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Urteil im Wettskandal Rote Karte!

18.11.2005 ·  Robert Hoyzer ist wegen betrügerischer Manipulation von Fußballspielen zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte lediglich eine Bewährungsstrafe gefordert. Die Anwälte kündigten Revision an.

Von Michael Reinsch, Berlin
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Robert Hoyzer folgte mit mahlendem Kiefer den fünf Urteilen des Landgerichts Berlin. Er mußte erkennen: Er hat sich um Kopf und Kragen geredet. Unerwartet hoch fiel das Urteil gegen den ehemaligen Fußball-Schiedsrichter wegen Wettbetrugs aus: zwei Jahre und fünf Monate Haft für Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug in sechs Fällen. Seine Anwälte kündigten Revision beim Bundesgerichtshof an.

Ohne Hoyzer, hatte die Staatsanwaltschaft gelobt, hätte es diesen Prozeß gar nicht erst gegeben. Erst manipulierte er, als er den Hamburger SV mit zwei Elfmetern und einem Platzverweis um einen Pokalerfolg in Paderborn brachte, was wiederum dessen Trainer den Job kostete. Dann redete er - und zwar nicht nur gegen über der vierzigköpfigen Ermittlungsgruppe Fußball (Siehe auch: Die Chronologie im Fall Hoyzer).

Buch zum Skandal kommt

Hoyzer redete auch mit Fernsehjournalisten und einer Boulevardzeitung. Es ging um das Verschieben von Fußballspielen, um die größte Aufregung seit dem Bundesliga-Skandal vor 35 Jahren. Hoyzer, ein 26 Jahre alter verkrachter Student aus Berlin, hatte 31.000 Euro und einen Fernseher für seine Manipulationen erhalten. Bald wird er das Buch zum Skandal auf den Markt bringen.

Die zwölfte Strafkammer wertete Hoyzers Aussagen zwar als strafmindernd, ging aber dennoch weit über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die Hoyzer als Kronzeugen ansah und deshalb mit äußerster Milde behandeln wollte. Auf zwei Jahre, ausgesetzt zur Bewährung, hatte diese plädiert. „Der Schiedsrichter wird dafür bezahlt, daß er im wesentlichen neutral ist“, sagte die Richterin. „Er muß nicht gut sein, aber er muß neutral bleiben.“ Hoyzer habe sich „ohne Not“ auf den Betrug eingelassen und später in den Medien versucht, sich als Opfer darzustellen.

Zur WM auf freiem Fuß

Nun steht ihm eine längere Haftzeit in Aussicht als dem Hauptschuldigen, dem als wettsüchtig eingestuften, geständigen Ante Sapina. Die Richterin sah den Vorwurf des bandenmäßigen Betrugs nicht bestätigt. Sie argumentierte mit einem BGH-Urteil von 1979, damals ging es um Pferdewetten: Wer verschweige, daß er durch Bestechung sein Wettrisiko mindere, begehe Betrug.

Sapina, 29 Jahre alter Sohn kroatischer Eltern, wurde wegen Betrugs in elf Fällen zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Davon hat er fast zehn Monate durch die Untersuchungshaft abgegolten, aus der umgehend entlassen wurde. Hoyzer saß lediglich zwei Wochen ein. Auch Sapinas Anwälte werden das Urteil anfechten. Die Fußball-WM im nächsten Jahr werden Hoyzer und Sapina wohl auf freiem Fuß erleben.

Zitate
„Ein Zweitliga-Schiedsrichter wird gut bezahlt. Er muß nicht gut sein, aber er muß wenigstens neutral sein.“
(Die Vorsitzende Richterin Gerti Kramer in ihrer Urteilsbegründung beim Fußball-Betrugsprozeß in Berlin)

„Man kann sich nicht mit einer Hand Asche aufs Haupt streuen und die andere aufhalten.“
(Ante Sapinas Rechtsanwalt Stefan Conen zur Medienpräsenz von Robert Hoyzer)

Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender Bayern München): „Alles andere als eine Gefängnisstrafe wäre für mich eine große Überraschung gewesen. Er hat dem deutschen Fußball Riesenschaden zugefügt. Deshalb ist es absolut nachvollziehbar, daß das Gericht ein in der Härte akzeptables Urteil gefällt hat.“

Herbert Briem (Sportdirektor VfB Stuttgart): „Ich begrüße die Höhe des Strafmaßes. Es wurde ein wichtiges Zeichen gesetzt, daß solche Machenschaften im Profifußball nichts verloren haben. Das harte Durchgreifen sehe ich auch als Abschreckung.“

Heribert Bruchhagen (Vorstandschef Eintracht Frankfurt): „Ich bin nicht kompetent, das Urteil zu bewerten.“

Klaus Allofs (Sportdirektor Werder Bremen): „Ich habe mir über das mögliche Strafmaß keine Gedanken gemacht und möchte es daher auch nicht kommentieren.“

Dietmar Beiersdorfer (Sportchef Hamburger SV): „Uns steht es nicht zu, dieses Urteil zu kommentieren. Wir haben zu diesem Fall in der Vergangenheit genug gesagt.“

Quelle: F.A.Z. vom 18. November 2005
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