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Ukrainische Liga aufgelöst Fußball jenseits der Gesetze

14.07.2009 ·  Die Europäische Fußball-Union ist irritiert. Wieder hat eine Schreckensmeldung aus dem fragilen Ausrichterland der EM 2012 die Uefa aufgeschreckt. Diesmal hat die Justiz die Premjer-Liga aufgelöst, die höchste ukrainische Spielklasse. Das Chaos hat einen weiteren Höhepunkt erreicht.

Von Michael Horeni
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Die Europäische Fußball-Union ist irritiert. Aber dieses Gefühl ist der Verband mittlerweile gewohnt, wenn es um die Ukraine geht. In den vergangenen Tagen hat mal wieder eine Schreckensmeldung aus dem fragilen Ausrichterland der Europameisterschaft 2012 die Uefa aufgeschreckt. Es geht dabei ausnahmsweise nicht um neue Querelen und weitere Verzögerungen bei den ohnehin arg schleppenden Vorbereitungen auf die EM bei Polens schwächelndem Partner. Diesmal hat die Justiz die Premjer-Liga aufgelöst, die höchste ukrainische Spielklasse. Die Statuten für den Spielbetrieb, so die Richter in Kiew, entsprächen nicht dem Gesetz.

Alle Ergebnisse des Meisterschaftsbetriebs seit dem Jahr 1996 wurden für hinfällig erklärt. Aber auf eine offizielle Reaktion des ukrainischen Fußball-Verbandes oder der Profiliga wartet die Uefa trotz des sportpolitischen Erdbebens bisher vergebens. „Wir haben davon gehört. Aber wir sind nicht informiert worden, obwohl wir mit der Champions League und der Europa League betroffen sind“, sagte ein Uefa-Sprecher am Montag. Den Vorgang an sich wolle man nicht kommentieren. In den kommenden Tagen verlangt die Uefa jedoch dringend Aufklärung über die unübersichtliche Lage in der Ukraine. Immerhin stellt das Land, das zuletzt einen großen sportlichen Aufschwung feierte, mit Schachtjor Donezk den Sieger des im Mai letztmalig vergebenen Uefa-Pokals sowie mit Meister Dynamo Kiew auch einen starken Vertreter für die Champions League.

Ein dutzend Oligarchen kontrollieren den Fußball

Das Chaos im ukrainischen Fußball hat mit dem Urteil jedenfalls einen weiteren Höhepunkt erreicht. Der Spitzenklub Dnjepr Dnjepropetrowsk hatte die Justiz angerufen und Klage wegen formaler Fehler in den Ligastatuten bei der Registrierung eingereicht. Als Hintergrund für die juristische Auseinandersetzung werden in der Ukraine allerdings interne Machtkämpfe unter den Vereinen und den sie lenkenden Oligarchen gesehen. Bei den jüngsten Wahlen des Ligapräsidiums, so heißt es, seien mehrere Klubs äußerst unzufrieden mit der Postenverteilung gewesen. Das juristische Hickhack sei nur eine Fortsetzung dieses Machtgerangels. In dieser Woche, so heißt es aus der Ukraine, wollen die Klubbesitzer zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um die Lage zu klären. Eile ist geboten. Die neue Saison soll an diesem Freitag beginnen. „Wir haben bis zum 23. Juli Zeit für eine neue Regelung“, sagt ein Sprecher der Premjer-Liga. Der Saisonstart sei nicht gefährdet, der ukrainische Fußball-Verband sei mit dem Vorgehen einverstanden.

Die sich anbahnende ukrainische Lösung des Problems – die Oligarchen mit Verbandspräsident Surkis an der Spitze suchen auf ihre Weise einen Interessenausgleich – ist aber genau ein Teil des Problems, das die Justiz in ihrem Urteil beanstandet. Die Richter kritisierten ausdrücklich die Besitzverhältnisse in der Premjer-Liga. Zwar werden alle Klubs von verschiedenen Eigentümern geführt. Aber tatsächlich kontrollieren damit nur rund ein Dutzend Oligarchen nahezu den gesamten Fußball des Landes.

Eine Quittung für Dnjepropetrowsks EM-Ausschluss?

Die Klage aus Dnjepropetrowsk, so wird in der Ukraine auch gemutmaßt, könnte in zweiter Linie auch mit der EM zusammenhängen – als Quittung für den Ausschluss. Die Uefa hatte im Mai nur Kiew als ukrainischen Austragungsort bestätigt. Donezk, Charkow und Lemberg können aber noch bis zum 30. November in einer Mammutaufgabe die Kriterien nacharbeiten. Dnjepropetrowsk und Odessa sind jedoch schon endgültig gestrichen – für die dort ansässigen Oligarchen eine Niederlage, die womöglich auch kompensiert werden will.

Die Zweifel an der EM-Tauglichkeit der Ukraine sind in den vergangenen Wochen und Monaten immer weiter gewachsen. Michel Platini hatte Anfang Juli erstmals Deutschland als möglichen Ersatzausrichter der EM in Polen und der Ukraine offiziell ins Gespräch gebracht. „Wenn wir nicht in der Ukraine spielen, dann müssen wir zwei andere Stadien finden. Wir werden sehen, wer sich präsentieren wird“, sagte der Uefa-Präsident der Sportzeitung „L’Équipe“. Auf die Frage, ob Leipzig und Berlin mögliche Alternativen seien, antwortete Platini, dies sei „eine Variante“.

Zu Beginn des Monats hatte das Parlament in Kiew nach einem dramatischen Appell des Staatspräsidenten Juschtschenko dringend benötigtes Geld für die EM 2012 freigegeben. Trotz der schweren Folgen der Finanzkrise wurden rund 930 Millionen Euro für Infrastrukturmaßnahmen bewilligt. In der Vorwoche jedoch hat die ukrainische Regierung das Budget für die EM weiter gesenkt. Nachdem zunächst rund 15,2 Milliarden Euro für die EM veranschlagt worden waren, ist der Betrag laut dem ukrainischen Wirtschaftsministerium auf 11,8 Milliarden Euro geschrumpft. Mehr als acht Milliarden Euro sollen dabei von privaten Investoren fließen – dabei handelt es sich vornehmlich um jene Oligarchen, die auch den ukrainischen Fußball beherrschen.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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