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Thomas Hitzlsperger „Bei mir wird kein Durchbruch kommen“

27.03.2007 ·  Für viel Furore hat Thomas Hitzlsperger noch nicht gesorgt. Das will er auch nicht. Der Stuttgarter setzt auf eine kontinuierliche Entwicklung seiner Leistungen. Der Mittelfeldspieler im Interview über seine Rolle in der Nationalelf, die Arbeit der Trainer und junge Profis.

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Thomas Hitzlsperger ist ein eher unscheinbarer Fußballprofi. Der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler vom VfB Stuttgart hatte nach seinem Wechsel von Aston Villa zu den Schwaben zunächst eine durchwachsene erste Saison. In dieser Spielzeit stabilisiert er aber seine Leistungen und setzt in der Offensive immer wieder Akzente: Fünf Tore und eine Torvorlage sind ihm in der Bundesliga bisher gelungen. Auch in der Nationalmannschaft robbt sich Hitzlsperger an die erste Elf heran. Bundestrainer Joachim Löw wird ihn wohl im Länderspiel gegen Dänemark an diesem Mittwoch von Anfang an einsetzen.

Erinnern Sie sich noch an die Zeit, als es hieß: Was will denn der Hitzlsperger in der Nationalmannschaft?

Ich bin jetzt schon zweieinhalb Jahre dabei, aber das vergesse ich sicher nicht. Ich wurde damals unter Jürgen Klinsmann als Linksverteidiger eingesetzt, weil wir auf dieser Position Bedarf hatten. Damals stand die Abwehr immer in der Kritik. Ich selbst habe mich eigentlich immer als Mittelfeldspieler gesehen, aber von Klinsmann und Löw hatte ich immer Unterstützung - und das war das Wichtigste. Die Trainer haben gesehen, was ich geleistet habe. Jetzt hat sich alles gewandelt.

Welche Rolle spielen Sie heute?

Ich bin als Mittelfeldspieler immer näher an das Team herangekommen. Ich will als Mittelfeldspieler eingewechselt werden - und das war gegen Tschechien der Fall. Mein Ziel ist es, irgendwann Stammspieler zu werden. Aber bis zur EM wird sich personell nicht viel ändern, danach möchte ich eine größere Rolle spielen.

In der Partie gegen Dänemark gehören Sie wegen der Schonung der Stammkräfte schon zu den erfahrenen Nationalspielern - was bedeutet das Testspiel für Sie?

Die jungen Spieler und die Debütanten können beweisen, warum sie eingeladen worden sind. Die Mannschaft hat ja noch nie zusammengespielt und ist nicht zu vergleichen mit dem Team von Prag. Da wird man am Mittwoch geduldig sein müssen.

Was ist der Unterschied zwischen der WM-Mannschaft und dem Team 2007 unter Bundestrainer Löw?

Wir haben Erfahrung gesammelt, Qualität war schon vorhanden. Es herrscht ein noch besseres Verständnis untereinander. Jeder weiß, was seine Aufgabe ist - das Selbstbewusstsein ist gewachsen. Wir sind Dritter der WM geworden, mit gutem Fußball. Wir werden international seitdem anders wahrgenommen, und wir sehen uns selbst als Favorit. Je länger wir zusammenspielen, desto besser werden wir.

Bundestrainer Löw kann sich derzeit vor Lob kaum retten.

Wie die Spiele analysiert und angegangen werden, ist ein ganz entscheidender Punkt. Ich habe zum Beispiel noch nie einen so detailversessenen und akribischen Analytiker wie Urs Siegenthaler erlebt, der einem genau sagen kann, wie man den Gegner knacken kann. Dazu kommt die tolle Vorbereitung durch Joachim Löw und Hansi Flick sowie das Wissen über unsere eigene Stärke. Da hat sich einiges gewandelt.

Deutschland jubelt über die Nationalelf, aber nur selten über seine Klubs. Lässt sich das System Nationalmannschaft auf die Liga übertragen?

Die Bundesliga und die DFB-Auswahl kann man nicht vergleichen. In der Bundesliga ist alles ergebnisorientiert ausgerichtet. Hier nutzt die sportliche Leitung trotz allen Erfolgsdrucks die Möglichkeit, sich in Ruhe die nächsten Schritte zu überlegen. Die Zeit wird hervorragend genutzt. Nichts bleibt dem Zufall überlassen. In der Bundesliga ist konzeptionelle Arbeit sehr schwierig. Der Druck ist zwar in der Nationalmannschaft größer, aber in der Bundesliga besteht er jeden Samstag.

Es soll sich also wirklich nichts auf den Alltag übertragen lassen?

Das System ist zu komplex, um es eins zu eins zu übernehmen. In Teilbereichen, wie der Fitness, funktioniert es aber schon ein wenig. Unsere Stuttgarter Fitnesstrainer tauschen sich zum Beispiel mit Oliver Schmidtlein aus.

Werden Sie von jungen Spielern gefragt, wie es bei der Nationalelf läuft?

Das hängt von der Persönlichkeit ab. Es gibt in der Bundesliga junge Spieler, die eine hohe Eigenmotivation haben, die wollen genau wissen, wie hier trainiert wird und was hier passiert. Aber man kann nicht sagen, dass sich alle jungen Spieler dafür interessieren. Es gibt noch immer Spieler in den Vereinen, die machen nur, was der Trainer sagt - und nicht mehr. Ich erlebe beides: Junge Spieler, die spätmöglichst zum Training kommen und frühstmöglich wieder gehen - und die interessierten Spieler.

Haben diejenigen Profis, die spät kommen und früh gehen, überhaupt noch eine Chance, Nationalspieler zu werden?

Ja, das haben sie. Es ist nicht so, dass derjenige, der am besten trainiert, auch am besten spielt. Es gibt Spieler, die mit wenig Training sehr gute Leistungen im Spiel abrufen können. Aber ich bin überzeugt, dass der Zeitraum ihrer starken Leistungen begrenzter ist. Die haben auch mal eine sehr gute Saison und auch Höhepunkte in ihrer Karriere - doch es ist keine nachhaltige Entwicklung.

Das ist offensichtlich nicht der Weg, der Ihnen vorschwebt?

Nein, bei mir geht es um stetige Weiterentwicklung. Früher wollte ich sofort in der Nationalmannschaft spielen und habe mich für den Besten gehalten. Jetzt weiß ich, dass ich erst zu einem späteren Zeitpunkt meiner Karriere den großen Erfolg haben werde. Bei mir geht es in kleinen Schritten vorwärts, da war kein Durchbruch, und da kommt auch kein Durchbruch. Ich werde bei der Nationalelf nach und nach zum Stammspieler und hole das Maximale aus mir heraus.

Weltmeister werden Sie dann sicher auch?

Ich will alles gewinnen. Ich habe ja schon im Sommer erlebt, wie nah wir dran waren. Der WM-Titel ist auch ein Ziel von mir. Aber ich denke nicht zuerst an den WM-Titel und dann an ein gutes Spiel am Mittwoch gegen Dänemark - es ist genau umgekehrt.

Die Fragen stellte Michael Horeni.

Quelle: F.A.Z., 27.03.2007, Nr. 73 / Seite 35
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