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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Torhüterin Nadine Angerer „Ich mag keine Spielerinnen, die rumheulen“

 ·  Fußball-Torhüter sind so etwas wie die Einzelsportler in einem Mannschaftsspiel. Im deutschen Fußball geht von dieser Rolle eine besondere Anziehungskraft aus. Nadine Angerer steht im WM-Finale gegen Brasilien wieder im Brennpunkt.

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Torhüter sind ein bisschen anders, und das ist bei Frauen wie Männern ziemlich gleich. Ihre Position bringt es mit sich, dass sie auf dem Fußballplatz zu den einsamen Menschen gehören. Sie trainieren selten mit der gesamten Mannschaft, und auf dem Platz spielen sie mit ihren Händen ein anderes Spiel. Wenn sie einen Fehler machen, sind sie sehr einsam; diese Erfahrung, am Ende immer auf sich alleine gestellt zu sein, prägt die Fußball-Torhüter. Sie sind so etwas wie die Einzelsportler in einem Mannschaftsspiel.

Im deutschen Fußball geht von dieser paradoxen Rolle offenbar eine besondere Anziehungskraft aus. Das zeigt sich nun wieder bei der Frauen-Weltmeisterschaft in China. Nadine Angerer jedenfalls, die mit Deutschland an diesem Sonntag im Endspiel von Schanghai gegen Brasilien steht, verlängert derzeit die große Tradition der deutschen Torhüter.

Ihre Aggressivität schüchtert die Gegner ein

Sie hat bisher mit ihrer Mannschaft fünf Spiele absolviert. In nicht einem einzigen hat sie einen Treffer hinnehmen müssen. Das hat es bei Fußball-Weltmeisterschaften noch nicht gegeben. Es ist nicht zuletzt diese erstaunliche Serie, die den Deutschen große Hoffnung macht, ihren Titel verteidigen zu können. Es ist aber nicht bloß der Rekord, der Nadine Angerer bei dieser Weltmeisterschaft in den Mittelpunkt rückt, sondern auch die Art und Weise, wie sie ihre Rolle ausfüllt. Auf der bei vielen Frauen-Nationalmannschaften notorisch schwach besetzten Position schont sie, ganz untypisch, weder sich noch ihre Gegnerinnen.

Im Gruppenspiel gegen Japan und beim 3:0 im Viertelfinale gegen Nordkorea ist sie, wie immer, aggressiv aus dem Tor gestürmt - und heftig mit den Angreiferinnen zusammengeprallt. Die Japanerin konnte danach nicht mehr weiterspielen, die Nordkoreanerin musste länger behandelt werden. Das ist zwar von der Dramatik weit entfernt, mit der ihr Kollege Toni Schumacher bei der WM 1982 einst einen französischen Spieler schwer verletzte, aber dass Nadine Angerer mit ihrer Aggressivität die Gegner einschüchtern möchte, ist offensichtlich. „Ich mag keine Sportlerinnen, die rumheulen“, sagt sie.

Seltene Chancen bei der WM entschlossen genutzt

In der Vorrunde hatte sie nicht viel zu tun, aber sowohl gegen Nordkorea als auch beim 3:0 im Halbfinale gegen Norwegen reagierte sie in entscheidenden Situationen prächtig. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Theo Zwanziger, war voll des Lobes: „Nadine Angerer ist eine Weltklasse-Torhüterin.“

Davon hatte man zuvor in der Welt aber noch nichts mitbekommen. Denn die Geschichte Nadine Angerers in der deutschen Nationalmannschaft ist bis zum Beginn der WM schnell erzählt. Die 28 Jahre alte, für Turbine Potsdam spielende Hessin hatte jahrelang nur zugeschaut, wie das Team mit Silke Rottenberg im Tor alle Titel abräumte. Sie war immer nur Ersatz. Einen Monat vor dem Turnier löste sie ihre Vorgängerin ab, auf ganz unspektakuläre Weise: Ihre Konkurrentin verletzte sich zu Jahresbeginn und wurde nicht mehr rechtzeitig fit. Es liegt im Wesen des Spiels, dass die Menschen im Tor nur selten eine Chance bekommen. Nadine Angerer hat ihre bei der WM entschlossen genutzt.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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