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Toni Schumacher im Gespräch : „Wir werden nicht austicken“

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Harald „Toni“ Schumacher: „Der 1. FC Köln hat das Potential, große Brote zu backen“ Bild: picture alliance / dpa

Endlich raus aus dem Fahrstuhl: Toni Schumacher, Torwart-Legende und Vizepräsident des 1. FC Köln, über den Bundesliga-Aufstieg und seinen Traum, aus dem Klub wieder einen „feinen Verein“ zu machen.

          An diesem Sonntag nach dem Heimspiel gegen den FC St. Pauli bekamen Sie und der 1. FC Köln das erste Mal seit 1978 wieder eine Schale überreicht. Die Meisterschale der Zweiten Bundesliga ist doch eigentlich eine Trophäe, die keiner braucht, oder?

          Ich selbst tue mich wirklich ein bisschen schwer damit, weil ich früher nur um die „richtige“ Schale gespielt habe. Für den Großteil der Mannschaft, vor allem für die vielen jungen Spieler, ist das aber eine besondere Auszeichnung, die sie sich verdient haben. Und für uns alle ist die Zweitliga-Schale ein Symbol dafür, dass wir einen guten Job gemacht haben.

          Dass die Schale von DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig überreicht wurde, ist nicht ohne Ironie. Rettig war von 2002 bis 2005 Manager beim 1. FC Köln und hatte vergeblich versucht, die „Entkölschung“ des Klubs voranzutreiben. Heute erscheint der FC ruhiger und seriöser. Wie haben Sie und Ihre Kollegen das geschafft?

          Wenn Sie „kölsch“ mit unseriös gleichsetzen, dann ist das ein falsches Klischee. Grundsätzlich muss man mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn ich Wasser predige, kann ich nicht Wein trinken. Dann muss ich auch Wasser trinken. Wir im Vorstand haben es uns auf die Fahnen geschrieben, dass wir auf die eigene Jugend setzen, dass wir versuchen, alle Steine umzudrehen. Denn so wie in den letzten zwanzig Jahren konnte es nicht weitergehen. Wir sind aufgestiegen, das war unsere Pflicht, nicht mehr und nicht weniger. Jetzt geht es vom ersten Spiel der neuen Saison an darum, dass wir in der ersten Liga bleiben. Wir drehen nicht durch, geben keine unrealistischen Ziele vor, wie beispielsweise zu sagen, jetzt müssten wir bald wieder europäisch angreifen. Wir wissen genau, wie schwer es wird. Die Klopfrichtung wird sich von den Schultern verschieben in Richtung Schienbeine. Wie gut die Gemeinschaft ist und die Zusammensetzung der Mannschaft, zeigt sich ja erst in Situationen, in denen es nicht so gut läuft.

          Das eine ist, dass im Klub solide gearbeitet wird. Doch auch die Fans zeigen sich seit geraumer Zeit geduldig, selbst bei schwächeren Spielen. Wie konnte es dazu kommen?

          Das ist ein wichtiger Punkt unserer Ziele, seit wir uns den Mitgliedern zur Wahl gestellt haben. Dass wir daran arbeiten wollen, den Verein zu vereinen. Das ist eindrucksvoll gelungen, wenn man sieht, wie die vergangenen Monate vonstatten gegangen sind. Ein Beispiel ist sogar der letzte Platzsturm (gegen Bochum), den wir eigentlich vermeiden wollten. Er ist diszipliniert über die Bühne gegangen. Danach hat sogar die „Rheinische Post“ aus Düsseldorf geschrieben: „Liebe Düsseldorfer, guckt mal: So geht Platzsturm!“ Das ist einerseits eine Bestätigung, hat aber auch dazu beigetragen, dass wir in Ruhe weiterarbeiten konnten, weil du nicht alle vierzehn Tage Angst haben musst, dass ein paar Leute in der Kurve ausflippen.

          Kehrt die große Aufregung in der ersten Liga zurück?

          Ich glaube, dass es bei den Fans eine Wandlung gegeben hat. Die Jungs ziehen mit, da findet gerade eine interne Reinigung statt. Einige von ihnen haben uns sehr viel Geld gekostet, wegen der Strafen für Pyrotechnik und Ausschreitungen.

          Ein Evergreen unter den kölschen Fangesängen ist der Song vom ständigen Auf- und Abstieg: „Das finden wir lustig, weil wir bescheuert sind.“ Wie lange wird das Lied noch gesungen?

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