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Torlinientechnik : Die Antwort

Die Frage aller Fragen: Tor oder nicht Tor? Bild: AFP

Die Entscheidung für die Torkamera war überfällig: Es gibt keine Rechtfertigung dafür, Fußballstadien technisch bis unters Dach hochzurüsten, aber vor der Frage aller Fragen, Tor oder nicht Tor, krampfhaft das Auge zu verschließen.

          Alles andere als diese Entscheidung wäre eine Blamage für Joseph Blatter und den Internationalen Fußball-Verband (Fifa) gewesen. Der Präsident selbst war es schließlich, der unter dem Eindruck der Fehlentscheidung im Weltmeisterschafts-Achtelfinale 2010 zwischen Deutschland und England seine eigene Position über den Haufen geworfen und die Frage der Torlinientechnik zur Chefsache gemacht hatte. Woraufhin die Fifa ein mehrstufiges Verfahren ausschrieb und umfangreiche Tests von Schweizer Spezialisten arrangieren ließ.

          Deren Ergebnisse stellten die Regelhüter des Spiels, das als konservativ geltende International Football Association Board (Ifab), dann so zufrieden, dass sie im vergangenen Juli der Fußball-Revolution die Tür öffneten. Es ist also keine Überraschung, dass Blatter und die Fifa auch den letzten Schritt gehen und Torlinientechnik beim Confederations Cup in diesem Sommer und dann auch bei der WM im kommenden Jahr einsetzen. Und eine vernünftige Innovation ist es obendrein.

          Es gäbe schlichtweg keine Rechtfertigung dafür, Fußballstadien technisch bis unters Dach hochzurüsten, um selbst kleinste Details in die Spielanalysen der Klubs oder auch der Fernsehsender einfließen lassen zu können - zugleich aber vor der Frage aller Fragen, Tor oder nicht Tor, krampfhaft das Auge zu verschließen. Wenn die Technik funktioniert, und hier muss man der Fifa bis zum Beweis des Gegenteils trauen, muss sie auch eingesetzt werden.

          Ob und inwieweit das für alle Wettbewerbe gilt, ist eine andere Frage. Natürlich spielen die Kosten eine Rolle. Das ist auch einer der Gründe dafür, warum kein Verband und keine Liga zur Einführung der Torlinientechnik gezwungen wird. Jeder Veranstalter soll es selbst entscheiden. Michel Platini, der Präsident des europäischen Verbandes (Uefa), kann also weiterhin auf seiner Position beharren, die Technik nehme dem Fußball seine Menschlichkeit - ein abenteuerliches Argument angesichts des ungeheuren Drucks, der auf Schieds-, Linien- und Torrichtern lastet, deren menschliche Wahrnehmung im Extremfall eben auch an Grenzen stößt.

          Und auch die Deutsche Fußball-Liga kann weiter zögern und zweifeln. Dem Entschluss der Fifa, die man in diesem Fall ruhig einmal fortschrittlich nennen darf, schadet das nicht. Hin und wieder hört man das Argument, es müsse doch einheitlich zugehen auf den Fußballplätzen dieser Welt. Schön wäre das schon. Schöner aber ist es, wenn man sich auf mehr und mehr Plätzen sicher sein kann, dass der Schein nicht trügt.

          Quelle: F.A.Z.

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