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Umgang mit Alzheimer Rudi Assauers Mut

03.02.2012 ·  Rudi Assauer leidet schon seit ein paar Jahren an Alzheimer. Das teilt er den Menschen dieser Tage mit. Die „Stimme Schalkes“ spricht für viele, deren Leiden das eigene Ich wegreißt.

Von Roland Zorn
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Rudi Assauer war die Stimme Schalkes. Jahrelang regierte er diesen königsblau kolorierten Klub des Volkes: praktisch, unkompliziert und geradeaus. Macher und Macho zugleich, schien dieser Westfale mit unbändiger Kraft und unerschütterlichem Selbstbewusstsein gesegnet. Der Manager des FC Schalke 04 gehörte zu den Männern mit Charisma in der Fußball-Bundesliga. Er liebte das Leben und seinen Verein, für den er, der mit dem Erzrivalen Borussia Dortmund 1966 den ersten Europapokal (der Pokalsieger) nach Deutschland holte, nie gespielt hat. Die Menschen mochten diesen unverstellten Profi, der von der Basis kam und sein Spiel so einfach schildern konnte wie es in Wirklichkeit auch ist.

Die Stimme Schalkes ist noch immer unverkennbar. Sie besitzt aber nicht mehr die Prägnanz, die Klarheit und Eindringlichkeit wie früher. Rudi Assauer leidet schon seit ein paar Jahren an Alzheimer. Das teilt er den Menschen dieser Tage, da eine Autobiographie erscheint, selbstmitleidlos mit. „Ich möchte mich nicht vergessen“, hat er einmal gesagt, als er längst Bescheid wusste, dass er den Kampf gegen diese Krankheit verlieren würde. Wer den Siebenundsechzigjährigen dieser Tage wie am Freitag im Fernsehen hört und sieht, spürt auf Anhieb, wie schrecklich ein Leben sein muss, das einen wie ihn vom eigenen Ich wegreißt. Um so bewundernswerter Assauers Mut, darüber zu reden und zu berichten, wie „auf einmal alles vorbei ist“.

Es soll rund 1,3 Millionen Deutsche geben, die gegen diese Form von Demenz hilflos sind. Assauer hat ihnen seine Stimme gegeben und vielen geholfen, Menschen, die dieses Los zu ertragen haben, etwas besser zu verstehen. Deshalb war es wohl auch richtig in einer Zeit, da Privates immer öffentlicher wird, noch einmal auf die Menschen zuzugehen. Geraunt wurde über sein Leiden ja schon lange und so wäre es auch geblieben, hätte dieser immer noch wie aus dem Ei gepellt daherkommende, immer noch Zigarren paffende Manager von gestern weiter geschwiegen. Assauer hat es wohl anders gewollt - eine mutige letzte Selbstverfügung, die der frühere Zampano da getroffen hat. Nun muss über ihn nicht mehr getuschelt werden, der seit Jahren Angst vor dieser Krankheit hatte, die schon andere aus der Assauer-Familie schwer getroffen hat.

Mag so manches, was in Wort und Bild über kranke und gebrechliche Menschen von einiger Prominenz ausgebreitet wird, eher sensationslüstern als aufklärerisch, geschweige denn nächstenlieb gemeint sein, so hebt sich der Fall der jahrelang besonders standhaft anmutenden Schalker Ikone davon ab. Hoffnung kann er damit anderen nicht machen. Der große Respekt aber bleibt vor einem, der noch einmal die große Bühne betreten und seinen Abschied erklärt hat.

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