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Uefa-Cup 3:1 gegen Udine - Ausweichmanöver im Schaufenster

09.04.2009 ·  Nach dem 3:1-Hinspielsieg gegen Udine im Viertelfinale des Uefa-Cups hat sich Bremen ein gutes Polster für das Rückspiel nächsten Donnerstag verschafft. Im Mittelpunkt bei Werder steht immer wieder Diego - nicht nur auf dem Platz.

Von Sebastian Stiekel, Bremen
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Der Reporter des italienischen Staatsfernsehens ließ nicht locker. Wenn es schon kein Verteidiger von Udinese Calcio geschafft hatte, hartnäckig an Diego dranzubleiben, so wollte wenigstens er das nach dem Spiel tun. Also fragte er den Mittelfeldstar von Werder Bremen: „Wechseln Sie im Juli nach Italien?“ Diego antwortete: „Ich habe noch einen Vertrag in Bremen.“ Der nächste Versuch: „Würden Sie lieber für Juventus Turin spielen oder für Inter Mailand?“

Auch dem wich Diego aus: „Ich fühle mich hier sehr wohl.“ Das Gespräch geriet etwas ins Stocken, aber der Reporter gab nicht auf: „Würden Sie lieber neben Ibrahimovic (Inter) oder del Piero (Juventus) spielen?“ Diego lächelte höflich, aber er sagte auch jetzt nur, was er auf solche Fragen immer sagt: „Ich werde mich nach der Saison mit Werder zusammensetzen und sehen, was für mich und den Verein das Beste ist.“ (siehe auch: Fußball kompakt: Adriano pausiert - Diego dementiert - Toni fordert)

Mertesacker: „Wir brauchen im Rückspiel mindestens ein Tor“

Aus italienischer Sicht war das ein völlig unbefriedigender Donnerstagabend im Bremer Weserstadion. Das Fernsehen stellte drei Fragen und bekam nicht eine Antwort mit Neuigkeitswert. Udinese Calcio hatte sieben gute Chancen und machte daraus nur ein Tor. Werder Bremen gewann das Hinspiel des Uefa-Cup-Viertelfinals mit 3:1 und hat dadurch gute Aussichten auf ein Weiterkommen. Da die Italiener aber besser spielten, als es das Ergebnis aussagt, und Fabio Quagliarella in der 87. Minute wenigstens ein Auswärtstor für sie erzielte, ist dieses Europacup-Duell noch nicht entschieden.

„Das war es noch lange nicht für uns“, sagte Per Mertesacker. „Wir brauchen im Rückspiel mindestens ein Tor.“ Sicher ist rund um dieses Spiel also nur, dass die Spekulationen über einen Wechsel von Diego anhalten werden. Wie schon in den Partien gegen den AC Mailand stellte sich der Brasilianer in Italien quasi selbst ins Schaufenster. Sein Tor zum 1:0 (34. Minute) hätten andere vielleicht auch noch hinbekommen: Diego traf mit einem Flachschuss aus 16 Metern. Sein Treffer zum 2:0 (67.) aber „war genial“, so Sportchef Klaus Allofs, „das schaffen nicht viele.“ Diego spielte im Strafraum einen Gegner aus und schlenzte den Ball in den oberen Torwinkel.

Diegos Vater und Berater arbeitet intensiv am Wechsel

Am 3:0 (69.) war er ausnahmsweise nicht beteiligt, das schoss Hugo Almeida. Aber da war der Beweis schon erbracht, dass ein Spieler wie Diego in derart engen Partien „den Unterschied macht“ (Allofs), dass er sie mit seiner individuellen Klasse allein entscheiden kann. Die Bremer hatten Probleme mit der Konzentration und einem gut organisierten Gegner, sie spielten sich nur wenige Chancen heraus, aber sie hatten ja Diego. Udine ließ zumindest bis zum Strafraum den Ball besser laufen, besaß in der zweiten Halbzeit eine Reihe guter Möglichkeiten, aber den Italienern fehlte ihr verletzter Nationalstürmer Antonio di Natale.

So wird von dem Spiel zumindest in Italien nur hängenbleiben, dass man diesen Diego schleunigst über die Alpen holen sollte. Die Zeitung „Tuttosport“ schreibt, dass sein Wechsel zu Juventus längst perfekt sei. Dem ist natürlich nicht so, weil das letzte Wort darüber Werder hat. Aber ein Verkauf von Diego ist deutlich konkreter als der umgekehrt kolportierte Transfer des Schalkers Kevin Kuranyi nach Bremen. Vor allem Diegos Vater und Berater Djair da Cunha arbeitet intensiv am Wechsel seines Sohnes.

„Er findet bei uns ein Team vor, das viel für ihn arbeitet“

Die Bremer Mannschaft reagiert derweil zunehmend genervt darauf, dass man sie in der Öffentlichkeit gern auf ihren Spielmacher reduziert. Per Mertesacker sagte nach dem Spiel: „Er findet bei uns ein Team vor, das viel für ihn arbeitet. Er kann vorne machen, was er will, das gibt es nicht oft auf der Welt.“ Auch Torsten Frings, der intern größte Diego-Kritiker, meinte: „Er genießt sehr viele Freiheiten, die muss er eben auch nutzen. Tore schießen gehört zu seinen Aufgaben.“

Das Spiel gegen Udine zeigte aber auch, dass Werder auf einen Weggang von Diego gut vorbereitet wäre. Mit Mesut Özil stünde ein Nachfolger in den eigenen Reihen bereit, er legte dem Brasilianer am Donnerstag beide Tore auf. „Er ist ein sehr guter Spieler, durch ihn kann ich mich noch besser entfalten“, lobte Diego. Und das Gute für Werder ist: Für Özil hat sich trotz starker Leistungen gegen Udine und Milan noch kein italienischer Reporter interessiert.

Werder Bremen - Udinese Calcio 3:1 (1:0)
Bremen:
Wiese - Fritz, Mertesacker, Naldo, Boenisch (82. Pasanen) - Frings - Tziolis, Özil (76. Niemeyer) - Diego - Pizarro, Hugo Almeida (71. Hunt). - Trainer Schaaf
Udine: Handanovic - Domizzi, Zapata, Felipe, Pasquale - Inler (84. Obodo), Asamoah - D“Agostino - Pepe (71. Flores), Quagliarella, Sanchez. - Trainer Marino.
Schiedsrichter: Laurent Duhamel (Frankreich)
Tore: 1:0 Diego (34.), 2:0 Diego (67.), 3:0 Almeida (69.), 3:1 Quagliarella (87.)
Zuschauer: 32.548
Gelbe Karten: Tziolis, Frings - Pasquale

Quelle: F.A.Z.
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