsenal London und spült den Schwaben damit einen Eurobetrag zwischen zwölf und fünfzehn Millionen in die Kassen. „Alex wollte den Wechsel zu Arsenal unbedingt vollziehen. Wir hatten bestimmte Vorstellungen, um diesem Wechsel zustimmen zu können. Diese Bedingungen wurden jetzt erfüllt“, erklärte VfB-Sportdirektor Herbert Briem, der sich erleichtert zeigte, „daß die lange Zeit der Spekulationen jetzt beendet ist.“

Eher Frei als Figo

Trotz aller Transfererlöse: Nicht nach Stuttgart kommen wird Luis Figo, trotz aller Gerüchte rund um das Gottlieb-Daimler-Stadion. Er bezeichne den portugiesischen Rekordnationalspieler zwar als seinen Freund, sagt Trapattoni, "aber er kommt nicht von Real Madrid hierher". Während der kurze portugiesische Traum früh an der finanziellen Realität gescheitert ist, scheint der Schweizer Nationalstürmer Alexander Frei weiter im Gespräch zu sein als Nachfolger des Neu-Schalkers Kevin Kuranyi. Auch über einen Transfer des Dortmunders Jan Koller wird spekuliert, obwohl der Vertrag des Tschechen bei der Borussia noch ein Jahr läuft. "Es ist kein berühmter Spieler frei, der bezahlbar ist", sagt Giovanni Trapattoni. Komme, wer wolle: Der berühmteste Stuttgarter in dieser Saison bleibt der Italiener höchstselbst.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Juni 2005 / sid
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Jahrgang 1966, Sportredakteur.

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