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Ausgewanderter Fußballprofi : Die langsame Karriere des Thomas Broich

  • -Aktualisiert am

Auswanderer: In Australien hat Thomas Broich den Spaß am Fußball wiedergefunden Bild: Picture-Alliance

Thomas Broich war der „andere“ Fußballprofi, bis er ein abgehängter Fußballprofi wurde. Dann fand er in Australien zu sich selbst und zurück zur Liebe zum Spiel. Nun hat er seine Laufbahn beendet – und erkennt dennoch im Fußball seine Zukunft.

          Wenn Thomas Broich durch die Kölner Innenstadt schlendert, dann wird er nicht erkannt, von niemandem angesprochen. Er ist jetzt 36 Jahre alt, trägt einen mittellangen Bart, in seinem immer noch vollen und dunklen Haar finden sich ein paar erste Ausreißer in Grau. Sie könnten ein Zeichen dazugewonnener Weisheit sein, aber die schien Broich ja schon in jungen Fußballerjahren für sich gepachtet zu haben. In der Öffentlichkeit zeichnete er bewusst von sich das Bild des kickenden Philosophen, der Klassiker las, Klavier spielte und sogar Miniaturen von griechischen Tempeln töpferte.

          Wenn Broich heute von seiner Zeit in der Bundesliga spricht, dann ist seine Miene ernst, manchmal verfällt er in nachdenkliche, aber mittlerweile auch reflektierte Monologe. Dass er immer noch anders ist als viele seiner Kollegen, wird an seiner Wortwahl, seiner Art, sich zu artikulieren, deutlich. „Prätentiös“ sei er manchmal gewesen, andere würden vielleicht aufgeblasen oder großspurig sagen.

          Broich hat für sich aber jene Verhaltensmuster erkannt, die ihm damals so viele Probleme bereiteten. Es war sein Denken, geprägt von Eitelkeiten und Selbstüberschätzung. Abgrenzen wollte er sich von jener Wahrnehmung, die dem Fußballgeschäft nach außen hin anhaftet. Diese Oberflächlichkeit, mit der die Geschehnisse auf und neben dem Platz erklärt werden, meist in Form von biederen und immer gleichen Floskeln, von intellektuell eher einfach gestrickten Menschen. Er habe sich geschmeichelt gefühlt, in einem anderen Licht porträtiert zu werden, aber irgendwann eben auch damit angefangen, sich innerhalb der eigenen Mannschaft ins Abseits zu stellen. „Dass das irgendwann zu Problemen führt, das hätte man sich auch irgendwie denken können“, sagt Broich heute etwas selbstironisch, in einem der wenigen Momente, in denen er sich im Nachgang über sein früheres Verhalten selbst ein Lächeln entlockt.

          Selbstsabotage in der Bundesliga

          Wie ein roter Faden habe sich diese Form der Selbstsabotage durch seine Karriere, durch eigentlich alle Stationen in Deutschland gezogen. Ein ganz normaler Junge, ein geschätzter Bestandteil im Mannschaftsgefüge, das sei er nur bei Wacker Burghausen gewesen. Dort begann zur Jahrtausendwende Broichs Profikarriere, in der Zweiten Bundesliga machte er schnell als technisch versierter Mittelfeldregisseur auf sich aufmerksam. Endlich mal wieder einer, der mit dem Ball etwas anfangen kann, der ein Gefühl für Gegner und Raum hat und diesen mit präzisen Pässen auch bespielen kann, sagten viele in Zeiten, in denen der deutsche Rumpelfußball fast ohne individuelle Glanzlichter auskommen musste. Broich wurde neben Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger zur großen Nachwuchshoffnung des Landes auserkoren, sie sollten einmal das Fundament einer neuen, hoffentlich besseren Nationalmannschaft bilden.

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