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Uefa-Chef Platini : An der Leine von Qatar?

Michel Platini: Qatar gewählt Bild: AP

Wie eng sind die Verbindungen zwischen Franzosen und Qatarern? Und wie unabhängig ist Michel Platini? Das Bild des sympathischen Pragmatikers an der Spitze der Uefa bekommt Risse.

          Als Michel Platini im Januar 2007 bei einer Kampfabstimmung den fast 80 Jahre alten Lennart Johansson besiegte und den Präsidentenposten bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa) vom greisen Schweden übernahm, wirkte das wie eine Befreiung vom alten Funktionärsmuff. Fortan stand die Organisation mit dem einstigen Weltklassespieler an der Spitze für mehr Offenheit und einen vom Solidargedanken geprägten Stil - sozusagen als Gegenmodell zum raffgierigen Altherrenklub beim Fifa-Weltverband. Inzwischen ein weiteres Mal als Uefa-Chef bestätigt, erhielt der 57 Jahre alte Platini viel Lob für seine Initiative zur Regulierung des wild gewordenen Fußballmarktes. Das sogenannte Financial Fairplay soll in Zukunft den Rahmen schaffen für einen solideren Wettbewerb unter den Vereinen. Schön und gut. Jetzt aber hat Platini ein Problem.

          Das Bild des sympathischen Pragmatikers, der sich ohne Pardon dem Gesamtwohl des Fußballs verpflichtet sieht, bekommt Risse. Und das nicht erst, seitdem das französische Fachmagazin „France Football“ behauptet, dass Platini auf Drängen des damaligen Präsidenten Frankreichs, Nicolas Sarkozy, in seiner Funktion als Fifa-Vorstandsmitglied Qatar die Stimme bei der WM-Vergabe für 2022 gegeben hätte. Schon länger ist zu hören von undurchsichtigen Verbindungen, einem sagenumwobenen Abendessen im Elysée-Palast, bei dem wenige Tage vor der WM-Wahl im Jahr 2010 zwischen Franzosen und Qatarern angeblich ein Tauschhandel verabredet wurde.

          Dahinter steckt vermutlich ein aufgeklärter Kopf: Wie eng sind die Verbindungen zwischen Qatar und Paris?
          Dahinter steckt vermutlich ein aufgeklärter Kopf: Wie eng sind die Verbindungen zwischen Qatar und Paris? : Bild: AFP

          Also: Platinis Stimme für das WM-Turnier im Wüstenemirat gegen den Einstieg der reichen Qatarer als Aufkäufer von Fernsehrechten in die französische Liga und später noch beim maroden Klub Paris Saint-Germain. Alles für sich hat so stattgefunden - Platini bestätigte, Qatar gewählt zu haben, auch das Abendessen bei Sarkozy gab es. Der große kausale Zusammenhang einer gezielten Absprache wird allerdings von Platini abgestritten. Aber natürlich wüsste man schon gerne, weshalb ausgerechnet sein Sohn Laurent prompt nach Qatars überraschendem WM-Coup eine hohe Position beim Sport-Investmentfonds des Emirats erhalten hat, der wiederum Eigentümer des neuen Pariser Vorzeigeklubs Saint-Germain ist. Zumindest könnte hier ein Interessenkonflikt vorliegen.

          Wie unabhängig ist er?

          Selbstverständlich stellt sich inzwischen die Frage nach der Integrität Platinis. Wie unabhängig ist er? Wem dient einer der mächtigsten Fußballfunktionäre der Welt wirklich? Während Paris Saint-Germain von den Qatarern gerade mächtig aufgerüstet wird und dafür auch einen Sponsorenvertrag in noch nie dagewesener Höhe erhalten hat, der fundamental dem Financial Fairplay widerspricht, erwartet die Fußballbranche endlich eine Reaktion der Uefa - und von Platini.

          Aber statt Klarheit in den Fall zu bringen und auch seine möglichen persönlichen Verquickungen aufzuklären, schießt Platini um sich. Er droht nun jedem mit einer Klage, der seine Redlichkeit in Zweifel zieht. Das erinnert doch sehr an die üblichen Reflexe einer selbstgefälligen Sportfunktionärs-Kaste, die sich nie um Transparenz geschert hat.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

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          Quelle: F.A.Z.

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