27.03.2006 · Das staatliche Glücksspielmonopol wird voraussichtlich an diesem Dienstag vom Bundesverfassungsgericht zu Fall gebracht. Der deutsche Wettmarkt wird liberalisiert und konditioniert zugleich. Für den Sport geht es um Millionen.
Von Roland ZornDas Urteil ist noch nicht gesprochen, doch das Vor-Urteil hat sich längst herausgebildet. Das staatliche Glücksspielmonopol wird danach am kommenden Dienstag zu Fall gebracht. Statt dessen werde der deutsche Wettmarkt in Zukunft liberalisiert, konzessioniert und konditioniert zugleich. Wetten, daß das Bundesverfassungsgericht am kommenden Dienstag zu diesem Urteil kommt? Vorsichtig. Die Richter in den roten Roben haben schon häufiger für Überraschungen gesorgt.
Wilfried Straub, der frühere Ligadirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga, ist aus Erfahrung viel zu vorsichtig, um sich mit Prognosen festzulegen. Was Straub indes im Auftrag des DFB, des Ligaverbandes und des Deutschen Sportbundes (DSB) tun konnte, hat er lange vor der Verkündung des Richterspruchs gesagt und detailliert dargelegt. Als Beauftragter der drei Organisationen in Sachen Wetten hat dieser Ombudsmann bei einer Anhörung des Verfassungsgerichts im vergangenen November ebenso Stellung bezogen wie in vielen Gesprächen mit Politikern. Straub hat eine so gut wie einvernehmlich gefundene Position des Sports erklärt.
410 Millionen Euro für den Breitensport
Seine Position hat Straub schon 2005, beim DFB-Bundestag in Osnabrück, vertreten, als er sich zum Anwalt der Einführung einer eigenen Fußballwette machte - für den Fall, daß die Verfassungsrichter den Wettmarkt neu ordnen sollten. In dem von ihm gestellten, angenommenen Antrag hieß es unter anderem: "Die bisher erkennbare Richtung - Schutz des staatlichen Monopols und ,Abwehr' der privaten Wettanbieter - ist ein falscher Ansatz; auch und gerade unter fiskalischen Aspekten. Der richtige Ansatz ist darin zu sehen, den Wettbewerb zu liberalisieren, was innerhalb der EU ohnehin nicht zu verhindern sein wird, den nationalen Wettanbietern Chancengleichheit in den Wettformen zu eröffnen, die Rechtefrage zu klären und die Steuereinnahmen zu mehren, das heißt, die ,Wettflucht' ins Ausland zu verhindern."
Zur Lage: In Deutschland werden bei Sportwetten, entweder über den staatlichen Anbieter Oddset oder per Internet über im Ausland angesiedelte private Unternehmen mit Lizenzen teils aus dem Fundus der ehemaligen DDR Umsätze von rund 2,2 Milliarden Euro im Jahr gemacht. Da aber die 16 Landesgesellschaften des Lotto-Toto-Blocks nebst ihrer Wett-Tochter Oddset in Deutschland Steuern zahlen, dazu einen Großteil ihrer Einnahmen als zweckgebundene, gemeinnützige Abgabe dem Breitensport (rund 410 Millionen Euro im Jahr) zufließen lassen und darüber hinaus Tausende Wettannahmestellen finanzieren, können sie längst nicht so attraktive Quoten bieten wie die Internet-Anbieter im Ausland.
Der Sport wittert neue Chancen
Oddset schüttet zum Beispiel nur 56 Prozent der Einnahmen als Gewinne wieder aus, die online agierenden Konkurrenten im Ausland bis zu 94 Prozent, weil sie mit geringerem personellen Aufwand arbeiten, keine Zweckabgaben zu entrichten haben und nicht dem deutschen Steuergesetz unterworfen sind. Die Folgen konnte Oddset an seinen Umsatzzahlen ablesen: Sie halbierten sich von einer Milliarde auf 500 Millionen Euro - und damit wurden auch die Mittel für einen wichtigen Teil der Finanzierung des Sports knapper.
Öffnet Karlsruhe den deutschen Wettmarkt am Dienstag, was unter dem Gesichtspunkt der Dienstleistungsfreiheit im geeinten Europa im Trend läge, und bände es dazu die Vergabe neuer Konzessionen - gerechnet wird in Zukunft mit bis zu zehn in Deutschland ansässigen Wettanbietern - an Bedingungen, wittert der Sport neue Chancen. Entweder, um eine eigene Fußballwette, mutmaßlich in Kooperation mit einem etablierten Wettunternehmen, einzuführen, oder, um endlich ans lang ersehnte Ziel Urheberschutz für die Spielpläne zu kommen und damit Lizenzerlöse einzustreichen. Laut Straub versteht der Profifußball eine Freigabe des Wettmarkts nicht nur als geschäftliche Möglichkeit, sondern auch als soziale Verpflichtung: "Der Fußball hängt nicht am Tropf der Regierung, und wir wollen nicht, daß Sportarten, die vernünftigerweise zu subventionieren wären, am Tropf der Staatsförderung hängen. Da wollen wir mit unseren Mitteln helfen." Mit anderen Worten: Der Fußball will andere Sportarten mitfinanzieren.
Wettbüros in in Fußballstadien?
Straub möchte bei der Neugestaltung des Wettmarkts in Deutschland daran mitwirken, daß dann bestimmte Wetten, etwa auf Halbzeitergebnisse oder die Anzahl der in Ligaspielen erzielten Treffer, nicht erlaubt sein sollen. Auch, weil die Wettsucht mancher Menschen eingedämmt werden soll, wird damit gerechnet, daß neue Wettgesetze der dafür zuständigen Länder an relativ enge Bedingungen gebunden sein werden. Dennoch wittert die Branche hohe Zuwachsraten für den deutschen Wettmarkt - bis zu fünf Milliarden Euro Umsatz per annum, lauten die Prognosen.
Wie sich der Sport in dem Moment, da sich die Wettszene neu formiert, aufstellen könnte, dafür haben Straub und Kollegen ein Drehbuch parat. So soll dann eine Firma gegründet werden mit dem DFB, dem Ligaverband und dem DSB als Gesellschafter, die später Lizenzen auf die Spielpläne vergibt und einen beträchtlichen Teil der Einnahmen zur Förderung des Breitensports weiterleitet. Darüber hinaus kann sich Straub eine Ausweitung des Geschäfts mit den Sportwetten beim Abschluß des nächsten großen Fernsehvertrages 2009 vorstellen, wenn die Abwicklung des Glücksspiels mehr als bisher über das Fernsehen in größeren Wettkanälen möglich sein soll; selbst Totalisatoren in Fußballstadien schließt Straub nicht aus. Ehe gehandelt werden kann, ist indes Karlsruhe am Zug. Die Zeichen stehen auf Veränderung am Wettmarkt, doch die Zukunft entscheidet sich erst am Dienstag.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |