Home
http://www.faz.net/-gtm-12yts
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

U21 Spielball der Eitelkeiten

22.06.2009 ·  Diesen Montag spielt die U21 gegen England um die erste Qualifikation für ein EM-Halbfinale seit 27 Jahren. Doch der Kampf um die Macht über die Junioren-Nationalmannschaft stört das Vorhaben. Nicht nur Trainer Hrubesch ist genervt.

Von Gregor Derichs, Tollered
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Auf dem Trainingsplatz in Floda sitzt er entweder mutterseelenallein auf einer Holztribüne oder verdrückt sich in eine Ecke der Trainerbank. Matthias Sammer schaut sich jedes Training der deutschen U-21-Mannschaft an, ob bei Hagel, Regen oder anderen Kapriolen des launischen schwedischen Sommerwetters. Und sagen will der Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auch nichts.

Horst Hrubesch ist es recht, wenn an dem gepflegten Rasenplatz in der Weite von Västergotland nicht zu viel palavert wird. Dem Trainer ging es in den vergangenen Tagen gehörig auf die Nerven, dass seine Mannschaft in der Außendarstellung des DFB zum Spielball von Animositäten und Eitelkeiten wurde. Dabei sollen Hrubesch und seine Junioren ein Ziel erfüllen, das für den DFB historische Dimensionen besitzt. Mit dem 2:0 gegen Finnland (siehe auch: U21-EM: Deutschlands Nachwuchs schießt endlich Tore) hat das Team nach dem 0:0 gegen Spanien (siehe auch: 0:0 gegen Spanien: Deutsche Junioren vergeben den Sieg) einen weiteren Schritt vollzogen, in der höchsten Nachwuchsaltersklasse erstmals Europameister zu werden. Ein Punkt gegen England an diesem Montag im letzten Gruppenspiel in Halmstad würde erstmals seit 27 Jahren zum Einzug in das EM-Halbfinale führen.

Im Erfolgsfall möchten sich viele mit den Federn schmücken. Um die Zuständigkeit für das U-21-Team ist ein schon lange schwelender Kompetenzstreit neu entfacht worden. Die Kontrahenten sind die Obersten des sportlichen Bereichs im DFB: Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff stehen gegen Sammer. Alle hielten sich im DFB-Quartier in Tollered auf. Als Löw und Bierhoff das Hotel verließen, um nach kurzen Heimataufenthalten in den nächsten Tagen den Confederations Cup in Südafrika zu besuchen, hoffte Hrubesch auf Entspannung. „Ich bin nicht so blauäugig, zu sagen, dass die Mannschaft nichts davon mitkriegt“, erklärte der Trainer.

„Wir freuen uns, dass sie da sind. Aber für uns sind sie nicht wichtig“

Löw und Bierhoff agierten bewusst zurückhaltend. Anders als Sammer, der quasi als Bestandteil des U-21-Umfelds betrachtet wird, verfolgte Löw nicht das Training der Junioren. Die Spieler nahmen lediglich zur Kenntnis, dass die Trainer-Dichte ungewöhnlich hoch war, denn in der Person von Rainer Adrion war auch noch der künftige U-21-Coach zur Stelle. „Wir freuen uns, dass sie da sind. Aber für uns sind sie nicht wichtig“, sagte Manuel Neuer. Am Tag des Spiels gegen die Finnen fand eine Telefonkonferenz statt, an der Sammer, Bierhoff und Löw aus Schweden, DFB-Präsident Theo Zwanziger aus Altendiez sowie DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach und DFB-Medienchef Harald Stenger aus Frankfurt teilnahmen.

Zwanziger sprach ein Machtwort, betonte Löws Spitzenstellung in der Hierarchie und wies Sammer in die Schranken (siehe auch: DFB: Zwanzigers Machtwort soll Kompetenzstreit schlichten). Der Sachse hatte vor Turnierbeginn in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung anklingen lassen, die U-21 als letztes Junioren-Team in seinen Verantwortlichkeitsbereich integrieren zu wollen. Die Zuständigkeit für die U-21 ist im Organigramm des DFB und in den Verträgen der Angestellten nicht eindeutig geklärt (siehe auch: Matthias Sammer: „Wir machen noch große Fehler mit unseren jungen Profis“). Sammer wurde 2006 als Sportdirektor installiert – gegen den Willen von Löw und Bierhoff.

Während des Spiels gegen die Finnen hatte Sammer in Halmstad auf der Tribüne nicht neben Löw, Bierhoff und Köpke gesessen, sondern zwei Reihen höher. Aber diese räumliche Distanz pflegen die Beteiligten häufiger. „Ich kann absolut verstehen, dass der Präsident in der jetzigen Phase so ein klares Wort sprechen muss“, sagte Sammer, als er später zu einigen Erklärungen bereit war. Er habe es unterschätzt, dass seine inhaltlichen Aussagen „personenbezogen diskutiert und falsch interpretiert werden“. Und er habe Zwanziger versichert, dass er Löw keineswegs antasten möchte.

Oliver Bierhoff: „Adrion hat eine ganz enge Bindung zu Löw“

Der Konflikt könnte künftig jedoch wieder ausbrechen. Bierhoff und Löw umgarnten in Schweden vor allem Adrion. Der beim VfB Stuttgart abgeworbene Trainer wird nach der EM die U-21 übernehmen und befindet sich in Schweden als Beobachter. Verpflichtet wurde der erfolgreiche VfB-Jugendtrainer Adrion auf Anregung von Sammer, um zunächst in den unteren Juniorenklassen zu wirken. Löw jedoch wünschte sich den neuen DFB-Coach für die U21.

„Adrion hat eine ganz enge Bindung zu Löw. Das ist wichtig für eine gute Kommunikation“, sagte Bierhoff. Die Verzahnung von U21 mit dem A-Team kann durch die Freundschaft noch enger abgestimmt werden – vorbei an Sammers Konzepten, die eigentlich gelobt werden. Hrubesch ist das Ganze eher suspekt. Die anderen kämpfen um Macht, er muss die Arbeit machen. „Die haben in keiner Weise damit was zu tun, weder der Jogi noch der Sammer.“

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   34  55   81 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   34  55   73 Gleichheit zur Vorwoche
3.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   34  30   64 Gleichheit zur Vorwoche
4.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   34  25   60 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   34  8   54 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   34  17   53 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   34  -4   48 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   34  -13   44 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   34  -9   42 Gleichheit zur Vorwoche
10.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   34  -11   42 Gleichheit zur Vorwoche
11.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   34  -6   41 Gleichheit zur Vorwoche
12.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   34  -16   40 Gleichheit zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   34  -4   39 Gleichheit zur Vorwoche
14.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   34  -13   38 Verbesserung zur Vorwoche
15.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   34  -22   36 Verschlechterung zur Vorwoche
16.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   34  -26   31 Verbesserung zur Vorwoche
17.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   34  -36   30 Verschlechterung zur Vorwoche
18.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   34  -30   23 Gleichheit zur Vorwoche

Nicht gewonnen, nicht verloren

Von Peter Heß

Im Formel-1-Tempo sollte in der durch Korruptionsvorwürfe durchgeschüttelten Fifa aufgeräumt werden. Im Moment bewegt sie sich mit der Geschwindigkeit eines Motorrollers. Mehr 1

Ergebnisse, Tabellen und Statistik