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Veröffentlicht: 16.02.2013, 19:42 Uhr

Überfall auf Fanbeauftragte Brutaler Tabubruch

Nicht selten kommen rechtsextreme Straftäter aus dem Umfeld des BVB. Nach einem Überfall auf Fanbeauftragte der Borussia soll nun der Kampf gegen Neonazigruppen verstärkt werden.

von Olaf Sundermeyer, Dortmund
© imago sportfotodienst Versteckt in der Masse: Rund 100 Neonazis sollen sich im Fanumfeld des BVB rumtreiben

Der Angriff kam in einem Augenblick völliger Arglosigkeit, als einer der nach Donezk mitgereisten Dortmunder Neonazis dem Sozialarbeiter Thilo Danielsmeyer den ersten Schlag ins Gesicht versetzt. Das Opfer ist allein auf der Toilette. Es ist ein schutzloser Moment. „Dann geht die Tür auf, jemand kommt rein und schreit mich plötzlich an. Ich drehe mich um und habe schon eine Faust im Gesicht“, erinnert sich der erfahrene Mitarbeiter des Dortmunder Fanprojekts. Die Täter sind zu zweit. Einer schlägt immer wieder zu, der zweite hält ihm den Rücken frei und sorgt dafür, dass kein Zeuge den Raum betritt.

So beschreibt es Danielsmeyer - zurück in Dortmund. „Er hat mich getreten, auch in den Rücken, und schließlich hat er immer wieder versucht, meinen Kopf gegen die Wand zu schlagen. Ich habe um Hilfe geschrien, aber das hat lange niemand gehört, weil ja das Spiel lief.“

Angeblich hundert Neonazis im Fanumfeld

Der brutale Angriff auf der Toilette während der Champions-League-Partie der Dortmunder am Mittwoch in Donezk dauert zwei Minuten, die Täter sind voller Hass und schlagen zu. Schließlich haut ein herbeigeeilter Dortmund-Fan dazwischen, der die Hilfeschreie gehört hatte, und rettet Danielsmeyer vor den Neonazis. Die beiden mutmaßlichen Täter sind Brüder und Mitglieder der rechtsextremen Szene im östlichen Ruhrgebiet, das seit vielen Jahren zu den wichtigsten Neonazi-Hochburgen in Westdeutschland gehört.

Im vergangenen Herbst hat der BVB einer Gruppe von acht Neonazis Stadionverbote erteilt, die meisten von ihnen waren Mitglieder der im Sommer verbotenen Kameradschaft „Nationaler Widerstand Dortmund“. Seither suchen Klubführung und polizeilicher Staatsschutz fieberhaft nach weiteren Aktivisten, von denen sich rund 100 im Dortmunder Fanumfeld tummeln. Aber die meisten von ihnen fallen - bei den Heimspielen zumindest - nicht auf.

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Danielsmeyer kennt sie fast alle. Bisher galten die Mitarbeiter des Fanprojekts als unantastbar unter den BVB-Anhängern, selbst unter den Rechtsextremisten. Die Schläge in Donezk waren ein Tabubruch. So sieht es auch der Verein, der die mutmaßlichen Angreifer umgehend mit einem Stadionverbot belegt hat. Ursprünglich waren sie zu dritt und hatten zuvor bereits den beim BVB angestellten Fanbeauftragten Jens Volke attackiert. Auch er ist seit Monaten im Visier rechter Fans. Seitdem der Verein sich aktiv um das Problem kümmert, das er jahrelang verschwiegen hat.

Neben den Stadionverboten wurde zuletzt die Ordnerzahl im eigenen Stadion aufgestockt, man zog einen Fanforscher zu Rate und gründete einen runden Tisch, an dem auch Polizisten, Fanarbeiter sowie erfahrene Mitarbeiter der Stadt Dortmund sitzen. Der Druck auf die Neonazis ist jetzt sehr hoch, inzwischen auch von Seiten des BVB. Und Thilo Danielsmeyer bekam ihren Unmut darüber zu spüren. „Immer wieder hat der Angreifer geschrien ‚Dortmund bleibt rechts‘ und ‚Ihr kriegt uns nicht kaputt‘“, sagt er.

Seit Jahren ein rechtsextremes Problem

Danielsmeyer ist ein besonnener Mann, der in Fankreisen beliebt ist. Aber lange Zeit war er der Einzige im Umfeld des BVB, der das Problem mit den Rechtsextremisten auf der Tribüne offen angesprochen hat. Nirgendwo in Nordrhein-Westfalen kommt es zu mehr rechtsextremen Straftaten als in der Gegend von Dortmund. „Und nicht selten sind die Täter aus dem großen Fanumfeld des BVB“, sagt die Rechtsextremismusforscherin Claudia Luzar von der Universität Bielefeld.

Sie ist wissenschaftliche Leiterin einer Beratungsstelle für Opfer von Neonazis und mahnt seit Jahren schon das rechtsextreme Problem beim BVB an. Sie zeigte sich besonders betroffen, dass der Angriff der Neonazis ausgerechnet einem Mitarbeiter des Fanprojekts galt. „Diese Attacke geht gegen alle friedlichen Fans dieses elektrisierenden Vereins, der so vielen Menschen Freude bereitet“, sagte sie.

Vielfalt schwarz-gelber Fankultur

Wie Danielsmeyer fordert Frau Luzar nun ein deutliches Zeichen der gesamten BVB-Anhängerschaft gegen rechts. „Ich hoffe, dass dieser Angriff alle im Umfeld des BVB wachgerüttelt hat“, sagte Danielsmeyer, bevor er an diesem Samstag wie vor jedem Heimspiel den kleinen Fanladen des Fanprojekts unter der Südtribüne im Dortmunder Stadion fürs Frankfurt-Spiel öffnete. Ein Treffpunkt für alle, die sich zur Vielfalt der schwarzgelben Fankultur bekennen. „Das muss jetzt der Wendepunkt sein.“ Vor der Partie gegen die Eintracht organisierte die Fanabteilung ein 50 Meter langes Banner mit der Aufschrift „Borussia verbindet Generationen, Männer und Frauen, alle Nationen“. Es hing auf der Osttribüne, der Hauptsponsor des Klubs verzichtete auf eine Werbebande. Gegen alle drei mutmaßlichen Täter läuft ein Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung.

Quelle: F.A.S.

 

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