Der Präsident des VfB Stuttgart Erwin Staudt im F.A.Z.-Interview über die Position des Trainers und den Erhalt des Tafelsilbers.
Hatten Sie gestern eine harmonische Aufsichtsratssitzung?
Sehr, wie immer, wir mögen uns alle (lacht).
Hat der Aufsichtsratsvorsitzende Hundt seine Ankündigung wahr gemacht und Trainer Matthias Sammer hinterfragt?
Das ist eine separate Geschichte. Gestern stand der Jahresabschluß auf dem Programm. Der Finanzchef war der Held, wir haben ihn auseinandergenommen.
Das klingt nach Kritik?
Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil: Es sieht wirtschaftlich sehr gut aus.
Das kann man vom sportlichen Verlauf der Saison nicht unbedingt sagen.
Rein numerisch haben wir unsere Zielvorstellung umgesetzt. Wir sind im internationalen Geschäft, das haben nicht alle geschafft, die es wollten. Aber natürlich müssen wir genau analysieren, wie es zu diesem unerklärlichen Leistungsknick am Ende der Saison gekommen ist. Die Tatsachen müssen auf den Tisch, und wir müssen die richtigen Schlüsse daraus ziehen.
Könnte ein Schluß lauten: Wir tauschen den Trainer aus?
Man kann alles austauschen: Den Cheftrainer, seinen ganzen Stab, den Präsidenten, die medizinische Abteilung. Aber Personalentscheidungen sind doch populistische Maßnahmen. Nachhaltiger ist es, die Einzelkomponenten zu betrachten, die zum Phänomen führten, sich das Leistungsumfeld anzusehen.
Aber für den Einbruch sind vornehmlich Trainer und Spieler verantwortlich. Wie Sie es sagen, klingt es, als wäre das Umfeld schuld.
Nein, nein, die Zuarbeit funktioniert. Wir haben die sportlichen Erfolge der vergangenen zwei Jahre ökonomisch konsequent umgesetzt.
Woran liegt es nun?
Wir sind gerade dabei, es herauszufinden.
Und wie lauten die ersten Ergebnisse?
Ich möchte erst darüber sprechen, wenn wir am Ende mit unserer Analyse sind.
Welche Fehler hat Sammer begangen, ist er zu weich?
Er ist wie immer, so wie wir ihn als Spieler kennen. Er hat seinen eigenen Stil und weiß, wie er ihn durchsetzt. Er ist eben ein Rothaariger, und Rothaarige sind immer starke Persönlichkeiten.
Kuranyi, Hleb und Meira übten Kritik am Trainer, wieso sind so viele unzufrieden?
Wenn das Kollektiv erfolgreich ist, dann sind auch die Einzelmitglieder zufrieden. Wenn der Erfolg fehlt, bilden sich Gruppen: die Künstler, die Arbeiter, und dann kommt immer ein gewisser Mißklang. Das müssen wir abstellen.
Verkaufen Sie Kuranyi?
Wenn es nach mir geht, bleibt Kuranyi bis 2008, so lange hat er nämlich einen Vertrag.
Aber es geht nicht nur nach Ihnen, weil in seinem Vertrag eine Ausstiegsklausel steht.
Das werden wir sehen. Wir wollen auf keinen Fall unser "Tafelsilber" verkaufen. Wir haben unsere "jungen Wilden" (Kuranyi, Hleb, Hinkel, Hildebrand - die Redaktion) langfristig an uns gebunden, weil sie ein hohes Identifikationspotential aufweisen. Sie haben einen hohen Markenwert, sie sind die Imageträger des VfB.
Am Wochenende steht eine Vorstandssitzung an. Muß sich Sammer rechtfertigen?
Nein, er muß nur seine Sicht der Dinge wiedergeben. Übrigens haben wir ständig Vorstandssitzungen. Wir sind ja nur zu zweit, mein Kollege Ruf und ich. Aber natürlich ziehen wir unsere beiden Sportmanager zur Analyse hinzu.
Wie würden Sie die Stimmung beim VfB beschreiben?
Gespannt - was in der nächsten Saison kommt.
Gereizt?
Nein.
Das mag für den Vorstand gelten. Das Publikum pfiff zuletzt Sammer und die Mannschaft aus.
Wir tun alles, damit sich das schnell wieder ändert. Wir sitzen nichts aus.