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Swansea-Torwart Tremmel „Die waren alle voll“

 ·  Swansea City überrascht in der englischen Premier League - mit dem 34 Jahre alten Gerhard Tremmel im Tor. Im F.A.Z.-Interview spricht der Deutsche über „Swanselona“, Alkohol im Bus und die englische Einschätzung deutscher Torhüter.

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© dpa Vergrößern Ein Held, der hält: Gerhard Tremmel fühlt sich bei Swansea City pudelwohl

Der walisische Zwergen-Klub Swansea City bringt in der Premier League selbst die Giganten zu Fall - und der 34 Jahre alte Deutsche Gerhard Tremmel pariert die gegnerischen Schüsse. An diesem Sonntag (14.30 Uhr) tritt der Klub aus Wales bei Tottenham Hotspur an und könnte mit einem Sieg auf einen Europapokal-Platz springen.

Sie sind bereits im vergangenen Sommer in die Premier League gewechselt, ohne dass es in Deutschland groß registriert wurde. Bei Per Mertesacker und Lukas Podolski war das anders - ärgert es Sie, dass Sie so wenig beachtet werden?

Nein, gar nicht. Es ist doch völlig normal, dass zwei Nationalspieler für die Leute viel interessanter sind als einer, der schon seit einem Jahr in Österreich gespielt hat.

Derzeit mischen Sie mit Swansea City die englische Liga auf. Mit 23 Punkten liegt der Verein nur drei Punkte hinter den Europa-League-Plätzen. Worauf ist der Erfolg zurückzuführen?

Wir sind selbst überrascht, dass es so gut läuft. In dieser Liga ist Selbstvertrauen extrem wichtig. Das haben wir uns beim Sieg im Ligapokal gegen Liverpool geholt, welches auch mein erstes Spiel war. Wir kommen an die Anfield Road und hauen die 3:1 weg. Für den Klub war das ein unglaublicher Erfolg.

Seit Sie vor sechs Wochen für den verletzten Michel Vorm ins Tor gerückt sind, hat Swansea in der Liga selbst Chelsea und Liverpool ein Unentschieden abgetrotzt. Gegen Arsenal mit Lukas Podolski und Per Mertesacker haben Sie sogar 2:0 gewonnen. Von der englischen Presse wird Swansea seitdem gar als „Swanselona“ bezeichnet ...

... das hat vor allem mit unserem Kurzpassspiel zu tun. Man hat es sich im Klub zur Aufgabe gemacht, nicht englisch spielen zu wollen und den Ball nach vorne zu kloppen, sondern mit schönem Spiel zum Erfolg zu kommen. Begonnen hat das mit dem spanischen Trainer Roberto Martinez vor ein paar Jahren und wurde seitdem von allen Trainern weiterentwickelt.

Swansea hat es als erster walisischer Verein in die englische Premier League geschafft. Nimmt man da automatisch eine Außenseiterrolle ein?

Ja, das denke ich schon. Ich habe das vor allem an den Reaktionen des Umfelds und der Fans gemerkt. Man hat schon das Gefühl, dass man als Mannschaft nicht so wertgeschätzt wird, wie die englischen Teams. Aber das schweißt umso mehr zusammen. Die Kameradschaft hier ist bombastisch. Fans, Klub und Spieler - das ist eine Riesengemeinschaft. Das liegt vermutlich auch am extrem großen Stolz der Leute hier. Sie müssten einmal unsere Fans bei Heimspielen erleben. Einen unglaublichen Lärm machen die, das ist Wahnsinn. Das pusht so richtig.

Wie sind Sie überhaupt zu Swansea gekommen?

Es war immer mein Traum, in der Premier League zu spielen. Mich hat schon immer die Atmosphäre in den Stadien fasziniert. Also habe ich mich ein bisschen umgeschaut, was es denn für Möglichkeiten gibt und bin auf Swansea gestoßen, die gerade, aufgestiegen waren. Ich kannte den Klub gar nicht, aber ich sah, dass sie nach Torhütern Ausschau hielten. Irgendwann habe ich erfahren, dass Swansea ein Trainingslager in Österreich hat, gerade einmal vierzig Minuten von meiner Wohnung in Salzburg entfernt. Über ein paar Ecken habe ich Kontakt zum Torwarttrainer hergestellt, der mich ins Training einlud. Nach zwei Trainingseinheiten hat mir Trainer Brendan Rodgers dann gesagt, er würde mich gern sofort mitnehmen. Ich hab nur kurz überlegt und dann gedacht: „Gut, ich mach’s.“ Aber ich musste das dann natürlich noch meiner Frau klar machen: „Du Schatz, ich fahr jetzt nach Wales.“ Und sie meinte nur: „Na gut, viel Spaß.“ Also bin ich rein in den Mannschaftsbus.

Man hört, Sie waren neben Trainer Rodgers und dem Busfahrer der einzig Nüchterne im Bus.

Das stimmt, die waren alle voll. Für mich war das etwas völlig Neues. Das kennt man aus Deutschland so nicht. Aber hier ist es normal, dass die Mannschaft am letzten Abend des Trainingslagers ausgeht. Und wenn die Engländer das Trinken anfangen, völlig egal ob Fußballer oder normale Leute, dann geht’s rund.

Als Sie in Swansea ankamen, hatte der Klub auch den niederländischen Torhüter Michel Vorm verpflichtet, der die Nummer eins ist. Sollte nicht ein deutscher Torhüter in England gesetzt sein?

Das war natürlich ärgerlich. Aber das Bild, dass die deutschen Torhüter die besten der Welt sind, haben die Deutschen exklusiv. Während in der Bundesliga von 18 Mannschaften bestimmt 16 einen deutschen Torwart haben, bedient sich die Premier League einfach an den besten Torhütern, die in Europa so rumschwirren.

Hatten Sie Hoffnung, nach dem Trainerwechsel von Rodgers auf Michael Laudrup vor der Saison zur Nummer eins aufzusteigen?

Natürlich habe ich mir Chancen ausgerechnet. Ich bin ja nicht nach England gekommen, um in zwei Jahren drei Spiele zu machen. Dann gab es aber so viele Umstellungen im Team, dass der Trainer nicht auch noch den Torhüter austauschen wollte. Ich wusste aber, dass ich auf jeden Torwart Druck machen kann und dass ich meine Chance bekommen werde.

Ihr Vertrag läuft am Saisonende aus. Wollen Sie bei Swansea verlängern?

Ich muss abwarten, was der Verein und der Trainer entscheiden. Fakt ist: Ich fühle mich hier pudelwohl und genieße zurzeit jeden Moment. Eigentlich gibt es keinen Grund zu gehen.

Könnten Sie sich eine Rückkehr nach Deutschland vorstellen?

Man kann nichts ausschließen. Wenn man mal im Ausland war, sieht man erst, wie gut es uns in Deutschland geht. Außerdem würde ich gerne mal wieder eine Leberkässemmel essen.

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