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Fernsehrechte beim Fußball : Wende im Milliardenpoker um Fußballrechte

Wettbewerb ums Kneipenpublikum: Sky soll nicht als einziger Sender Livespiele zeigen. Bild: Niklas Grapatin

Das Kartellamt grätscht in die Vergabe der Fernsehverträge: Außer dem Bezahlsender Sky sollen auch andere Anbieter Spiele live zeigen. Die DFL fürchtet eine Zerlegung des Spieltages.

          Das bisherige Format der Übertragung der Fußball-Bundesligaspiele im Fernsehen könnte sich grundlegend verändern. Wie diese Zeitung von mehreren Medienunternehmen erfahren hat, will das Bundeskartellamt von der Deutschen Fußball Liga (DFL) jetzt eine Nachbesserung fürs bevorstehende Vergabeverfahren bei den Senderechten fordern, die vor allem dazu führen würde, dass nicht mehr nur ein Anbieter alle Livespiele exklusiv übertragen könnte. Dabei geht es um eine verpflichtende Einführung der „No Single Buyer Rule“ für die Rechteauktion der DFL, die in diesem Frühjahr stattfinden soll und sich auf die Spielzeiten ab 2017 bezieht.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kommt es so, wonach es derzeit aussieht, käme der Pay-TV-Sender Sky stark unter Druck. Der deutsche Murdoch-Ableger zeigt noch inklusive der nächsten Saison alle Partien der ersten und zweiten Bundesliga als einziger Anbieter live, bewirbt seit Jahren sein Geschäftsmodell mit dem Slogan „Alle Spiele, alle Tore“. Sky zahlt dafür jedes Jahr rund 486 Millionen Euro und ist damit der bedeutendste Geschäftspartner der DFL. Zwar wächst der Bezahlsender in Deutschland mit seinem exklusiven Fußballangebot stetig, hat mit rund 4,3 Millionen Abonnenten aber noch Nachholbedarf. Insgesamt nehmen die Bundesligavereine derzeit jede Saison über die Medienvermarktung in Deutschland rund 630 Millionen Euro ein.

          Seit einigen Monaten stimmen sich Liga und Kartellamt schon ab. Verband und Behörde wollten sich zu der neuesten Entwicklung noch nicht äußern. Die Klubs suchen nach einem Weg, die Rechtepakete für die Auktion so zu schnüren, dass die Preise weiter hochgetrieben werden. Dabei geht es um Fragen wie die Spreizung des Spieltages, Direktübertragungen und Zusammenfassungen, die ganze Bandbreite im Vertrieb von klassischem Fernsehen bis zu Smartphones. Das größte Pfund sind die Livespiele. Hier zwei oder mehr Unternehmen bei der Auktion aufeinanderzuhetzen, die dann mit verschiedenen Angebotspaketen zum Zuge kommen, ist ganz im Sinne der Vereine, die immer mehr Geld für die auf dem internationalen Markt steigenden Spielergehälter brauchen.

          Doch die DFL möchte den Bogen wohl auch nicht überspannen. Dem langjährigen Partner Sky soll nicht zu hart mitgespielt werden. Außerdem muss eine „No Single Buyer Rule“ nicht unbedingt zu viel höheren Mehreinnahmen führen. Denn womöglich würde Sky für gewisse Live-Pakete mehr bieten als die Konkurrenz, aber dann nicht berücksichtigt werden, weil mindestens ein zweites Unternehmen zum Zuge kommen müsste. Vermeiden will die DFL zudem einen Flickenteppich verschiedenster Anbieter, die an einem Spieltag Livepartien übertragen.

          Premier League Rechte verloren

          Gut möglich, dass die DFL insgeheim aber doch darauf setzt, dass das Kartellamt die neue Regel jetzt ins Vergabeverfahren reinschreiben lässt. Gerne wird in der Branche England als Beispiel genannt, was eine solche Wettbewerbsregel auslösen könnte: Von der nächsten Saison an kassiert die Premier League jedes Jahr von Sky und BT Sport (British Telecommunications) exorbitante 2,3 Milliarden Euro, weil sich beide Pay-Sender im Bieterverfahren hochschaukelten.

          Ein Kameramann von Sky bei Bundesligaspiel: Bald vielleicht nicht mehr allein am Spielfeldrand
          Ein Kameramann von Sky bei Bundesligaspiel: Bald vielleicht nicht mehr allein am Spielfeldrand : Bild: dpa

          Schon im Dezember hatte die Frankfurter Allgemeine Zeitung darüber berichtet, dass Konkurrenten von Sky beim Kartellamt interveniert und die „No Single Buyer Rule“ ins Spiel gebracht hatten – ganz offensichtlich mit Erfolg. Dahinter stehen offensichtlich eine Gruppe um Dieter Hahn, Aufsichtsratschef von Constantin Medien (Sport1-Plattformen), aber auch die Deutsche Telekom und andere potentielle Mitbieter um die Bundesligarechte. Das Motiv liegt auf der Hand: Die Medienunternehmen wollen damit hinter dem Marktführer Sky ihre Eintrittschancen als Bundesligasender begünstigen und den Fuß in die Tür bekommen.

          Zuletzt verlor Sky die Rechte an den Übertragungen der Premier League in Deutschland von der Saison 2016/17 an die britische Perform Group (Internetplattform Spox.com). Auch der FC Bayern war erstmals aktiv auf das Kartellamt zugegangen, um wohl ebenso mehr Bewegung in das Verfahren hereinzubringen. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte zuletzt immer wieder betont, dass für höhere Einnahmen unbedingt mehr Wettbewerb in die Rechtevergabe hereingebracht werden muss. Beim Neujahrsempfang der Liga diese Woche in Frankfurt sendete DFL-Geschäftsführer Christian Seifert zudem eine Botschaft an den Markt aus: „Die Bundesliga muss in der Weltklasse spielen. Wir brauchen Geld, um mit der in Geld schwimmenden Liga in England, um mit Spanien und Italien mitzuhalten. Dieses Ziel müssen unsere Medienpartner unterstützen und investieren.“

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          Quelle: F.A.Z.

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