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U-21-Nationalmannschaft Ausweichmanöver nach dem Last-Minute-Sieg

16.10.2008 ·  Die deutschen U-21-Junioren schafften gegen Frankreich die EM-Qualifikation in einem Herzschlagfinale mit dem Siegtor in letzter Minute. Doch die Zweifel an Trainer Dieter Eilts wachsen vor dem Turnier 2009 in Schweden.

Von Christian Kamp, Metz
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Je länger Dieter Eilts redete, desto sicherer wurde man: Hier ist etwas beschädigt, ein Riss, der vielleicht nicht mehr zu kitten ist. Der Trainer der deutschen „U 21“-Auswahl wirkte nachdenklich, fast bedrückt, als er am Mittwochabend im Presseraum des Stade Saint-Symphorien von Metz vor die Mikrofone trat – dabei hatte seine Mannschaft doch gerade mit einem Last-Minute-Sieg gegen Frankreich die Qualifikation für die Fußball-Europameisterschaft der Junioren geschafft.

Die Fragen aber, die Eilts mit spürbarem Verdruss beantwortete, drehten sich fast ausschließlich um seine Person: Ob er denn überhaupt noch im Amt sein würde beim Saisonhöhepunkt im kommenden Juni in Schweden? Oder ob er nicht vielmehr seine baldige Ablösung befürchten müsse – trotz des 1:0-Sieges durch das Tor von Benedikt Höwedes in der 90. Minute? (siehe auch: 1:0 in Frankreich: Deutsche Junioren für EM qualifiziert)

„Was bis dahin passiert, weiß sowieso keiner“

Eilts spulte das ganze Repertoire der in solchen Fällen gängigen Ausweichmanöver ab: „Was bis dahin passiert, weiß sowieso keiner“, sagte er zum Beispiel. „Wenn es irgendwelche anderen Gedanken gibt, wird man mir das schon mitteilen.“ Oder: „Da müssen Sie die Offiziellen fragen.“ Vermeintliche Unverbindlichkeiten also, die in der Summe aber doch nur einen Schluss zuließen: Hier sitzt ein Trainer, der wirklich nicht weiß, wie es mit ihm weitergeht – und über die Art und Weise, wie seine Vorgesetzten beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit ihm umspringen, alles andere als amüsiert ist.

Der Mann, der hätte Auskunft geben können in der Causa Eilts, hatte das Stadion da schon längst verlassen: Matthias Sammer, der DFB-Sportdirektor – und wie Eilts einer der deutschen Heroen beim Gewinn der Europameisterschaft 1996 in England. Die gemeinsame sportliche Vergangenheit aber, das wurde in der vergangenen Woche deutlich, scheint im Hier und Jetzt nur noch wenig zu zählen: In der neuen Rollenverteilung funktioniert das einst kongeniale Team nicht mehr.

Dieter Eilts: „Ich sage nichts zu Spekulationen“

Sammer nämlich mischte sich in der entscheidenden Phase der Qualifikation recht heftig in Eilts’ Angelegenheiten ein. Zuerst, indem er für die beiden Playoff-Spiele kurzfristig Horst Hrubesch, den Trainer der deutschen „U 20“, an die Seite von Eilts beorderte – „Bündelung der Kräfte“ nannte Sammer den Eingriff in die Teamstruktur. Dann, indem er mit öffentlicher Brachialrhetorik („Es geht um Leben oder Sterben“) die unter Eilts vermeintlich angeknackste Moral der Mannschaft zu stärken versuchte.

Ein Wort der Rückendeckung für den Trainer? Fehlanzeige. Nicht am vergangenen Freitag, nach dem 1:1 im Hinspiel in Magdeburg. Und auch nicht am Mittwoch, als Sammer am liebsten auf ganz leisen Sohlen aus dem Stadion entschwunden wäre. Einen Glückwunsch an die Mannschaft ließ er zwar noch ausrichten, zur Trainerfrage dagegen mochte er sich nicht einlassen. „Ich sage nichts zu Spekulationen, die ich nicht selbst in die Welt gesetzt habe.“ Es brauchte jedoch nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass Eilts bei einem Ausscheiden seinen Posten in jedem Fall verloren hätte.

Torwart Manuel Neuer: „Ich bin kein Flutschfinger“

Nun wird man beim DFB neu überlegen, ob der 43 Jahre alte Eilts der Richtige ist, um die Mannschaft ins EM-Turnier zu führen, an dem neben Deutschland und Gastgeber Schweden noch England, Spanien, Finnland, Weißrussland, Serbien und Italien teilnehmen. Am 18. November steht das nächste Länderspiel an, bis dahin muss die Frage im Interesse des Teams vom Tisch sein. Für Eilts, dessen Vertrag bis zum Tag nach dem EM-Finale läuft, sprechen vor allem die Resultate: Platz eins in der Qualifikationsgruppe mit nur drei Gegentoren und nun das Ticket für Schweden – und das, obwohl ihm regelmäßig einige der besten Kräfte nicht zur Verfügung standen.

Gegen ihn spricht die Art und Weise, mit der das Zwischenziel erreicht wurde. Von spielerischem Glanz war zuletzt selten etwas zu sehen bei diesem Jahrgang, der überdurchschnittlich viel Bundesliga-Erfahrung besitzt und eigentlich als hoch veranlagt gilt. Auch das Weiterkommen gegen die in beiden Spielen reifer wirkenden Franzosen war einigen glücklichen Umständen geschuldet.

So waren es zwar schöne Pointen, dass Torhüter Manuel Neuer, der noch im Hinspiel das Gegentor zum 1:1 verschuldet hatte, diesmal ein herausragendes Spiel machte und seinen Kritikern mit Recht entgegnen durfte, „dass ich kein ,Flutschfinger‘ bin“. Oder dass der entscheidende Treffer seinem Gelsenkirchener Mannschafts- und beim DFB auch Zimmerkollegen Höwedes gelang. Ob das allerdings für Eilts genügte, um weiter an der Geschichte dieses Jahrgangs mitschreiben zu dürfen – daran zweifelte am Ende nicht nur der Trainer selbst.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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