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Van Gaal und Mourinho : Es kann nur einen geben: Duell der Alpha-Tiere

Portugiesischer Hollywood-Schauspieler: Inter-Trainer Jose Mourinho Bild: REUTERS

José Mourinho und Louis van Gaal haben nicht nur eine gemeinsame Vergangenheit, auch ihr Verständnis von Fußball eint sie. Doch während der Portugiese eher Filmstar im Rampenlicht ist, fehlt dem Niederländer das Hollywood-Flair.

          Als Louis van Gaal 1997 zum FC Barcelona kam, war er Europas Trainerstar. José Mourinho war ein junger Mann, der sich vom Übersetzer zum Assistenztrainer hochgearbeitet hatte und nun entlassen werden sollte. Dem neuen Boss gefiel der streitbare Portugiese. Er machte ihn zu seinem Assistenten. Und fand bald heraus: „Seine Analysen waren sehr gut.“ Ob sie das immer noch sind, wird van Gaal an diesem Samstag besonders interessieren. Dann trifft Meister auf Lehrling, im Finale der Champions League in Madrid (20.45 Uhr / FAZ.NET-Champions-League-Liveticker).

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Dicke Freunde“ sind sie nicht, sagt van Gaal. Wenngleich sie fast Nachbarn sind in ihren Ferienhäusern an der Algarve. Sie reden aber mit Achtung voneinander. Mehr ist nicht zu erwarten von zwei Alpha-Tieren des Fußballs, deren soziale Fähigkeiten immer auf ihr Team und dessen Erfolg hin geschärft sein müssen - und nicht auf Harmonie mit jenen, die dem Erfolg im Weg stehen.

          Die Lust, sich für diesen Zweck mit allen anzulegen; der Blick, der neutrale Dritte, wie Schiedsrichter oder Journalisten, daraufhin durchleuchtet, ob sie nützlich oder hinderlich sind; die Sturheit beim Verfolgen eines Planes - all das verbindet die beiden Erfolgstrainer, die zwei schlafende Riesen des europäischen Fußballs, Inter Mailand und Bayern München, geweckt haben.

          Niederländischer Volkstheater-Schauspieler: Bayern-Coach Louis van Gaal
          Niederländischer Volkstheater-Schauspieler: Bayern-Coach Louis van Gaal : Bild: REUTERS

          Van Gaal über Mourinho: „Ich habe ihn erzogen.“ Der Unterschied: „Ich spiele, um das Publikum zu begeistern und zu gewinnen. Mourinho spielt, um zu gewinnen.“ Sonst aber ähneln sich die Methoden und Maßstäbe. Beide sind taktische Pedanten, für die der wichtigste Augenblick im Fußball der ist, in dem man den Ball soeben verloren hat.

          Vom Fakt zur Fiktion: „Das Tor, das es nie gab“

          Es ist jene der vier „Phasen“ in van Gaals Spieltheorie, in der sein Team als Erstes meisterlich wurde - während es bei eigenem Ballbesitz das Vorbild Barcelona noch nicht erreiche. Mourinhos Aufmerksamkeit für das Verhalten nach Ballverlust geht so weit, dass ihn bei eigenen Ecken vor allem die Position seiner absichernden Spieler interessiert. In seiner ersten Saison in England 2004/05 kassierte Chelsea in 38 Spielen kein einziges Konter-Tor.

          Van Gaal sagt „immer die Wahrheit“. Das schließt nicht aus, zur Wahrheit, wie Mourinho, ein taktisches Verhältnis zu haben. Es drückt sich darin aus, mitunter sogar die Vergangenheit umzudeuten - wenn etwa van Gaal ein halbes Jahr nach der Niederlage in Bordeaux (ein Spiel mit 17:3 Torschüssen für die Franzosen) behauptet, die Bayern seien schon da besser gewesen; oder wenn Mourinho bis heute die Halbfinalniederlage in Liverpool 2005 vom Fakt in Fiktion verwandelt: „Das Tor, das es nie gab.“ Die Botschaft: Selbst wenn wir mal verlieren, haben wir eigentlich gewonnen.

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