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Torsten Frings Angenehm altmodisch

16.10.2007 ·  Torsten Frings ist in der Nationalelf die personifizierte Mischung aus Tradition und Moderne. Der Ersatzkapitän sieht nicht in jedem Training ein persönliches Projekt, aber beim Yoga interessiert ihn, wie die Atmung die Dehnung beeinflusst.

Von Michael Horeni, München
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Torsten Frings kann man sich durchaus als mürrischen Profi vorstellen. Als einen aus jener Sorte von Fußballern, die es eigentlich gar nicht mehr gibt in der Eliteauswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), nach all den Jahren mit Motivatoren und Positivdenkern wie Joachim Löw und Jürgen Klinsmann. Diese Sperrigkeit ist nicht unsympathisch, aber doch ziemlich ungewöhnlich in einer Mannschaft, in der, wie der Bundestrainer sagt, jeder Spieler sein eigener Unternehmer ist.

Frings ist gerade wieder Kapitän dieser Unternehmer, sozusagen der Chef all der kleinen hochmobilen „Ich-AGs“ in der Fußball-Nationalelf. Es ist aber schwierig zu sagen, welcher Name zu dem Unternehmen passen würde, dem Frings am Mittwoch gegen Tschechien wieder vorstehen wird. Frings redet nämlich nicht wie einer dieser modernen Fußball-Unternehmer, die in jedem Training ein persönliches Projekt und in jedem Spiel eine offizielle Präsentation sehen.

Auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft

Frings sagt immer noch im Tonfall der frühen Jahre, dass die Mannschaft jetzt weiter „Gas geben“ und dass sie gegen Tschechien auch gewinnen müsse wegen der „Gerechtigkeit“ in der Gruppe. Die anderen Teams hätten darauf einen Anspruch, das sei sonst „nicht fair“. Das klingt auf sehr angenehme Weise altmodisch, und wenn Frings, der gerade seine Stunde Yoga gemacht hat, davon spricht, „wie interessant es ist, was die Atmung für das Dehnen ausmacht“, dann wirkt er wie die personifizierte Mischung aus Tradition und Moderne im deutschen Fußball.

Torsten Frings ist seit rund zwei Jahren auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft angelangt, die Rolle des Ersatzkapitäns für Michael Ballack fällt ihm immer wieder und ganz selbstverständlich zu. Auf seiner „Sechser“-Position gehört er zu den besten Spielern der Welt. Er wäre eine Bereicherung für jeden großen Klub. Aber es fällt auf, dass dieser Typus des höchst erfolgreichen Teamarbeiters in den vergangenen Jahren dabei ohne jede Auszeichnung geblieben ist. Die letzten Titel hat er ausgerechnet mit dem FC Bayern München gewonnen, und es ist eine Ironie seiner Fußball-Geschichte, dass dies ausgerechnet bei dem Klub gelang, bei dem er sich menschlich unverstanden fühlte.

Meisterschaft noch nicht aufgegeben

„Titel sind wichtig. Aber man braucht auch das Glück, in einer großen Mannschaft zu spielen“, sagt Frings. Wie es derzeit aussieht, verdient der Bremer sein Geld täglich in einer außergewöhnlichen Mannschaft, aber den großen Erfolg erwartet er dann doch etwas eher mit der Nationalmannschaft. „Bayern hat die Mittel, 70 Millionen auszugeben und andere Mannschaften wie uns zu schwächen durch den Kauf von Miro (Klose)“, sagt Frings. „Wir haben mit Bremen die Meisterschaft noch nicht aufgegeben. Aber die Europameisterschaft wird für mich noch mal zu einem großen Ziel. Wir haben eine sehr gute Mannschaft, die das Ziel auch erreichen kann.“

So konkret mag er die Erwartungen mit Werder Bremen nicht benennen, obwohl Werder trotz ungezählter Verletzungen mit sechs Punkten Rückstand auf Rang drei steht. Das hält er für ein ausgezeichnetes Ergebnis, „jetzt müssen wir aber erst mal stabil werden“. Den Titel als Ziel will er aber nicht nennen. „Oben mitspielen wird schwer genug“, sagt er, von der Champions League nach dem schwachen Start gar nicht erst zu reden.

Grenzen des Nachwuchswachstums

Die Leistungsdichte innerhalb der Mannschaft, sie ist im Vergleich für Frings derzeit offensichtlich im Team von Joachim Löw etwas größer. „Man sieht, dass hier immer wieder gute junge Spieler nachkommen. Das ist das Entscheidende. Jetzt können wir für ein oder zwei Spiele mal fünf oder sechs Spieler ersetzen, die Leistungsträger sind“, sagt Frings.

In Dublin, beim 0:0 am Samstag gegen Irland, hat er aber auch die Grenzen des Nachwuchswachstums erlebt, die Erfahrungen, die ihm auch aus Bremen in dieser Spielzeit so vertraut sind. „Irgendwann ist es dann aber auch zu viel. Das hat man in Dublin dann auch gemerkt. Aber wir können hinten unheimlich stark stehen, wenn es drauf ankommt, können wir zu null spielen. Wenn wir aber komplett sind, haben wir eine unheimlich starke Mannschaft.“

Vergangenheit soll Vergangenheit bleiben

Wenn Frings über die jüngste Vergangenheit in Bremen redet, die hässliche Wechselgeschichte von Klose, dann ahnt man, dass dies Spuren hinterlassen hat, auch wenn die Worte anderes aussagen sollen. „Wir haben es im letzten Jahr aus irgendwelchen Gründen nicht geschafft. Gründe, die heute nicht mehr wichtig sind“, sagt Frings. „Darüber will ich nicht mehr reden. Die Sache ist erledigt.“ Bald werden Klose und Frings bei der Nationalmannschaft wieder zusammen sein, und Frings hat sich vorgenommen, dass ihm das nichts ausmachen und die Vergangenheit Vergangenheit bleiben soll.

So wie Profis eben reden, wenn sie gemeinsam neue Ziele in Angriff nehmen müssen. „Das sind zwei verschiedene Dinge, hier spielen wir für unser Land“, sagt Frings. In Bremen will er sich in dieser Saison nicht zuletzt mit einer guten Saison das Selbstbewusstsein für die EM-Endrunde holen, für den Titel. Und wenn es dann im Sommer doch wieder nicht klappen sollte? „Wir sind einer der Favoriten, aber man kann nicht davon ausgehen, dass wir Europameister werden. Doch man muss uns erst mal schlagen.“

Quelle: F.A.Z., 16.10.2007, Nr. 240 / Seite 32
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