Home
http://www.faz.net/-gtl-7b779
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Vereinigte Staaten gegen Kuba Kein Fußballspiel wie jedes andere

Die Vereinigten Staaten und Kuba treffen an diesem Samstag (21.30 Uhr) beim Gold Cup aufeinander. Klinsmanns Elf will das Turnier gewinnen. Für die Kubaner wäre es schon ein Erfolg, wenn alle Spieler wieder die Heimreise antreten.

© AP Im Duell mit den Vereinigten Staaten wird es für Kuba nicht minder hart zur Sache gehen

Es ist eigentlich nur ein Gruppenspiel beim Gold Cup. Doch wenn am Samstag (21.30 Uhr) in Sandy/Utah die von Jürgen Klinsmann trainierte amerikanische Fußballnationalmannschaft bei der Kontinentalmeisterschaft des Concacaf-Verbandes auf Kuba trifft, kommt unweigerlich auch eine politische Note mit ins Spiel. Beide Nationen sind seit mehr als einem halben Jahrhundert Klassenfeinde.

Nachdem Fidel Castro im Anschluss an die Kubanische Revolution 1958 sämtlichen Privatbesitz zum Staatseigentum ernannt und somit auch zahlreiche Amerikaner auf der Karibikinsel enteignet hatte, belegten die Vereinigten Staaten den kommunistischen Nachbarn mit einem Wirtschafts- und Finanzembargo. Ziel der „Kuba Sanktion“ war es, die kubanische Regierung wirtschaftlich zu isolieren und ihr US-Dollar vorzuenthalten. Auch mehr als 50 Jahre später sind die Beziehungen immer noch unterkühlt, amerikanischen Bürgern Reisen nach Kuba untersagt. Direktflüge zwischen beiden Ländern gibt es nicht.

Mehr zum Thema

Für Klinsmann spielen diese äußeren Umstände keine Rolle. Er will nach dem 6:1-Sieg seines Teams zum Auftakt über Belize im zweiten Gruppenspiel den zweiten Erfolg. „Wir wissen, dass es eventuell auf die Tordifferenz ankommen kann. Deshalb wollen wir so viele Tore wie möglich schießen“, sagt Landon Donovan mit Blick auf Costa Rica, den größten Rivalen in der Vorrundengruppe C.

Die „Klinsmänner“ gelten nicht nur in ihrer Staffel als Favorit, sondern auch, wenn es um den Turniersieg geht. Nach zwei Finalniederlagen 2009 und 2011 soll endlich wieder der Titel her. Für die Kubaner indes wäre es schon ein Erfolg, wenn letztlich alle Spieler nach Turnierende wieder die Heimreise antreten würden.

Costa Rica v Cuba - 2013 CONCACAF Gold Cup © AFP Vergrößern Mit dieser Mannschaft traten die Kubaner zum ersten Spiel gegen Costa Rica an und verloren 0:3

Das Team von Trainer Walter Benitez setzt sich ausschließlich aus Spielern der heimischen Liga zusammen. Dabei könnte der Coach auch Leute wie Eviel Cordoves, Maykel Chang, Odisnel Cooper, Maykel Galindo, Yordany Alvarez oder Osvaldo Alonso gut gebrauchen. Schließlich hatte Benitez für den Gold Cup angekündigt, „eine gute Show bieten zu wollen.“ Doch die Regierung in Havanna machte den Spielverderber und bestand darauf, „Flüchtlinge“ zu ignorieren. Cordoves, Chang, Cooper, Galindo, Alvarez und Alonso hatten sich in den vergangenen Jahren allesamt vom kubanischen Team abgesetzt.

„Spieler verlassen Kuba, weil sie etwas aus ihrem Leben machen wollen“, sagte Galindo. Er nutzte den Gold Cup 2005 in Seattle zur Flucht und spielte anschließend in der Major League Soccer (MLS). „Die Leute wollen sich ihren Traum vom Profifußball erfüllen“, ergänzte Galindo „sie wissen, dass ihnen Kuba das nicht bieten kann.“

Jürgen Klinsmann © dpa Vergrößern Die Amerikaner von Jürgen Klinsmann wollen Tore schießen und das Turnier gewinnen

Mehr als 20 Kubaner haben Qualifikationsspiele zu WM und Olympia in den Vereinigten Staaten und Kanada sowie die Gold Cups 2002, 2005, 2007 und 2009 zum Weg in die Freiheit genutzt. Während eines Qualifikationsturniers im Frühjahr 2008 in Tampa setzten sich gleich sieben Spieler ab. Im vergangenen Oktober schlichen sich drei U-20-Nationalspieler aus dem Teamhotel in Toronto, fuhren direkt zur 90 Kilometer entfernten amerikanische Grenze und beantragten dort politisches Asyl.

Womöglich aus diesem Grund ist auch der beste Spieler der Kubaner gar nicht im Team. Mittelfeldspieler Marcel Hernandez wurde nicht nominiert, offiziell wegen Knieproblemen. Medien indes spekulieren, dass dem kubanischen Verband die Gefahr zu groß erschien, ein weiteres Talent während einer Turnierreise in Amerika zu verlieren. Zumal Hernandez bereits den Wunsch geäußert hatte, gerne in den Vereinigten Staaten leben zu wollen.

Quelle: FAZ.NET/dpa

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Gold Cup Schäfers Jamaikaner fordern Klinsmanns Amerikaner

Deutsches Duell im Halbfinale des Gold Cups: Nach dem Kantersieg des Teams von Trainer Klinsmann im politisch brisanten Aufeinandertreffen mit Kuba, gewinnen auch Winnie Schäfers Jamaikaner knapp gegen Haiti. Mehr

19.07.2015, 06:02 Uhr | Aktuell
Segelregatta Historischer Wettbewerb zwischen Kuba und Amerika

Das gab es seit 50 Jahren nicht mehr: eine Segelregatta zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten. Fünf amerikanische Segelteams starteten in Florida und fuhren in ihren Booten etwa 145 Kilometer bis zur kubanischen Hauptstadt Havanna. Mehr

18.05.2015, 12:27 Uhr | Sport
Wirtschafts-Sanktionen Die Geschichte des gescheiterten Kuba-Embargos

Seit heute wehen wieder kubanische Flaggen in Washington. Fast 50 Jahre lang hat Amerika Kuba mit Sanktionen bestraft. Gebracht hat es wenig. Nun steht eine Wende an. Mehr Von Winand von Petersdorff, Washington

20.07.2015, 16:46 Uhr | Wirtschaft
Markt boomt Kunst aus Kuba groß im Kommen

Die Annäherung der Vereinigten Staaten und Kuba hat auch Konsequenzen für den Kunstmarkt. In Scharen pilgern amerikanische Galeristen derzeit nach Kuba, um sich Bilder anzuschauen und zu kaufen. Mehr

30.01.2015, 17:08 Uhr | Feuilleton
Gold Cup Penedo heißt der Held von Panama

Elfmeter entscheiden die Viertelfinalspiele des Gold Cups: Mexiko trifft in der vierten Minute der Nachspielzeit der Verlängerung, Panama setzte sich nach 18 Schüssen im Stechen durch. Mehr

20.07.2015, 09:26 Uhr | Sport

Veröffentlicht: 13.07.2013, 13:23 Uhr

Gefährliche Korrektur für Hamburg

Von Evi Simeoni, Kuala Lumpur

Boston hat sich selbst aus der Bahn gekegelt im Kampf um Olympia 2024. Erhöht der Rückzug die Chancen Hamburgs auf die Sommerspiele? Die Antwort ist eindeutig. Mehr 17 6