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VfB Stuttgart Das Schweigen vor dem „Höhepunkt“

02.10.2007 ·  Die Krise in der Bundesliga lässt beim VfB Stuttgart Schlimmes befürchten. Ausgerechnet jetzt kommt der große FC Barcelona zum Duell in der Champions League. Doch beim deutschen Meister herrscht trotz der Probleme Ruhe.

Von Oliver Trust, Stuttgart
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Wo anfangen, wo aufhören in diesen krisenhaften Tagen? Horst Heldt sieht nicht besonders glücklich aus, wenn er zum wiederholten Mal erklären soll, warum dies und das beim deutschen Fußballmeister derzeit nicht funktioniere. Der Manager des VfB Stuttgart wirkt wie ein Gefangener der Umstände, der sich trotz innerer Widerstände Zurückhaltung auferlegt.

Am Sonntag hat man auf dem Trainingsgelände in Bad Cannstatt die Jalousien runtergelassen und sich hinter verschlossenen Türen zur Krisensitzung versammelt. Sie wollten ihre Ruhe haben beim VfB und bloß keinen Besuch. Heraus traten am Ende zum Schweigen entschlossene Männer, die vor dem als „Höhepunkt“ empfundenen Duell in der Champions League gegen den spanischen Favoriten FC Barcelona an diesem Dienstagabend (20.45 Uhr / Live bei Premiere und im FAZ.NET-Liveticker) nicht mehr konkret werden wollten beim Aufzählen der eigenen Versäumnisse.

„Kann das Team nicht vorher an die Wand nageln“

Es gäbe ja einiges anzumerken zu den vielen akuten Problemen der Stuttgarter, die sich angesichts ihrer unbefriedigenden Darbietungen in der Bundesliga Hohn und Spott gefallen lassen müssen und sich trotz aller Kritik vorerst nicht nachhaltig gegen den Begriff „Zufallsmeister“ wehren wollen. Schon gar nicht möchten sie beim VfB die Öffentlichkeit an innerbetrieblichen Reinigungsprozessen teilhaben lassen. Das allerdings könnte bei entsprechendem Resultat nach der Begegnung gegen den FC Barcelona passieren. „Ich kann nicht verlangen, dass das Team gegen Barcelona Leistung bringt, und es davor an die Wand nageln“, sagt Heldt.

Zusammen mit Trainer Armin Veh fühlt sich der Sportdirektor in der Zwickmühle. Die vielen Sorgen ins Visier zu fassen würde dauern. Der Einfachheit halber ein paar Stichworte dazu: kränkelnder Angriff, Neuzugänge ohne neuen Schwung - und dazu eine Abwehr, die in der Titelsaison als Vorbild für den Rest der Liga galt, dies aber längst nicht mehr ist.

Hat das Juve-Angebot Meira den Kopf verdreht?

Nun wäre es ein Leichtes, Fernando Meira, dem unzweifelhaft der Habitus eines stolzen Indianerhäuptlings anhaftet, die alleinige Schuld für die schwäbische Krise zuzuschieben. Von Hochnäsigkeit über mangelnden Identifikationswillen hat man dem Portugiesen zuletzt alles vorgeworfen. Ein Angebot von Juventus Turin, das durch ständig neue Lockrufe in regelmäßigen Abständen erneuert wird, habe ihm den Kopf verdreht, heißt es. Der Abwehrchef ziehe junge Spieler wie Serdar Tasci, der den Langzeitverletzten Matthieu Delpierre vertritt, mit hinab ins Motivationsloch. Die Folge sind zwölf Gegentreffer in acht Spielen. In der Meistersaison waren es 37 in 34 Spielen.

Doch schnell landet man bei der Fehleranalyse sowohl weiter hinten als auch weiter vorn. Zuerst bei Torwart Raphael Schäfer, dem mancher inzwischen schon persönlich Gegentreffer ankreidet. In der Tat strahlt Schäfer nicht diese ansteckende Souveränität aus, die wünschenswert wäre. Oder der Mexikaner Pavel Pardo, vergangene Saison noch der überragende „Sechser“ der Liga: Heute ist er einer, der mitunter mit sich selbst zu kämpfen hat und sich den Hinweis leistet, „dass ein paar Junge die Erfolge“ noch nicht verkraftet hätten.

Wie verstärkt man einen deutschen Meister?

„Der Unterschied der Neuen heute zu denen vor einem Jahr ist, dass sie in eine Meistermannschaft kamen. Vor einem Jahr kamen die Neuen zu einer Mannschaft, die am Boden war“, sagt Heldt. Wie also verstärkt man einen deutschen Meister, der sich internationale Ambitionen auf die Fahne schrieb, ohne zu scheitern? Mit Yildiray Bastürk? Der Türke, der von Hertha BSC kam, gibt Rätsel auf. Neue Impulse hatte man sich vom kleinen Spielmacher versprochen. Heraus kam bisher eine unendliche Geschichte fortwährender Verletzungen. Ob Bastürk gegen Barcelona spielt, ist ungewiss, sein Fehlen bei der 1:2-Niederlage in Rostock war mit einer erforderlichen Erholungspause erklärt worden.

All das lässt vorerst wenig Gemeinschaftsgefühl wachsen. Es sind somit vor allem Appelle an die Geduld, die nach außen dringen und den Eindruck mancher Beobachter, der Klub am Neckar gleiche einem Pulverfass, überdecken. Intern, sagt Heldt, spreche man die Probleme sehr wohl konkret an. Und dazu lässt man beim VfB Stuttgart derzeit vorsichtshalber die Jalousien runter und rückt in aller Abgeschiedenheit zusammen.

Quelle: F.A.Z., 02.10.2007, Nr. 229 / Seite 37
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