Franz Beckenbauer wirft den Hut in den Ring und schreckt auch vor einem Zweikampf mit dem Franzosen Michel Platini um das Amt des Uefa-Präsidenten nicht zurück. Nachdem sich das DFB-Präsidium am vergangenen Freitag bereits einstimmig für seine Kandidatur ausgesprochen hatte, äußerte sich der „Kaiser“ am Mittwoch erstmals ausführlich über seine Pläne, die Nachfolge des Schweden Lennart Johansson als Uefa-Boß anzutreten.
„Das Interesse ist da. Ich habe in meinem Leben schon immer Verantwortung übernommen“, habe mich dabei meist von meinem Gefühl leiten lassen und gar nicht groß darüber nachgedacht, ob ich denn möglicherweise scheitern könnte“, erklärte Beckenbauer in einem Interview mit dem DFB-Pressedienst und fügte hinzu: „Nun wäre die Präsidentschaft für einen so erfolgreichen Verband wie die Uefa eine Herausforderung, die mich reizen könnte.“
Mit dem Gedanken angefreundet
Ursprünglich war Beckenbauer von dem frühzeitigen Vorstoß von DFB-Präsident Theo Zwanziger ein bißchen überrumpelt worden, nun aber scheint er sich tatsächlich mit dem Gedanken anzufreunden, um die Uefa-Präsidentschaft zu ringen. Der OK-Chef für die WM 2006 in Deutschland müßte sich bei der Wahl 2006 oder 2007 allerdings gegen Platini durchsetzen. Frankreichs Fußball-Idol hatte seine Kandidatur bereits vor Beckenbauer offiziell gemacht und seine Pläne in mehreren Interviews schon klar umrissen.
„Jeder hat das Recht, so vorzugehen, wie er dies für richtig hält. Platini war schon immer ein Mann mit Ambitionen. Im Anschluß an seine großartige aktive Laufbahn hat er mit der erfolgreichen Durchführung der WM 1998 und seiner anschließenden Berufung in die Exekutive von Fifa und Uefa sehr viel Know how und Erfahrung gewonnen“, meinte Beckenbauer über seinen Kontrahenten.
Platini wenig diplomatisch
Erfreulicherweise arbeite Platini auch im Kuratorium für die WM 2006 mit. „Wir haben uns in den letzten Jahren sehr oft getroffen, und ich schätze ihn sehr.“ Platini hatte sich zuvor über den möglichen Gegenkandidaten Beckenbauer weniger diplomatisch geäußert.
„Bis 2006 ist er erst einmal mit seiner Weltmeisterschaft beschäftigt. Danach kann er tun und lassen, was er will. Es wäre nur schade, wenn Beckenbauer mich gerade in dem Jahr, in dem ich mich präsentiere, bekämpfen würde. Er hätte sich doch schon vor zehn Jahren bewerben können“, sagte der 49 Jahre alte Europameister von 1984 in einem Interview in der „Sport Bild“.
Wann wird gewählt?
Wann der Nachfolger des 75 Jahre alten Lennart Johansson gekürt werden soll, steht noch nicht fest. Die Uefa will auf ihrem Kongreß im April in Tallinn beschließen, ob die von der Fifa ausgesprochene Empfehlung angenommen wird, die Wahl um ein Jahr auf 2007 zu verschieben.
Fifa-Präsident Josef Blatter hatte für eine Angleichung der Wahltermine von Fifa und Uefa plädiert. Beckenbauer wollte denn auch nichts überstürzen. „Ich bin dafür, Schritt für Schritt vorzugehen. Zunächst einmal geht es um die Entscheidung von Lennart Johansson. Ob er nach dieser Amtsperiode definitiv aufhört, ist meines Wissen noch gar nicht klar und verkündet. Gegen Lennart würde ich nie antreten“, erklärte der „Kaiser“.
Geduldspiel
Danach müsse man erst die Entscheidung beim Uefa-Kongreß über den Wahltermin 2006 oder 2007 abwarten. „Erst wenn diese beiden Punkte abgehakt sind, haben wir die klare Situation, die wir in einer solch wichtigen Angelegenheit benötigen.“
Aber auch für den wahrscheinlichen Fall eines direkten Duells mit Michel Platini hatte Beckenbauer keine Bedenken. „Wenn es dazu kommen sollte, würde ein solcher Wahlkampf absolut fair und sauber laufen - da bin ich mir ganz sicher“, sagte der Präsident des FC Bayern München und mahnte wieder Geduld an: „Wir wissen noch nicht einmal, ob es noch weitere Anwärter gibt. Daher nochmals: Warten wir ab, es braucht nichts überstürzt zu werden.“