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Tuchel redet sich in Rage : „Krass benachteiligt“

  • -Aktualisiert am

Feindbild der Schiedsrichter? Thomas Tuchel sieht seine Mannschaft benachteiligt Bild: dpa

Vor dem Pokalspiel gegen den SC Freiburg an diesem Dienstag sieht sich der Trainer von Mainz 05 von den Schiedsrichtern verfolgt: „Ich glaube, dass unsere Mannschaft krass benachteiligt wird. Und ich glaube, dass es an mir liegt.“

          Am frühen Montagnachmittag ging Thomas Tuchel in die Offensive. Nur kurz hatte der Cheftrainer des Fußball-Bundesligaklubs Mainz 05 über das Viertelfinal-Pokalspiel an diesem Dienstag (19 Uhr / live im FAZ.NET-Ticker) gegen den SC Freiburg geplaudert, sich Elkin Soto und Jan Kirchhoff gewidmet, die wegen Verletzungen nicht zur Verfügung stehen. Der Einsatz von Niki Zimling steht auf der Kippe. Und er ließ sich knapp darüber aus, dass Angreifer Eric Maxim Choupo-Mouting nach fast fünf Monaten Auszeit wegen einer Knieverletzung erstmals wieder im Kader steht. Beinahe eine Randnotiz: Auch Stürmer Shawn Parker darf nach zwei Spielen Sperre wieder mittun. Mainz 05 hat zum fünften Mal die Chance, ins Halbfinale einzuziehen - doch darüber wollte Tuchel nicht sprechen.

          Sondern: „Ich glaube, dass unsere Mannschaft in der Rückrunde krass benachteiligt wird. Und ich glaube, dass es an mir liegt.“ Nach diesen Sätzen atmeten Klubpräsident Harald Strutz und sein Stellvertreter Peter Arens kurz durch. Was würde jetzt noch kommen?

          Ausgangspunkt für die angebliche Benachteiligung: Tuchels Verweis auf die Tribüne im Achtelfinal-Pokalspiel bei Schalke 04, das war im Dezember. Seinerzeit war Tuchel auch eine Geldstrafe von 6000 Euro auferlegt worden, weil er das Spielfeld betreten und sich verbal mit Jermaine Jones angelegt hatte. Danach habe es diverse Schiedsrichterentscheidungen gegen Mainz 05 gegeben, zudem sei speziell seine Person ein Thema bei der DFB-Schiedsrichtertagung im Januar gewesen. Für Tuchel gibt es eine Reihe von Entscheidungen, die dafür sprechen, „dass das Schiedsrichterwesen ein Problem mit mir und meinem Verhalten hat“.

          Anschließend sprach er von „spielentscheidenden Dingen in der Rückrunde“. Im Heimspiel gegen den SC Freiburg (0:0) moniert er zwei nicht gepfiffene Elfmeter zugunsten seines Teams; eine Situation war ein Handspiel von Pavel Krmas, die andere ein nicht geahndetes Foulspiel an Andreas Ivanschitz. Zudem sei Parker beim 1:1 in Augsburg ein reguläres Tor wegen vermeintlicher Abseitsstellung aberkannt worden, beim 2:2 von Schalke vor zehn Tagen in Mainz habe der Torschütze Bastos abseits gestanden. Die letzte Fehlentscheidung für Tuchel ist gerade mal 72 Stunden her: Nach einer Flanke von Zdenek Pospech habe ein Wolfsburger den Ball im Strafraum mit der Hand abgewehrt, es gab keinen Elfmeter, das Ergebnis lautete 1:1.

          Nach Tuchels Rechnung um acht Punkte betrogen

          Vier Partien, die vier Unentschieden und keine Siege für Mainz 05 brachten. Tuchel: „Das sind bis zu acht Punkte mehr. Was das bedeutet, muss ich nicht erklären.“ Folgt man dem Coach in seiner Argumentation, wäre Mainz 05 mit derzeit 41 Punkten Bundesligavierter und nicht auf Rang acht plaziert. „Im Moment wird unsere Mannschaft für ihren Trainer bestraft. Das ist nicht zu tolerieren“, sagte Tuchel.

          Mit Kalkül direkt vor dem Pokalspiel gegen Freiburg will er seine Kritik nicht vorgebracht haben, und in seiner Bestandsaufnahme nahm er ausdrücklich aus: die Gelbe Karte für Adam Szalai nach einer Schwalbe in Fürth; es war die fünfte gewesen und führte zur Spielsperre gegen Bayern München; ebenso die Gelb-Rote Karte für Parker nach dessen rohem Spiel - so die DFB-Begründung - gegen den Augsburger Michael Parkhurst. Doch auch so sei die Situation bitter genug. In den Spielsitzungen kostet es laut Tuchel schon Energie, „nur beim Sportlichen zu bleiben“ - weil die Mainzer Profis ständig Fehlentscheidungen von Unparteiischen anführen könnten.

          Tuchel ist bewusst, dass er in der Branche längst den Ruf eines „Motzi“ hat, eine entsprechende Debatte „mit mir als Hauptdarsteller“ sei in den Medien ja schon geführt worden. Beinahe turnusgemäß diskutiert der Mainzer Coach auch mit dem vierten Offiziellen, der zwischen den Trainerzonen seinem Job nachgeht. Dem möglichen Vorwurf, er wolle mit seinen Attacken gegen die Schiedsrichtergilde („Wir wollen einfach nur fair behandelt werden“) lediglich von internen Problemen ablenken, wirkte er präventiv entgegen: „In letzter Konsequenz waren alle Gegentore in den letzten drei Spielen von uns nicht verteidigt. All diesen Dingen stellen wir uns intern mit einer glasklaren Offenheit.“

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