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Vater von Robert Enke „Er war in den eigenen Ansprüchen gefangen“

14.11.2009 ·  Robert Enke hat nach Schilderungen seines Vaters Dirk Enke schon als Jugendlicher unter Versagensängsten gelitten. Tief bewegt hat Fußball-Trainer Markus Babbel erstmals über den Selbstmord seines eigenen Bruders gesprochen.

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Robert Enke hat nach Schilderungen seines Vaters Dirk Enke schon als Jugendlicher unter Versagensängsten gelitten. Nachdem der Torwart im Jugendalter oft in höhere Altersklassen eingestuft worden war, sei es schon dabei „immer wieder zu Krisen“ gekommen, sagte der promovierte Psychotherapeut aus Jena dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. „Weil er Angst hatte, nicht mit den Älteren mithalten zu können. Er hat es sich nicht zugetraut. Er war in den eigenen Ansprüchen gefangen“, sagte Dirk Enke.

Wenn die Depressionen, deretwegen Robert Enke seit 2003 in Behandlung gewesen war, besonders stark waren, war der Torwart demnach kaum in der Lage, seinem Beruf als Fußballprofi nachzukommen. „In kritischen Phasen hatte Robert Angst, dass ein Ball auf sein Tor geschossen würde“, schilderte Dirk Enke. Sein Sohn habe Anfälle gehabt, „wollte nicht zum Training, konnte sich nicht vorstellen, im Tor zu stehen“. Robert sei so verzweifelt gewesen, dass er ihn einmal gefragt habe: „Sag mal, Papa, nimmst du mir das übel, wenn ich mit dem Fußball aufhöre? Ich sagte: Robert, das ist doch nicht das Wichtigste, um Gottes Willen“, so Dirk Enke.

Er lag daneben, als seine Tochter starb

Nach seinen Schilderungen belastete der Tod der herzkranken Tochter Lara Robert Enke noch mehr als bislang zu erkennen war. Sie war 2006 im Alter von nur zwei Jahren gestorben. Dirk Enke schilderte die schrecklichen Stunden. „Nach der Gehör-Operation kam Robert vom Spiel, fuhr in die Klinik, schläft abends neben der Kleinen alleine ein. Am nächsten Morgen wird er von dem Gerüttel und Geschüttel der Krankenschwestern wach, die die Kleine wiederbeleben wollen. Er lag daneben“. Seinem Sohn sei als erstes durch den Kopf gegangen: „Ich habe das nicht mitgekriegt, ich bin daran schuld.“

Auch wenn das Krankenhauspersonal Robert Enke versichert habe, dass er den Tod nicht hätte verhindern können, habe er ganz lange gebraucht, um davon loszukommen. „Da kam noch mal ein Versagenserlebnis dazu“, meinte Dirk Enke. Für seinen Sohn, dessen Suizid in Deutschland, aber auch international Erschütterung, Bestürzung und tiefe Fassungslosigkeit auslöste, wird es an diesem Sonntag eine Trauerfeier in Hannover geben. Erwartet werden in der AWD Arena 45.000 Gäste - mit Vertretern aus dem Fußball und der Politik. Vor dem Stadion können Zehntausende Menschen auf einer Großbild-Leinwand die Übertragung der Andacht verfolgen.

Babbel spricht zum ersten Mal vom Tod seines Bruders

Tief bewegt hat Stuttgarts Trainer Markus Babbel erstmals über den Selbstmord seines eigenen Bruders gesprochen. „Mein Bruder hat vor 20 Jahren dasselbe getan wie Robert Enke. Auf dieselbe Art und Weise“, sagte der VfB-Coach mehreren Stuttgarter Zeitungen. Angesprochen auf das Schicksal Enkes berichtete Babbel nach dem Nachmittagstraining des schwäbischen Fußball-Bundesligisten am Freitag von dem bislang unbekannten Drama in seiner Familie. „Wie bei meinem Bruder“, sagte er. Sein vier Jahre älterer Bruder Gerhard war 1989 von einem Zug erfasst worden. Babbel war damals 17 Jahre jung.

An der Trauerfeier für Enke an diesem Sonntag (11.00 Uhr) in Hannover wird Babbel nicht persönlich teilnehmen. Er reist nach Gilching zu seinen Eltern. „Meine Mutter braucht mich jetzt auch. Solche Situationen wie jetzt sind nicht leicht für sie“, sagte er. „Das lässt die schlimme Erinnerung wieder hochkommen. Es ist wichtig, in diesen Tagen bei ihr zu sein.“

In einer achtseitigen Sonderbeilage mit insgesamt 228 Todesanzeigen haben die Tageszeitungen „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ und „Neue Presse“ in ihren Samstag-Ausgaben an Robert Enke erinnert. Mehr als 200 Fußballfans drückten in liebevollen und berührenden Kleinanzeigen ihre Trauer über den Tod des Torhüters von Hannover 96 und der Nationalmannschaft aus.

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