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Unterhaltungsmedien Fußball-WM soll das Fernseh-Handy populär machen

30.06.2005 ·  Schon heute ist Fernseh-Empfang auf Mobiltelefonen möglich. Es gibt unterschiedliche Geschäftsmodelle und viele technische Ansätze. Der Kunde wird für die Funktion tiefer in die eigene Tasche greifen müssen.

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Das Fernsehen auf dem Handy ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern wird spätestens zur Fußballweltmeisterschaft in kommenden Jahr den Massenmarkt erreichen. Bei der Suche nach Datenangeboten für den mobilen Nutzer haben die Netzbetreiber inzwischen das klassische Fernsehprogramm entdeckt.

Gerade im fußballbegeisterten Deutschland soll die Weltmeisterschaft für eine steigende Nachfrage nach dem Handy-TV sorgen. Auf diesem Wege soll das Handy einerseits als Lückenbüßer - beim Warten auf die U-Bahn - oder als Informationsquelle zum Beispiel über die Tore der Weltmeisterschaft genutzt werden. Die Netzbetreiber erhoffen sich davon einen steigenden Umsatz und vor allem die Belebung des Datengeschäftes, das bisher - trotz schneller UMTS-Netze - dahindümpelt und weit davon entfernt ist, die Hoffnungen zu erfüllen.

Viele Optionen sind möglich

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, das Mobiltelefon als Fernsehempfänger einzusetzen. Auf der einen Seite können die bewegten Bilder über die neuen UMTS-Netze mit hoher Datenrate auf das Gerät übertragen werden. Der Nachteil dieser Variante ist allerdings, daß der Datenverkehr über das UMTS-Netz nicht nur teuer ist, er frißt zudem viel Netzkapazität, wenn in einer Funkzelle viele Nutzer gleichzeitig auf die Angebote zurückgreifen wollen. Schon heute setzt vor allem Vodafone auf das UMTS-TV und überträgt neben Nachrichtensendungen auch die Wok-WM von Stefan Raab und die Serie "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" sowie eine Vielzahl anderer Sendungen auf UMTS-Telefone.

Auf der anderen Seite gibt es die Möglichkeit, das Handy - völlig unabhängig vom Mobilfunknetz - mit einem Fernseh-Empfänger auszustatten. Dann nutzt das Gerät ein öffentliches Bildsignal, das nach dem speziell für mobile Endgeräte angepaßten Standard DVB-H (Digital Video Broadcasting for Handheld) ausgestrahlt wird. DVB-H ist das Pendant zum derzeit viel beworbenen DVB-T, dem digitalen "Überallfernsehen", das die analogen Fernsehsender in Deutschland in vielen Regionen schon abgelöst hat. Eine weitere Möglichkeit ist der Versand der Daten über das in Südkorea entwickelte, Digital Multimedia Broadcasting (DMB) genannte Verfahren, das - grob gesagt - ähnlich wie DVB-H funktioniert.

Verschiedene Geschäftsmodelle

Als einer der ersten Anbieter hat vor kurzem T-Mobile angekündigt, während der Weltmeisterschaft mit einem DVB-H-Angebot an den Spielorten präsent zu sein. Die Nachteile dieser Technik: Der Betreiber der Sendeanlage braucht eine entsprechende Funklizenz der Landesmedienanstalten. Der Nachteil für den Verbraucher: Er braucht ein neues Mobiltelefon, das in der Lage ist, die DVB-H- oder DMB-Signale zu empfangen. Setzt sich diese Technik durch, wird es aber nicht mehr lange dauern, bis die Integration dieser Empfänger zur Standardausstattung der Handys gehören wird, zumal der Einkaufspreis für einen solchen Mini-Empfänger bei rund 5 Dollar liegt.

Hinter den beiden unterschiedlichen Zugangswegen des Fersehsignals zum Handy stecken aber auch zwei verschiedene Geschäftsmodelle. Während Vodafone die volle Kontrolle über das UMTS-Fernsehen hat, da es über sein Netz geleitet wird, stehen die Mobilfunkgesellschaften beim DVB-H zunächst außen vor, wenn sie nicht selber die Sendeanlagen betreiben und erst nach Freischaltung des Handys den Zugang zu einem verschlüsselten DVB-H-Signal kontrollieren. Unverschlüsselt versendete Bilder könnten mit jedem entsprechend ausgestatteten Handy empfangen werden, und der Netzbetreiber hätte keine Chance auf Umsatz.

Weniger Subventionen

Daher kann davon ausgegangen werden, daß die DVB-H-Handys, die schon von einigen Herstellern wie Nokia oder Samsung angekündigt wurden, von den Netzbetreibern nicht in dem Umfang subventioniert werden wie andere Mobiltelefone. Schon heute sind die Anbieter enttäuscht darüber, daß die inzwischen in den meisten Handys integrierte Kamera nur marginal zu einem wachsenden Versand von Bildern über das Mobilfunknetz geführt hat.

Wenn Subventionen jetzt auch noch für teure Fernsehhandys mit DVB-H gezahlt werden sollen, obwohl die Fernsehinhalte frei zugänglich sind, könnte die Geduld ein Ende haben. Wahrscheinlich wird der Kunde daher für Geräte mit diese Funktion tiefer in die eigene Tasche greifen müssen.

Quelle: jcw., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2005
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