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TV-Rechte Ballfieber

02.11.2005 ·  Die Karten im Poker um die Bundesliga-Senderechte werden gerade neu gemischt. In Frankfurt hat das bisher größte Bieterverfahren begonnen, und schon jetzt ist klar, daß sich nach der WM 2006 sehr viel ändern wird.

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Die fußballbegeisterten Fernsehzuschauer werden sich in der Bundesliga-Spielzeit 2006/2007 umstellen müssen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat am Dienstag in Frankfurt das bisher größte Bieterverfahren um die Bundesliga-Fernsehrechte eröffnet, und schon jetzt ist klar, daß sich sehr viel ändern wird. Der Dachverband der 36 Profivereine schreibt nämlich insgesamt 233 Rechte-Pakete für die Zeit nach der Weltmeisterschaft 2006 aus.

Insgesamt 35 Bewerber, darunter acht Fernsehsender, sechzehn Agenturen, verschiedene Onlineanbieter und Telekommunikationsunternehmen haben sich laut DFL-Geschäftsführer Christian Seifert registrieren lassen. Bis zum 1. Dezember können sie ihre Gebote abgeben. Ein gemeinsames Angebot von Sendern ist nicht möglich.

Mehr Exklusivität, mehr Geld

Was die Zuschauer erwartet, wird von den Bietern abhängen (siehe aktuelle Details: Fernsehrechte: DFL eröffnet TV-Poker). Der sogenannte „Regelspielplan 2“ sieht zum Beispiel ein Freitagabendspiel der ersten Liga vor, dessen Übertragungsrechte sich sowohl ARD, ZDF, DSF, Kabel Deutschland, RTL, als auch Premiere sichern könnten. Wer mehr Exklusivität wolle, müsse mehr bezahlen, sagte Seifert. Der Samstag als Hauptspieltag soll aber erhalten werden. Geplant sind weder eine Aufstockung der ersten und zweiten Liga durch weitere Vereine noch Relegationsspiele um den Aufstieg. Es gebe aber Szenarien, die gewöhnungsbedürftig seien, sagte Seifert. Vorstellbar ist etwa, daß die Spiele der ersten Liga im Free-TV samstags erst ab 22 Uhr laufen. Liga-Chef Werner Hackmann will die Entscheidung im Millionenpoker vor Weihnachten bekanntgeben.

Sportschau schmackhaft gemacht

Die Liga will statt bislang rund 300 Millionen künftig 500 Millionen Euro erlösen. Das heißt, daß vor allem Premiere mit bislang 180 Millionen Euro als auch die ARD mit rund 65 Millionen mehr zahlen müßten (der zu EM.TV gehörende Sportsender DSF zahlt zwanzig Millionen Euro, das ZDF fünfzehn Millionen Euro für seine Rechte). Die ARD ist dem Vernehmen nach bereit, für ihre „Sportschau“ zwanzig bis dreißig Millionen Euro mehr hinzulegen. Sie hat die Vereine in diesem Sommer bei einer Road-Show davon zu überzeugen versucht, daß ohne die „Sportschau“ auch die Sponsoren schlechter dastünden, die für die Klubs am wichtigsten sind und deren Beiträge noch mehr einspielen als die Senderechte.

Tauchten die Sponsoren, nach denen die Stadien benannt sind und deren Werbung dort überall zu sehen ist, weniger im Free-TV auf, könnte sich deren Zahlungsbereitschaft verringern. Dem Bezahlsender Premiere hingegen kann es nicht gefallen, daß die ARD quasi direkt im Anschluß an die Spiele auf Sendung ist. Wenn man mehr zahlen solle als bisher, müsse man auch mehr Spiele exklusiv haben, ist die Einstellung bei Premiere. So wird alles darauf ankommen, ob der Premiere-Chef Georg Kofler Vabanque spielt und sagt - die ARD oder wir - oder nur etwas mehr will als bisher. Die Liga hat es in der Hand, wer den Fußball bekommt.

Quelle: mmü./miha., F.A.Z., 02.11.2005, Nr. 255 / Seite 46
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