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U 21 Nach dem Endspiel ist vor der Karriere

30.06.2009 ·  Die Europameisterschaft ist schon Geschichte für die U 21-Nationalmannschaft. Der Trainer geht wieder zu seiner U 19, die Nachwuchsspieler werden erwachsen. Einige der Talente haben Chancen auf Einsätze bei Joachim Löw.

Von Gregor Derichs, Malmö
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Die ersten flogen ohne Schlaf um 8.40 Uhr von Kopenhagen nach Düsseldorf. Die anderen Grüppchen machten sich später auf den Weg von Malmö über die Ostseebrücke zum dänischen Flughafen Kastrup zu ihren Abflügen nach Frankfurt, Berlin und Stuttgart. Um 14.30 Uhr reisten die letzten der Europameister nach München. Die deutsche U21-Nationalmannschaft, die mit dem EM-Titel ein historisches Ereignis in der 109-jährigen Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) schuf, ist Geschichte. Das Team starb in der Nacht nach seiner schönsten Blüte.

Der grandiose Auftritt in Malmö mit dem famosen 4:0-Sieg gegen England war die letzte offizielle Tat der Europameister. Auch für Trainer Horst Hrubesch war der Abpfiff ein Einschnitt. Er gibt die Verantwortung für das älteste Juniorenteam an Reiner Adrion weiter. In Malmö aber stand Hrubesch im Mittelpunkt des Jubels. Die Spieler herzten ihren Coach besonders innig. Immer wieder riefen sie „Hotte, Hotte“ und feierten ihn. Fast jeder Spieler bezeichnete den Trainer, der das Team erst im November übernommen hatte, als den entscheidenden Mann.

Neuer: „Er war nicht nur der Trainer, er war unser Freund“

„Ich habe so etwas noch nie erlebt. Er war nicht nur der Trainer, er war unser Freund. Er hat uns angeschnauzt und aus dem Dreck gezogen“, sagte Torwart Manuel Neuer. „Nach Dieter Eilts war es nicht einfach für ihn. Der Trainer hatte einen ganz entscheidenden Anteil.“ Auch Bundestrainer Joachim Löw lobte die Leistung des Kollegen. „Es ist phantastisch, was er aus der Mannschaft mit all ihren Problemen vor einem Dreivierteljahr gemacht hat“, sagte Löw. Die authentische Ansprache und die direkte Art, wie er mit den Spielern umgehe, seien die Stärken des Fußballlehrers Hrubesch. Als Vereinstrainer konnte er keine Erfolge verbuchen. Beim DFB steigen die Erwartungen an den früheren Nationalstürmer, der sich als Turniercoach bewährt. Demnächst beginnt für den Achtundfünfzigjährigen die Vorbereitung des U20-Teams, das ab dem 25. September an der WM in Ägypten teilnimmt. Dieses Team führte er schon im Juli 2008 als U19 zum EM-Titel.

„Sie waren ein toller Sportler, Sie sind ein toller Trainer. Es ist einmalig in Europa, innerhalb eines Jahres zweimal Europameister zu werden“, sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger in seiner Dankesrede im Restaurant „Hipp“ am Dramatischen Theater in Malmö. Zwanziger hatte drei Stunden zuvor von Michel Platini, dem Präsidenten der Europäischen Fußball-Union (Uefa), wie die 23 Spieler und deren Trainer eine Goldmedaille überreicht bekommen. Zwanziger schenkte sie seinem Vorgänger Gerhard Mayer-Vorfelder, weil der im Jahr 2000 das große Talentförderprogramm initiiert hatte, das mit seinen Investitionen von gut 100 Millionen Euro in den vergangenen neun Jahren wichtige Impulse für die Erfolge gibt. Die Spieler, die das U21-Finale gewannen, waren damals elf bis 13 Jahre alt und haben von den Fördermaßnahmen profitiert. Einer ihrer Ausbilder, auch in unteren Alterklassen war Hrubesch, der von Mayer-Vorfelder eingestellt wurde.

Musterschüler Özil

Inzwischen wissen sie den knorrigen Coach im DFB zu schätzen. „Die Knollen, die er immer wieder auf der Autobahn sammelt, werden ihm verziehen“, sagte Zwanziger. Hrubesch geht mit seinem Dienstfahrzeug offenbar recht stürmisch vor, wenn er sich zu Beobachtungszwecken durch die Republik bewegt. Im Juniorenbereich ist die Sichtung wesentlich aufwendiger als bei den Senioren. „Ich glaube, Joachim Löw geht guten Zeiten entgegen“, sagte Hrubesch. „Die WM 2010 kommt für einige noch zu früh, ihre Ausbildung muss noch klarer werden.“

Die Spieler, die schon im A-Team gespielt haben, dürften bis auf Gonzalo Castro (Leverkusen) die besten Chancen haben. Manuel Neuer, Andreas Beck, Mesut Özil und Marko Marin könnten in elf Monaten Kandidaten für das 23 Spieler umfassende Aufgebot des DFB werden, sofern die Qualifikation für die WM in Südafrika gemeistert wird. „Wenn Mesut sein Potential ausschöpft, dann ist er ganz einfach genial. Er hat etwas, das nur wenige Spieler beherrschen, er ist effizient und zwar bei allen Aktionen“, lobte Löw den gegen England zum „Man of the Match“ gewählten Özil.

Einige Europameister hegen Abwanderungsgedanken

Neuer bestritt sein letztes Spiel bei Junioren, wegen denen er bisher nur einmal für die A-Elf berücksichtigt wurde. Der Dreiundzwanzigjährige schätzte seine Chancen im Kampf um den Stammplatz im deutschen Tor zurückhaltend ein. Seine Leistung beim EM-Turnier mit nur einem Gegentor in fünf Spielen schade ihm allerdings auch nicht. „Jedes Spiel, in dem eine gute Leistung abgerufen wird, bringt dich am Ende dem Ziel näher. Die nächste Saison wird entscheiden“, erklärte der Schalker, dessen Qualitäten allgemein erkannt worden sind. Beck zählt Löw bereits zum A-Stamm. Bei Marin muss nach einer unterdurchschnittlichen Gesamtleistung bei der U21 ohne Finaleinsatz abgewartet werden, wie er sich in Bremen profiliert. Sami Khedira (Stuttgart) und Benedikt Höwedes (Schalke) hat Löw bereits Einladungen zum A-Team in der neuen Saison in Aussicht gestellt.

Alle anderen Jung-Europameister müssen voraussichtlich warten. Einige werden somit wahrscheinlich zum Ziel von Abwerbeversuchen anderer Verbände. Nicht alle, die eine zweite Staatsbürgerschaft besitzen oder annehmen können, erklärten während der EM eindeutig ihre künftige Treue zum DFB. Sebastian Boenisch, an dem der polnische Verband interessiert ist, aber auch Dennis Aogo (Nigeria) sowie die von alle von Hertha BSC Berlin stammenden Jerome Boateng (Ghana), Änis Ben-Hatira (Tunesien), Ashkan Dejagah (Iran), Chinedu Ede (Nigeria) und Fabian Johnson (USA) könnten eines Tages abtrünnig werden, wenn sie beim DFB keine Perspektive sehen. (siehe auch: U 21-Kommentar: Triumph der Unterschätzten)

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